Konzernsitz der Debeka in Koblenz
Konzernsitz der Debeka in KoblenzQuelle: Debeka
Schlaglicht

Debeka hadert mit "Hamburger Irrweg"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Debeka kann sich auch weiterhin auf die private Krankenversicherung als wichtigste Säule des Konzerngeschäfts stützen. So konnte Thomas Brahm bei seiner ersten Bilanzpressekonferenz als Vorstandschef des Koblenzer Versicherers auch gleich positive Zahlen verkünden. So knackten die Beitragseinnahmen im vergangenen Jahr erstmals die historische Marke von sechs Mrd. Euro. Wenig verwunderlich, dass Debeka-Vorstand Roland Weber die Gelegenheit nutzte, deutliche Kritik am "Hamburger Modell" in der PKV zu üben.
"Die PKV und auch wir als führender Beamtenversicherer haben diesen 'Hamburger Irrweg' kritisiert. Denn er ist in erster Linie der Versuch, die Bürgerversicherung, für die es auf Bundesebene keine Mehrheit gibt, durch die Hintertür einzuführen", betont Weber. "Was von Hamburg als 'sozial gerechte Alternative zur bisherigen Beihilfe' gepriesen wird, so Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Modell mit erheblichen Nebenwirkungen: So verzichten Versicherte bei Wahl der 'pauschale Beihilfe' auf wesentliche Leistungen, die die Beihilfe gewährt, etwa auf Heilpraktikerleistungen oder Zahnersatzmaßnahmen. Auch schränkt die 'pauschale Beihilfe' die Beamten in der Möglichkeit ein, Stellen in anderen Bundesländern oder als Bundesbeamte anzutreten", konstatiert der Debeka-Vorstand.
Dabei setzt der Koblenzer Versicherer auch in den kommenden Jahren verstärkt auf die Telemedizin. "Wir sind davon überzeugt, dass die Telekonsultation einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit in Deutschland leisten kann. Wir müssen aber auch Erfahrungen sammeln, um zu erkennen, wo Telekonsultation sinnvoll eingesetzt werden kann und wo nicht. Daher ist für uns die wissenschaftliche Evaluierung des Modellprojektes, die durch die Uniklinik Tübingen vorgenommen wird, von besonderer Bedeutung. Dass der Deutsche Ärztetag im vergangenen Jahr das bisher in der Standesordnung verankerte Fernbehandlungsverbot aufgehoben hat, begrüßen wir sehr. Damit werden die Rahmenbedingungen geschaffen, Telekonsultationen in weiteren Bundesländern zu ermöglichen", konstatiert Weber.
So handele es sich bei den mehr 1.000 Beamten, welche sich für die pauschale Beihilfe entschieden hätten, vor allem um jene, "die schon seit Jahren in der GKV versichert sind. [...] Bei den neuen Beamten sind es ersten Auswertungen zufolge nur 10 bis 15 Prozent, die die pauschale Beihilfe wählen." Vielmehr erscheinen ihm die Erfolgsmeldungen der Hamburger Gesundheitssenatorin "eher als ein Pfeifen im Walde. Für uns ist es erfreulich, dass wir im vergangenen Jahr in Hamburg 15 Prozent mehr Beamtenanwärter versichert haben als 2017." Insgesamt blieb die Zahl der privat Krankenversicherten bei der Debeka im vergangenen Jahr indes weitgehend stabil. So waren 2018 insgesamt 4,91 Millionen Mitglieder krankenversichert (2017: 4,84 Millionen.). Davon entfielen 2,40 Millionen auf die Vollversicherung (2017: 2,36 Millionen). "Unser Wachstum beruht aber ausschließlich auf dem hohen Neuzugang, da wir - im Gegensatz zu vielen Mitbewerbern - 2018 per saldo keine Beitragsanpassungen vornehmen mussten, die zu höheren Beitragseinnahmen geführt hätten", ergänzt Brahm,

Lebensparte: Mehr Beitragseinnahmen und weniger Überschussbeteiligung

Im Großen und Ganzen zufrieden zeigte sich Debeka-Chef Brahm mit der Geschäftsentwicklung in der Lebensversicherung. So verzeichnete der Koblenzer Versicherer im Jahr 2018 ein Prämienplus von 3,7 Prozent auf 3,604 Mrd. Euro (2017: 3,474 Mrd.). "Erfreulicherweise konnten auch 2018 die laufenden Beitragseinnahmen - das ist unverändert unsere Hauptzielgröße - um 1,2 Prozent zulegen", konstatierte Brahm. 3,346 Mrd. Euro Prämien aus laufenden Beiträgen (2017: 3,278 Mrd.) standen Ende des Jahres in den Geschäftsbüchern der Debeka. Deutlich stärker vielen indes die Beitragseinnahmen im Einmalbeitragstarif aus: 2018 verzeichnete die Debeka ein Plus von 45 ,0 Prozent auf 287,2 Mio. euro (2017: 187,1 Mio.).
Müßig zu erwähnen, dass Brahm die Gelegenheit nutzte, erneut eine Lanze für die viel gescholtene Riester-Rente zu schlagen: "Die Riester-Rente bleibt für uns auch weiterhin ein wichtiger Baustein in der privaten Altersvorsorge. [...] Sie ist sicher nicht so schlecht, wie sie in der Öffentlichkeit und in den Medien immer wieder gemacht wird. Ich halte es aber für notwendig, sowohl die Förderung zu vereinfachen, als auch die Komplexität der Produkte zu reduzieren. So könnte man beispielsweise das bestehende komplizierte Zulagensystem durch ein einfacheres ersetzen, etwa derart, dass die Zulage immer einen bestimmten Prozentsatz der Eigenbeiträge ausmacht." Allerdings sei es angesichts "des völligen Umbruchs der Kapitalmärkte wichtig, dass die Deutschen, die Jahrzehnte auf umfassende Garantien setzen konnten, nun umdenken und die Chancen des Kapitalmarktes wahrnehmen." Vor diesem Hintergrund scheint durchaus nachvollziehbar, dass die Debeka die laufende Verzinsung für Lebensversicherte von 2,5 auf 2,25 Prozent gesenkt hat. "Die Gesamtverzinsung inklusive der Sockelbeteiligung an den Bewertungsreserven und der Schlussüberschussanteile – je nach Laufzeit – beträgt nahezu unverändert zwischen 3,0 und 3,1 Prozent (Vorjahr 3,1 bzw. 3,2 Prozent). Gegenüber dem Vorjahr ist die Absenkung damit minimal. Die Deklaration der neuen chancenorientierten Tarife bleibt gegenüber 2018 unverändert", hieß es zu Jahresbeginn aus Koblenz.
Eher durchwachsen viel Geschäft indes in der Pensions- und der Bausparkasse aus. "Die Beitragseinnahmen der Pensionskasse haben sich 2018 leicht auf 55,3 Mio. Euro (2017: 57,6 Mio.) verringert. Der Bestand blieb mit 60.529 Verträgen (2017: 61.363) auf dem Niveau des Vorjahres", so Brahm. Dennoch plane man "aufgrund des gegenwärtigen Marktumfelds unverändert keinen gezielten Ausbau unserer Geschäftstätigkeiten in der Pensionskasse. Und auch die Bausparkasse hat, wie die Lebensversicherung und die Pensionskasse, mit dem anhaltenden Niedrigzinsniveau zu kämpfen." So sei "es sehr erfreulich, dass die neu abgeschlossenen Bausparverträge um 4,1 Prozent auf knapp 50.000 stiegen. Die entsprechende Bausparsumme erhöhte sich um 4,7 Prozent auf 1,7 Mrd. Euro." Die Bausparsumme über 20,943 Mrd. blieb 2018 indes auf Vorjahresniveau (2017: 20,946 Mrd.). Die Zahl der Bestandsverträge ging jedoch um 2,5 Prozent auf 0,91 Mio. Euro (2017: 0,93 Mio.) zurück.

Starkes Wachstum in Komposit

In der Kompositsparte verzeichnete die Debeka nach eigenen Angaben indes ein "hohes Beitrags- und Bestandswachstum", so Brahm. "Die Beitragseinnahmen wuchsen um 6,8 Prozent auf 961 Mio. Euro. Die Bestände konnten 2018 in allen Sparten weiter ausgebaut werden. Die Anzahl der Verträge stieg um 1,6 Prozent auf 6,45 Millionen und damit ebenfalls deutlich stärker als der Markt. Die größte Sparte ist die private Unfallversicherung mit fast zwei Millionen versicherten Personen. Damit sind wir hinter der Allianz mittlerweile der zweitgrößte Unfallversicherer in Deutschland", erläutert der Konzernchef. Zwar seien die Versicherungsleistungen im Jahr 2018 leicht um 0,7 Prozent auf 536 Mio. Euro gesunken. "Das Schadenjahr 2018 war zwar durch einige 'Ausreißer', wie beispielsweise das Sturmtief 'Friederike", gekennzeichnet. Hier hielt sich die Schadenbelastung jedoch wegen des bestehenden Rückversicherungsschutzes in Grenzen. Insgesamt war das Schadenjahr über alle Sparten hinweg eher unauffällig", erläutert der Debeka-CEO. Die Schaden-Kostenquote beläuft für das zurückliegende Jahr auf 84,9 Prozent.
"Die Schaden- und Unfallversicherung ist im Gegensatz zur Kranken- und Lebensversicherung eine Sparte, die nur in geringem Maße von politischen Entscheidungen abhängig ist, und damit dazu beiträgt, die nachhaltige Entwicklung der Debeka-Gruppe zu stabilisieren. Es ist deshalb unser erklärtes Ziel, die Beitragseinnahmen und die Vertragsbestände der erst 1981 gegründeten Allgemeinen Versicherung stetig auszubauen - und zwar mit leistungsstarken und bedarfsgerechten Produkten, so, wie es unserer genossenschaftlich geprägten Philosophie entspricht. Unser nächstes Ziel ist die Marke von einer Milliarde Euro an Beitragseinnahmen, die wir in diesem Jahr erreichen werden. Damit nähern wir uns auch den Top 20 der Schaden- und Unfallversicherer in Deutschland", lautet daher Brahms durchaus ehrgeizige Zielsetzung für die kommenden Jahre.

Weniger Innendienst-Mitarbeiter durch "effizientere Prozesse und die Digitalisierung"

Bleibt die Frage, wie es auch bei der Debeka angesichts des digitalen Wandels um die Zukunft der Mitarbeiter bestellt ist. "Wir haben keinen einzigen Mitarbeiter zu viel. In der Krankenversicherung haben wir gemessen am Beitragsvolumen rund ein Drittel weniger als vergleichbare Anbieter. Das heißt, unsere Mitarbeiter haben eine hohe Produktivität. Die Frage ist, wie sich das durch die Digitalisierung ändert", betonte Brahm jüngst in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Demnach sehe er "das von Vielen propagierte 'Vermittlersterben' - zumindest für die Debeka - vor diesem Hintergrund nicht. So zeigte sich der Debeka-Chef durchaus erfreut, "dass wir den 'Abrieb' der letzten Jahre im Bereich des Außendienstes im Jahr 2018 gegen den Trend der Branche stoppen konnten."
Und dennoch: "Im Innendienst unserer Geschäftsstellen im Bundesgebiet sank hingegen die Mitarbeiterzahl um 66 - ein Trend, der sich schon seit mehreren Jahren zeigt. Hier machen sich effizientere Prozesse und die Digitalisierung bereits bemerkbar", so Brahm. Dennoch sollen im Zuge der "Digitalisierung in unseren Arbeitsprozessen neue Stellen geschaffen, so z. B. im Bereich der IT, wo wir aktuell einen Personalbedarf von rund 100 Mitarbeitern haben. In anderen Bereichen, z. B. im Bereich der Schaden- und Leistungsbearbeitung sowie in den Bestandsabteilungen, werden aber perspektivisch Arbeitsplätze fortfallen. Unser Ziel ist es, die Auswirkungen der Digitalisierung für unsere Beschäftigten sozial verträglich zu organisieren. Dabei hilft es uns, dass im Innendienst in den nächsten acht Jahren rund 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Ruhestand treten. Voraussetzung für unser Ziel ist aber auch, dass wir von allen Betriebsangehörigen mehr Flexibilität und Mobilität fordern. Die Bereitschaft, andere Aufgaben, gegebenenfalls auch an einem anderen Ort zu übernehmen, ist angesichts immer neuer Anforderungen auch bei der Debeka unabdingbar", konstatiert der Debeka-Chef
Debeka · Thomas Brahm · Hamburger Modell
Auch interessant
Zurück
17.07.2019VWheute
Hanse­merkur verlän­gert die Exklu­siv­part­ner­schaft mit dem Hamburger SV Die HanseMerkur hat ihre Exklusivpartnerschaft mit dem …
Hanse­merkur verlän­gert die Exklu­siv­part­ner­schaft mit dem Hamburger SV
Die HanseMerkur hat ihre Exklusivpartnerschaft mit dem Fußball-Zweitligisten Hamburger SV verlängert. Neben den klassischen Exklusivpartnerrechten wie der Präsenz auf der TV-Bande wird die …
13.05.2019VWheute
Bussert: "Unter Hanseaten hilft man sich" Das Sponsoring von Fußball-Vereinen steht in der Versicherungsbranche derzeit hoch im Kurs - natürlich nicht…
Bussert: "Unter Hanseaten hilft man sich"
Das Sponsoring von Fußball-Vereinen steht in der Versicherungsbranche derzeit hoch im Kurs - natürlich nicht ohne Eigennutz: "Das Engagement soll uns bekannter machen und unser Image als verlässlicher Versicherer stärken", konstatiert …
12.03.2019VWheute
DKV-Chef: "Kunden möchten nicht über­wacht werden" "Unsere Tarife sind risikogerecht und nachhaltig. Jeder PKV-Kunde entlastet mit seiner …
DKV-Chef: "Kunden möchten nicht über­wacht werden"
"Unsere Tarife sind risikogerecht und nachhaltig. Jeder PKV-Kunde entlastet mit seiner Altersrückstellung unsere Kinder und Enkel", glaubt Clemens Muth, Vorstandsvorsitzender DKV. Im Interview mit VWheute spricht er übe…
08.02.2019VWheute
Erfolgs­ge­schichte Hamburger Modell? Debeka und PKV-Verband lästern über "rätsel­hafte" Wahr­neh­mung von Gesund­heits­be­hörde Im letzten Sommer …
Erfolgs­ge­schichte Hamburger Modell? Debeka und PKV-Verband lästern über "rätsel­hafte" Wahr­neh­mung von Gesund­heits­be­hörde
Im letzten Sommer sorgte das "Hamburger Modell" in der privaten Krankenversicherung für erheblichen Wirbel. Mit dieser Regelung können die Beamten…
Weiter