Oliver Bäte
Oliver BäteQuelle: Allianz
Unternehmen & Management

Allianz profitiert von Unternehmenssteuer-Reform in den USA

Von Martin WinkelTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Trotz höherer Gewinne des Konzerns sinkt die durchschnittliche Ertragssteuerbelastung der Allianz im abgelaufenen Jahr 2018 auf 26 Prozent gegenüber 29 Prozent im Vorjahr. Der Rückgang rührt hauptsächlich von der Steuerreform der US-Regierung Trump her, die Unternehmensgewinne in den USA seit 2018 nur noch mit 21 Prozent statt bisher 35 Prozent belastet.

Die Allianz profitiert davon vor allem aufgrund von Gewinnen des US-Vermögensverwalters Pimco mit fast einer Viertelmilliarde Euro. Erträge aus dem Asset Management der Allianz stiegen 2018 um 3,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf ca. 2,5 Mrd. Euro, drei Viertel davon aus Pimco.

 

Auf der Bilanzpressekonferenz am Freitag, den 15. Februar präsentierte der Vorstandsvorsitzende der Allianz SE, Oliver Bäte, zusammen mit Finanzvorstand Giulio Terzariol die vorläufigen Ergebnisse des Konzerns im Jahr 2018.

 

Das Gesamtergebnis der Berichtsperiode 2018 nach Steuern stieg um 6,9 Prozent von 7,2 auf 7,7 Mrd. Euro, während das operative Ergebnis um 3,7 Prozent von 11,1 auf 11,5 Mrd. Euro wuchs. Für den operativen Gewinnanstieg ist in erster Linie der Schaden- und Unfallversicherungsbereich verantwortlich, der 2018 672 Mio. Euro mehr an operativem Gewinn gegenüber Vorjahr erwirtschaftete. Das vorläufige Umsatzwachstum der Allianz-Gruppe gegenüber dem. Vorjahr betrug 2018 3,5 Prozent, was einen Anstieg von 126,1 Mrd. Euro auf 130,6 Mrd. Euro bedeutete.

 

Der Rückgang operativer Gewinne in der Leben- und Krankenversicherung wurde 2018 von wachsenden Gewinnen in der Schaden- und Unfallversicherung überkompensiert. Die kombinierte Schaden-/Kostenquote sank dort um 1,2 Prozentpunkte auf 94 Prozent. Der Rückgang setzt sich aus geringeren Belastungen aus Naturkatastrophen (50 Basispunkte) und reduzierten Verwaltungskosten (70 Basispunkte) zusammen.

 

Der Vorstand der Allianz SE schlägt die Ausschüttung einer Dividende von neun Euro je Aktie an die Aktionäre vor, ein Euro mehr als im Vorjahr. Diese würde zum Teil aus dem Eigenkapital der Gruppe finanziert, das sich Ende 2018 auf 61,2 Mrd. Euro egenpber 65,6 Mrd. Euro im Jahr 2017 reduziert hat, ein Rückgang von 6,6 Prozet. Die Solvenzquote nach Solvency II liege aber unverändert bei 229 Prozent, so Terzariol. Möglich ist dies, da das ökonomische Risikokapital nach den Berechnungsregeln von Solvency II fast unverändert bei etwa 77 Mrd. Euro liegt. Über den Dividendenvorschlag wird die Hauptversammlung am 8. Mai 2019 entscheiden.

Allianz kauft weiter eigene Aktien zurück

Für das Jahr 2019 hat sich die Allianz ein Gewinnwachstum von vier Prozent vorgenommen. Außerdem beschloss der Vorstand der Allianz SE bis Ende 2019 Aktien im Wert von 1,5 Mrd. Euro zurückzukaufen. Ähnliche Programme gab es bereits in der Vergangenheit.

 

Stolz ist Bäte auf die stärkere Bedeutung von alternativen Assets im Portfolio der Allianz, die von 110 auf 135 Mrd. Euro zugenommen hätten. Darunter seien vor allem Infrastrukturanlagen und Immobilien.  Die stärkere Diversifikation hat mit zu einer reduzierten Sensitivität der Solvenzquote auf Zinsänderungen geführt. Bei einem Rückgang der Marktzinsen um 50 Basispunkte würde die Solvenzquote nur noch um vier Prozentpunkte statt bisher elf Prozentpunkte sinken, erklärte Terzariol dazu. Die Allianz wäre damit 2018 deutlich weniger abhängig vom Marktzinsniveau geworden.

 

Bei der Bekanntgabe der vorläufigen Unternehmenszahlen für 2018 in der Bilanzpressekonferenz am 15. Februar in München stellte der Vorstandsvorsitzender Oliver Bäte außerdem die erreichten qualitativen Meilensteine bei der Kundenzufriedenheit heraus. Nach seinen Zahlen habe die Kundenzufriedenheit sprunghaft zugelegt. Der Anteil von Gesellschaften mit einem Net Promoter Score über dem Marktdurchschnitt habe Ende 2018 bei 74 Prozent gegenüber 60 Prozent im Vorjahr gelegen, so Bäte.

Oliver Bäte relativierte die Orientierung der Unternehmenssteuerung an internen Plänen. Wichtiger sei die "Besten" im jeweiligen Markt zu schlagen und zwar nicht nur unter den Versicherern. Von den bekannten US-amerikanischen Big Techs war diesmal aber keine Rede.

 

Bäte wünscht sich weiterhin alle Prozesse und Produkte „so einfach wie möglich“ zu halten. Sein Ziel sei es außerdem, beim ersten Kontakt des Kunden mit der Allianz 80 Prozent aller Anfragen "fallabschließend" und vor allem zur Zufriedenheit des Kunden zu lösen.

 

Weiterhin forciert der Allianz-Vorstand unter Oliver Bäte den Aufbau eines europäischen Direktversicherers, der bis Ende 2019 an den Start gehen soll. Im Moment werde intensiv an der IT-Plattform dafür gearbeitet, gab Bäte Auskunft.

 

2018 war der Konzern von einem Skandal in Allianz Australien betroffen. Die Aufsichtsbehörde vor Ort sanktionierte nicht gehaltene Werbeversprechen auf Webseiten der Allianz in der Reiseversicherung. Bäte gab zu, dass Verbesserungen notwendig seien und verwies darauf, dass eigentlich Allianz Partners für die Verfehlungen verantwortlich sei, da diese die Lizenz der Allianz Australien für ihre Produkte genutzt hätten. Eine umfangreiche Prüfung der Marktauftritte anderer Allianz-Gesellschaften habe keine Hinweise auf Schwächen außerhalb Australiens gegeben.

 

Bäte sprach sich gegen eine Deckelung der Vertriebsprovisionen in Deutschland aus und hält eine "Marktlösung", d.h. freie Preisbildung für am besten. Wichtig sei ihm aber Transparenz, d.h. Offenlegung der Vergütung, gegenüber den Kunden.

 

Giulio Terzariol bezifferte den finanziellen Schaden aus dem kürzlichen Dammbruch in Brasilien für die Allianz auf einen niedrigen zweistelligen Millionen-Betrag. AGCS habe die Haftpflicht des Minenbetreibers Vale versichert.

Allianz SE · Oliver Bäte
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