Martin Gräfer
Martin GräferQuelle: Bayerische
Köpfe & Positionen

Martin Gräfer: "Social Media gehört heute zum Pflichtprogramm"

Von Maximilian Volz und Dr. Robin KieraTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Deutsche Vorstände auf Social Media abgehängt", schrieb Digitalisierungsexperte Robin Kiera treffsicher auf VWheute. Ein Positivbeispiel bei der Nutzung sozialer Medien ist Martin Gräfer, Vorstand der Bayerische, er bewegt sich sicher neumedial. Zeit für ein Gespräch mit dem Gelobten über Nutzen und Grenzen von Social Media.  

VWheute: Herr Gräfer, sind sie ein vorgezogener Digital Native oder woher kommt die Social-Media-Lust?

 

Martin Gräfer: Mir ist die direkte Kommunikation mit Partnern sehr wichtig. Die Unternehmensstrategie der Bayerischen besteht darin, diese Nähe glaubwürdig zu leben. Und insofern sind wir und auch ich persönlich dort anzutreffen, wo auch unsere Vertriebspartner unterwegs sind.

 

Social Media ist inzwischen ein zentraler Bestandteil im Kommunikationsmix von Unternehmen. Ohne geht es quasi nicht mehr. Ich hatte schon immer große Freude an digitalen Neuerungen und bin der Erste, der Veränderungen in diesem Bereich interessiert beäugt. An Social Media gefällt mir der persönliche Austausch über sämtliche Themen - sei es beruflicher oder privater Natur. Wo kommt man besser mit den unterschiedlichsten Menschen ins Gespräch als beispielsweise über Facebook, Xing oder LinkedIn?



VWheute: Was versprechen Sie sich von Social Media, wo sehen sie Grenzen als Vorstand?

 

Martin Gräfer: Einige Social-Media-Kanäle bieten den großen Vorteil, dass ich damit viele Menschen erreichen kann, die ebenfalls das Thema Versicherungen pflegen. Und man kann sehr schnell reagieren und muss nicht immer 100-prozentig ausgefeilt ausformulieren. Ich gehe sehr gerne mit den unterschiedlichsten Menschen in den Dialog und freue mich dementsprechend immer über die Rückmeldungen – auch die kritischen, das verschafft mir ein umfangreiches Meinungsbild zu einem Thema. Der Nachteil liegt auf der Hand: Es könnte passieren, dass diese Plattformen missbraucht wird, um unqualifizierte Kommentare abzusondern. Persönlich habe ich das aber noch nicht erlebt und treffe auch Vorkehrungen dagegen.



VWheute: Können Sie als "Privatmann Gräfer" Social Media nutzen oder denken Sie immer daran, dass Sie als Vorstand und nicht privat schreiben/posten?

 

Martin Gräfer: Ich trenne meine Funktion und mich als Mensch eher weniger. Natürlich gebe ich auch private Meinungen zu gesellschaftlichen Themen ab, die vielleicht nicht politisch korrekt sein könnten. Aber das ist letztlich auch ein Teil der Authentizität. Denn es arbeitet kein Social-Media-Team für mich. Aktiv bin ich hier aber mit eigenem Namen, eigenem Account und im Wesentlichen sehe ich das als Teil meines beruflichen Engagements - ohne mich jedoch zu verbiegen.



VWheute: Wollen Sie mit ihrem Vorgehen ein Beispiel für Veränderungen in Ihrer Versicherungsgruppe geben, nach dem Motto: Man muss mit der Zeit gehen. Das wäre eigentlich eine sehr traditionelle Führungsmethode aber mit neuen Mitteln.

 

Martin Gräfer: Führung ist zu einem Großteil Kommunikation. Dazu nutze ich alle Mittel, mit denen ich Botschaften an meine Partner senden kann und eine Rückmeldung dazu erhalte. Dazu ist Social Media ideal, wir nutzen beispielsweise intern zur Führungskräftekommunikation WhatsApp – das funktioniert sehr gut. Klar ist, dass das klassische, vielleicht eher elitär geprägte Führungsverständnis eher nicht meinen Vorstellungen entspricht.

Es fällt im Übrigen viel leichter, wenn man sich tatsächlich ganz mit seiner Aufgabe identifiziert und weniger Berührungsängste hat. Wir bei der Bayerischen wollen Führung und Kommunikation in der Tat anders leben. Wir haben uns im Unternehmen eine neue und differenzierende Vision gegeben und gleichfalls 15 Leitsätze als DNA der Bayerischen formuliert, die sehr gut im Einklang mit der Nutzung der sozialen Medien steht.



VWheute: Warum haben Sie Ihre Fortbildungsbescheinigung geteilt - und wie waren die Reaktionen des Hauses und der Makler?

 

Martin Gräfer: Das war eine spontane Idee von mir – und die Reaktionen, gerade von Maklern, waren freundlich – und durchweg positiv. Ich möchte damit zeigen, dass ich nicht in einem goldenen Käfig sitze, sondern wie alle anderen an der Front bin und auch als Vorstand regelmäßigen Fortbildungsbedarf habe. Insbesondere ist mir wichtig zu zeigen, dass ich mich als Teil der Gesamtorganisation sehe. Als Mittelständler ist das vielleicht auch einfacher.



VWheute: Welchen Wert nehmen die sozialen Medien heute bei der Arbeit eines Versicherers ein – ist Marketing, Kommunikation und Pressearbeit nach innen und außen überhaupt noch ohne SM vorstellbar?

 

Martin Gräfer: Keine Frage, Social Media gehört heute zum Pflichtprogramm. Viele Journalisten beziehen einen Teil ihrer Informationen inzwischen auch aus den sozialen Netzwerken – und das nicht nur bei Twitter, sondern mittlerweile auch bei Facebook und Co. Für Unternehmen bietet das die Chance, viel leichter als früher mit den Kunden in Kontakt zu kommen, sie teilhaben zu lassen an Prozessen und viel über das eigene Unternehmen zu lernen. Was läuft gut, wo hakt es, was wünschen sich die Kunden von den Produkten?


 
VWheute: Wie bewerten Sie die Social Media-Aktivitäten ihres Hauses, sind sie oder die Bayerische in diesem Bereich  besser?

 

Martin Gräfer: Ich denke, dass wir hier noch besser werden können und auch sollten. Witziger und gleichzeitig inhaltlich prägnant in unseren Aussagen bleibt eine Herausforderung. Ob besser oder schlechter als andere ist mir dabei nicht wichtig - ich entwickle keinen sportlichen Ehrgeiz an der Stelle. Es geht mir einfach darum, die Werte der Bayerischen aktiv zu leben. Die Nähe herstellen, die für den Aufbau von Vertrauen wichtig ist. Klar werde ich dafür auch kritisiert, aber es gibt kaum Dinge, die nicht auch berechtigte Kritik nach sich ziehen können. Mir geht es nicht darum, am besten zu formulieren oder unbedingt Fehler zu vermeiden - Authentizität ist mir wichtig. Und ich bin bei der Bayerischen in bester Gesellschaft. Eine ganze Reihe meiner Kolleginnen und Kollegen sind ebenfalls aktiv und sind ein Teil davon. Das macht Spaß und kostet viel weniger Arbeitszeit als viele vermuten. Es ist meist spontan oder Teil einer kleinen Aktion und immer echt. Ich habe aber auch nicht den Anspruch, "immer auf Sendung" zu sein.
 
VWheute: Hand aufs Herz, wem oder was folgen sie aus beruflichen Gründen?

 

Martin Gräfer: Ich surfe regelmäßig auf verschiedenen Plattformen bei Facebook, LinkedIn oder Xing - und natürlich sind die Branchenmedien wie @vwheute sowieso Pflichtprogramm.

 

Die Fragen stellten Maximilian Volz und Robin Kiera

 

Die Studie von Herr Kiera finden Sie HIER.

Social Media · die Bayerische · Martin Gräfer
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