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Werden ältere Autofahrer in der Kfz-Versicherung diskriminiert?

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Werden ältere Autofahrer von den Kfz-Versicherern diskriminiert? Mit dieser Frage beschäftigte sich jüngst der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages. So will das Gremium eine Petition an das Bundesfinanzministerium überweisen, wonach die Versicherer zu mehr Transparenz bei der Prämienberechnung aufgefordert werden soll. Im konkreten Fall wurde die Altersdiskriminierung der Versicherer beanstandet.
Demnach sei es nicht vertretbar, dass Millionen älterer Menschen seit Jahren unverhältnismäßig hohe Prämien in der Kfz-Versicherung zahlen müssten, heißt es in der Petition. Dabei wies der Petitionsausschuss in seiner Begründung auch auf eine Stellungnahme der Bundesregierung hin, wonach das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) keine Gleichbehandlung aller Lebensverhältnisse "um jeden Preis" fordere. Vielmehr schütze es vor willkürlicher Ungleichbehandlung. Außerdem kritisierte das Gremium, dass die Kunden nicht erkennen könnten, wie die Beiträge in der Kfz-Versicherung berechnet würden. Ein Grund dafür sei, dass die Versicherer "intern und ohne jegliche Transparenz" ihre Schadenfälle selbst auswerten und danach die Prämien berechnen würden.
Der Branchenverband GDV sieht dies auf Anfrage von VWheute hingegen anders. So zeige eine verbandseigene Statistik, "dass ältere Fahrer im Schnitt mehr Schäden verursachen als Fahrer mittleren Alters. Der GDV gibt seinen Mitgliedsunternehmen daher unverbindlich bekannt, dass für Fahrer von 25 bis 67 Jahren mit einem Abschlag auf den durchschnittlichen Schadenbedarf zu rechnen ist - der Versicherungsbeitrag sinkt also dank der Berücksichtigung des Alters. Die mit 22 Prozent größten Abschläge erhalten Fahrer von 27 bis 41, die Altersklasse von 63 bis 67 profitiert von Abschlägen in Höhe von 3 Prozent. Zuschläge auf den durchschnittlichen Versicherungsbeitrag ergeben sich aus der GDV-Statistik erst ab einem Alter von 68 Jahren. Die GDV-Bekanntgabe ist unverbindlich, der Beitrag Sache der einzelnen Unternehmen."

Desweiteren heißt es: "Die Höhe dieser Zu- und Abschläge für das Alter gilt für alle Autofahrer der jeweiligen Altersklasse gleichermaßen - egal, ob es sich um gute oder schlechte Autofahrer handelt. Wer jahrelang unfallfrei fährt, profitiert davon über den Schadenfreiheitsrabatt, der den Beitrag senkt. Zuschläge für das Alter werden daher in der Regel durch einen hohen Schadenfreiheitsrabatt gedämpft. Bei einem Vergleich von Versicherungstarifen für Fahrer verschiedenen Alters ist daher nicht nur das Alter, sondern auch die Zahl der schadenfreien Jahre zu beachten."

Kfz-Versicherer · GDV
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