Matthias Andres
Matthias AndresQuelle: Zurich
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Zurich-Senior-Underwriter Andres: "Das richtige Bauchgefühl ist nach wie vor sehr wichtig"

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Welche Auswirkungen hat der technologische Fortschritt auf das Underwriting der Versicherer? Und welche Rolle werden die Insurtechs in diesem Segment in Zukunft einnehmen? VWheute hat exklusiv mit Matthias Andres, LL.M., Senior Underwriter Financial Lines Large Commercial bei der Zurich Gruppe Deutschland, über die aktuellen Trends und Entwicklungen gesprochen.

Warum ist es wichtig als SUW auf Veranstaltungen wie die Haftpflicht zu gehen, verändert sich das Geschäft so schnell, dass ansonsten der Anschluss verloren geht?

Es ist wichtig sich kontinuierlich über aktuellen Trends und Entwicklungen zu informieren und das eigene Fachwissen zu erweitern. Zum kommt man auf derlei Veranstaltungen mit vielen Kunden und Maklern ins Gespräch. Die Risiken unserer Kunden verändern sich und damit verbunden entwickelt sich auch unser Geschäft. Dies macht es so wichtig, stets auf dem Laufenden zu sein.

Wie hat sich die Tätigkeit als Underwriter in den letzten fünf Jahren verändert, zum Guten wie zum Schlechten?

Aus meiner Wahrnehmung entwickelt sich die Rolle des Underwriters immer weiter. Im Bereich von internationalen Großrisiken steigt die Komplexität kontinuierlich. Dies wirkt sich auch unmittelbar auf das Underwriting dieser Risiken aus. Allen voran im Bereich Retail und SME hat gleichzeitig die Automatisierung einzelner Arbeitsschritte bis hin zur vollständigen Dunkelverarbeitung ebenfalls Einfluss auf die Rolle des Underwritings genommen. So setzen technische Entwicklungen, die der Prozessoptimierung dienen, im Underwriting zusätzliche Ressourcen frei.

 

Die können wiederum zur Risikoanalyse und zur Entwicklung von auf die Kundenbedürfnisse individuell abgestimmten Lösungskonzepten verwendet werden. Die Veränderungen in der Risikolandschaft und neue Versicherungsprodukte stellen darüber hinaus hohe Anforderungen an das Kompetenzprofil von Underwritern. So sind beispielsweise weitgreifendes IT Know-how und ein fundiertes Verständnis von IT Security nicht nur für das unmittelbare Underwriting von Cyberrisiken notwendig, sondern auch für das Underwriting solcher Risiken relevant, bei welchen sich Cyberrisken zumindest auch mittelbar auswirken.

Welche Entwicklungen werden das Underwriting in den nächsten Jahren prägen - insbesondere technisch, eventuell Blockchain?

Ich erwarte, dass die gesamte Versicherungsindustrie ihre Investitionen im Bereich der Digitalisierung und Automatisierung noch viel stärker ausdehnen wird.  Auch die Innovationskraft der Insurtechs wird ein noch maßgeblicherer Treiber für die Entwicklung der Branche werden. Interessant wird es, wenn sich die Mehrzahl an Insurtechs nicht primär als Technologiedienstleister für die Branche, sondern als direkte Konkurrenz positionieren. Im Underwriting wird es zu immer stärkerer Nutzung neuer bzw. verbesserter, bestehender Technologien kommen. Diese werden den Underwriter bei seinen Aufgaben unterstützen und diese teilweise auch übernehmen.

 

Beispielsweise wird schon heute künstliche Intelligenz in einigen Bereichen der Versicherungsindustrie eingesetzt. Wie sehr sich der Einsatz in Zukunft noch ausbauen lässt, hängt aber davon ab, welche Datenmengen Versicherer dabei für die Lernprozesse heranziehen und verwenden können. Die Quantität an vorhandenen Daten wird hierbei nur brauchbar sein, wenn sie auch gleichzeitig die für die KI benötigte Qualität aufweist.

 

Auch die Einsatzmöglichkeiten von Blockchain werden in der Versicherungsindustrie getestet. Inwieweit es im Bereich des Underwritings Einsatzmöglichkeiten für neue Technologien wie Blockchain oder KI gibt wird die Zukunft noch zeigen. Nur wenn eine neue Technologie auch messbaren Mehrwert erzeugen kann, kann sich ihr dauerhafter Einsatz, ob im Underwriting oder in anderen Bereichen, auszahlen.

Wie wichtig ist das Bauchgefühl in Ihrem Geschäft?

Wissen und Erfahrung sind essentiell. Dazu ist aber ohne Frage auch das richtige Bauchgefühl nach wie vor sehr wichtig. Es macht noch immer einen entscheidenden Unterschied im Vergleich zu den heute verfügbaren technologischen Alternativen aus.

Stimmen sie zu, dass ein Underwriter auch mal Mut haben muss, ein Geschäft nicht zu zeichnen?

Ich denke nicht, dass es Mut bedarf, ein Geschäft nicht zu zeichnen. Wenn es Gründe gibt, die gegen ein Risiko sprechen, ist es konsequent von diesem Risiko auch Abstand zu nehmen. Die größere Relevanz sehe ich darin, dass der Underwriter dem Kunden bzw. Makler die Gründe für seine Entscheidung darlegen können muss. Kunden und Makler möchten die Entscheidung des Versicherers ein Risiko abzulehnen nachvollziehen können.

Wenn ein Underwriter ein Geschäft zeichnet, das Verluste produziert, muss er sich dann gegenüber seinem Vorgesetzten rechtfertigen oder nur dann, wenn er eine Zeichnungsregel verletzt oder ein wenig erweitert ausgelegt hat?

Die Idee einer Versicherung liegt im Risikotransfer. Der Versicherer verpflichtet sich dazu, im Versicherungsfall sein Leistungsversprechen zu erfüllen. Wenn ein einzelnes Geschäft defizitär ist, heißt das nicht automatisch, dass im Underwriting ein Fehler gemacht wurde. Entscheidend ist, dass man gewissenhaft arbeitet und bei Unklarheiten nicht vorschnell und unreflektiert agiert.

Welche Entwicklungen wünschen Sie sich in Ihrem Geschäft?

Bei allen Entwicklungen und Innovationen, die die Versicherungsindustrie noch erreichen werden, bin ich sicher, dass unser Geschäft weiterhin spannend, herausfordernd und abwechslungsreich bleibt. 

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