Thomas Losch
Thomas LoschQuelle: Ergo
Märkte & Vertrieb

"In der Haftpflicht müssen Underwriting Guidelines konsequent eingehalten werden"

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Haftpflicht ist nicht vertriebstot. Thomas Losch, Abteilungsleiter Underwriting Haftpflicht bei der Ergo, erklärt im Interview mit VWheute, wie die Haftpflicht für Unternehmen eine Cash-Cow werden kann. Ein Gespräch über Risikomanagement, Weiterbildung von Mitarbeitern und alternative Vertriebswege.

VWheute: Was kennzeichnet ein erfolgreiches Haftpflichtgeschäft?


Thomas Losch: Für den Erfolg im Haftpflichtgeschäft müssen verschiedene Punkte beachtet werden: Beim Underwriting müssen Bereiche definiert werden, in denen man sich profitables Wachstum verspricht. Idealerweise hat man in diesen Bereichen einen Wettbewerbsvorteil oder bietet andere Differenzierungsmöglichkeiten an, die über den reinen Versicherungsschutz hinausgehen (z.B. Risikoberatung).

 

Darüber hinaus ist es wichtig, dass die gegebenen Underwriting Guidelines konsequent eingehalten werden. Ausnahmen sollten nicht die Regel sein.

 

Ein entscheidender Erfolgsfaktor sind die Mitarbeiter, die über das entsprechende Underwriting Know-how verfügen und sich sicher im Rahmen dieser Guidelines bewegen. Freiwerdende Stellen zu besetzen wird jedoch immer schwieriger. Daher ist es für uns sehr wichtig, Underwriter selbst auszubilden.

 

Für eine fundierte Underwriting Entscheidung im Risikomanagement – gerade bei komplexeren Risiken – ist eine Risikoanalyse und -bewertung durch Risikoingenieure entscheidend. So kann das zu versichernden Risiko optimiert und im Idealfall Schäden im Vorfeld vermieden werden.

 

Der letzte Punkt ist die Optimierung der Prozesse: Durch die Ausrichtung auf den Kunden werden Prozesse schlanker und intuitiver aufgesetzt. Die Digitalisierung ermöglicht es Kosten einzusparen und Underwriting Ressourcen zielgerichtet einzusetzen. Die genannten Parameter sind für den Erfolg unerlässlich.

 
VWheute: Sie sprechen mit der Mitarbeiterqualifikation einen interessanten Punkt an.

 

Thomas Losch: Technik verbessert die Prozesse und mag Entscheidungen bis zu einem gewissen Grad objektivieren. Ich bin aber davon überzeugt, dass erfahrene Underwriter wichtig sind, um erfolgreich in bestimmten Segmenten Geschäft betreiben zu können. Es handelt sich um einen interessanten Beruf, der meiner Einschätzung nach leider unterschätzt wird. Die Sparte Haftpflicht ist breit aufgestellt und unterliegt einem stetigen Wandel. So tragen geänderte/neue Haftungsnormen oder neue Risiken (z.B. Cyber) zum permanenten lernen bei. Stillstand gibt es in der Sparte nicht. Die Globalisierung unserer Kunden erfordert es, dass wir uns weltweit mit Risiken auseinandersetzen und passende Lösungen für unsere Kunden erarbeiten.


VWheute: Ihrer Meinung nach besitzen die Haftpflichtversicherer Datenschätze, die sie nicht heben. Können Sie ein Beispiel nennen und erklären, wie die Ergo das ändern will?

 

Thomas Losch: Versicherer besitzen z.B. große Datensätze aus Schadenfällen. Hier sind Informationen enthalten aus denen Trends abgeleitet werden können, die dann in Underwriting Guidelines oder die Produktentwicklung einfließen. Unser Ziel ist es dieses Potential zu heben. Hierzu müssen die Daten einheitlich erfasst werden.

 

VWheute: Sie wollen alternative Vertriebswege für die Haftpflicht nutzen, welche?

 

Thomas Losch: Bei Industrie- und Konzernkunden ist der Kontakt zum Vermittler und Kunden nach wie vor sehr wichtig. Bei KMU gibt es aber auch eine Vielzahl an Kunden, die eine Gewerbeversicherung online abschließen möchten. Daher bieten wir auch den reinen Online-Abschluss an. Für den Fall das Fragen aufkommen oder der Kunde eine Beratung wünscht, halten wir ebenfalls Lösungen vor. Auch im Gewerbebereich gewinnt der hybride Kunde, der uns über verschiedene Vertriebswege anspricht, zunehmend an Bedeutung.

Ergo · Thomas Losch · Privathaftpflicht
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