Heinz-Peter Roß (links) und Stefan Lehmann (rechts)
Heinz-Peter Roß (links) und Stefan Lehmann (rechts)Quelle: sgk
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Viridium-Chef Roß: "Die knappste Ressource ist immer die IT"

Von Susanne Görsdorf-KegelTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Trotz einer leichten Erholung hält die Niedrigzinsphase unverändert an – und damit bleibt das Thema Run-off aktuell, wie sich auf der diesjährigen SZ-Fachkonferenz "Run-off 2019" zeigte. Am Beispiel von zwei Lebensversicherern wurde dabei deutlich gemacht, dass es den einen für alle richtigen Königsweg nicht gibt. Während die Generali dabei ist, ihren Lebensversicherungsbestand an die Viridium-Gruppe zu übergeben, setzt die Ergo auf einen internen Run-off.
In einem gemeinsamen Referat zeigten Stefan Lehmann, CFO Generali Deutschland, und Heinz-Peter Roß, CEO der Viridium-Gruppe, auf, wie die Abgabe eines Bestands von vier Millionen Verträgen funktionieren kann. Dies sei der Generali Deutschland dadurch erleichtert worden, so Lehmann, dass man zwar digitaler Marktführer in der Risikolebensversicherung sei, aber nicht bei der Lebensversicherung allgemein. Versüßt wurde der Abschied von den Beständen durch die 1,9 Mrd. Euro, die das Unternehmen über den Kaufpreis und die Ablösung von Hybridkapital einnahm. Damit könne man nun investieren, reduziere die Kapitalanforderungen und sei weniger abhängig von der Zinsentwicklung. Außerdem könnte so die Solvency-II-Quote erhöht werden.

 

Für Viridium ist diese erste richtig große Bestandsübernahme vor allem wegen der erhofften Skaleneffekte auf seiner Plattform interessant - "Spezialisierung ist das A und O", stellte Roß fest, "die knappste Ressource, über die wir reden, ist immer die IT". Die Bestandsübernahme von Generali Leben bedeutet für Viridium einen gewaltigen Sprung nach oben, was die Mitarbeiterzahl angeht – zu den bisher 400 Mitarbeitern kamen zu Jahresbeginn 300 ehemalige Generali-Mitarbeitern, außerdem sollen 150 neu eingestellt werden. Ein Schnellschuss sei das Ganze allerdings nicht gewesen: "Sie brauchen verdammt viel Geduld", resümierte Roß. Man habe bis zum heutigen Stand 22 Monate gebraucht und sei immer noch in Gesprächen mit der Bafin, die nach wie vor skeptisch sei.

 

Die Bedeutung der IT wurde auch bei dem Vortrag von Frank Wittholt, Vorstand der Ergo Lebensversicherung, die vor einiger Zeit wegen ihrer fehlerhaften und veralteten IT viel Kritik einstecken musste, deutlich. Nachdem die Angebote auf Übernahme der 5,5 Mio. Verträge nicht wirklich interessant gewesen seien, habe man sich zu einem internen Run-off entschlossen, d.h. "wir haben uns komplett neu ausgerichtet.“ Bestand und Neugeschäft wurden getrennt, das Neugeschäft wird jetzt über die Ergo Vorsorge LV abgewickelt, das Ressort Leben Klassik wird auf einer neu geschaffenen IT-Plattform betreut, die Ergo in Kooperation mit IBM betreibt. Grundsätzlich sei es ja so, dass eine abgeschriebene IT von den Kosten her ideal sei, aber nach einigen Jahren steige der Preis per Police steil an, wenn man nicht investiere.

 

Deshalb setzt man jetzt bei Ergo auf ein neues, modernes IT-System mit einem hohen Standardisierungs-Grad in Verbindung mit Mandantenfähigkeit (TPA) – d.h., es ermöglicht grundsätzlich auch die Verwaltung anderer Bestände. "IT-Know-how ist die Schlüssel-Ressource, die Sie haben müssen", betonte Wittholt, aber man dürfe sich keine Illusionen dabei machen, denn "alle IT-System beinhalten Herausforderungen". Das betrifft nicht nur die Ergo, sondern die gesamte Branche, die insgesamt von den beiden großen Herausforderungen Niedrigzinsniveau und veraltete IT-Systeme betroffen sei.

 

In der anschließenden Diskussionsrunde wurde deutlich, dass Run-off sich zwar in der Schaden-Unfall-Versicherung bereits etabliert hat, in der Lebensversicherung aber immer noch eher zögerlich anläuft. Das liegt vor allem daran, dass die Versicherer sich in einem Spannungsfeld zwischen Kostenvorteilen bei der IT auf der einen und befürchteten Reputationsschäden durch die Abgabe der langjährigen Kundenbeziehungen auf der anderen Seite bewegen und es hier nur sehr langsame Fortschritte bei der öffentlichen Akzeptanz gibt.

Viridium · Generali Deutschland · Run-off
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