Patrick Döring
Patrick DöringQuelle: Wertgarantie
Köpfe & Positionen

Patrick Döring: "Dass man über Alexa relevantes Neugeschäft generiert, kann ich mir noch nicht vorstellen"

Von Tobias DanielTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Smart-Home-Lösungen und Tierversicherungen gehören nicht gerade zu den gefragtesten Versicherungspolicen. Dennoch Wertgarantie-Vorstand Patrick Döring im Exklusiv-Interview in diesen Sparten einen stabilen Aufwärtstrend und "keinen Grund zum Pessimismus". VWheute hat mit dem stellvertretenden Vorstandschef über die aktuellen Ziele und Aussichten gesprochen.

Zunächst eine etwas "persönliche Frage" zu Beginn: Seit Jahresbeginn sind Sie stellvertretender Vorstandschef bei Wertgarantie. Was sind Ihre Ziele und Pläne für das Jahr 2019?

Wir haben uns vorgenommen, in diesem Jahr weiter kräftig zu wachsen. Wir sind ja erfolgsverwöhnt, sowohl im Bereich Consumer Electronics als insbesondere auch im Bereich Fahrrad und E-Bike sind wir weiter auf Wachstumskurs. Dabei sind wir mit verbesserten Produkten, wie zum Beispiel der Integration von Cyberschutz bei Smartphone und Tablet, im Handel unterwegs. Dabei schlägt natürlich auch der E-Bike-Boom, wie man ihn auch auf Deutschlands Straßen sieht, bei uns voll durch.

Im April 2018 titelte VWheute bei der Präsentation der Geschäftszahlen: "Tiere und Fahrräder sorgen für Schwung". Gilt diese Aussage noch immer und was hat sich seitdem getan? Und wie sieht es um die Expansion ins Ausland aus?

Wir sehen weiterhin unglaublich positive Dynamik im Markt, gerade beim E-Bike. Das ist branchenspezifisch natürlich überdurchschnittlich stark. Wir sehen dabei auch erste Partner aus dem Fahrradfachhandel, die das klassische Fahrrad komplett auslisten und nur noch E-Bikes verkaufen. Da verändert sich eine ganze Branche und da wir bereits seit 20 Jahren in dieser Branche unterwegs sind, verändern wir uns mit.

 

Zum Ausland: Die Wertgarantie ist neben Deutschland und Österreich auch in den Niederlanden und Belgien, in Frankreich und Spanien unterwegs. Das sind auch die Hauptmärkte, in denen wir 2019 unterwegs sein wollen. Eine Expansion in andere Länder ist aktuell nicht geplant. Nun muss man allerdings auch sagen, dass die Expansion in den Ländern, in denen wir gerade vertreten sind, nicht geplant war, sondern hat sich immer durch Akquisitionen entweder von Vertriebspartnerschaften oder von Vertriebseinheiten ergeben. Insofern will ich jetzt noch nicht für das ganze Jahr ausschließen, dass sich vielleicht noch etwas anderes ergibt.

 

Stichwort Brexit: Unsere Unternehmensstrategie ist klar auf die Eurozone ausgerichtet, so dass wir außerhalb der Eurozone ohnehin nicht schauen. Wir sehen allerdings gerade, dass die unklare Situation manches Wettbewerbers aus Großbritannien auch für uns neue Chancen in Europa mit sich bringt.

Kommen wir zum Thema "Cyberschutz": Was haben Sie auf diesem Bereich in nächster Zeit geplant?

Wir werden in die Geräteversicherung für Smartphones aber auch für die Tablets und die Laptops bei der Wertgarantie einen Schutz für jedermann integrieren, der insbesondere die klassischen Risiken für eine Privatperson absichern wollen, also Missbrauch der Online-Identität oder der Zahlungsdaten/Kreditkarte. Das gehört heute nach unserer Überzeugung zum Geräteschutz dazu, weil am Ende diese Geräte ja gerade deswegen so populär sind, weil man damit mobil im Internet unterwegs ist. Dies wird eine Erweiterung unseres Geräteschutzes, mit dem wir bereits seit Jahren erfolgreich am Markt unterwegs sind.

Aber treten Sie damit nicht in Konkurrenz zu den Hausratversicherern?

Wettbewerb belebt ja das Geschäft und wir haben daher auch keine Angst vor Mitbewerbern. Wir sehen aber doch, dass auch unsere sehr speziellen Produkt- und Vermarktungsformen völlig anders an den Kunden gebracht werden als die klassische Hausratversicherung. Wenn jemand im Rahmen seiner Hausratversicherung diese Risiken absichern will, kann er das ja tun. Aber die Menschen, die sich speziell für einen Geräteschutz interessieren und entscheiden, wollen dann eben das ganze Paket. Da gehört der Diebstahlschutz dann eben genauso dazu wie die Absicherung gegen Cyberrisiken.

Stichwort Hausschutzbriefe: Das vernetzte Zuhause wird für die Mehrheit der Bundesbürger zwar noch immer ein Traum. Dank „Alexa“ scheint dies allerdings keine Zukunftsvision mehr zu sein. Wann kommen Sie bei Wertgarantie auf "Alexa"? Ergänzende Frage: Planen Sie auch den Verkauf von Policen über "Alexa"?

Wir haben bereits Smart-Home-Pakete im Markt. Dabei können bis zu zehn Smart-Home-Komponenten einschließlich Elektroschutz bei uns versichert werden. Allerdings ist Smart Home immer noch ein extrem erklärungsbedürftiges Thema. Wir stellen uns dennoch darauf ein und wir werden uns mit unserer besonderen Expertise im Elektrofachhandel und im Elektroinstallationsbereich weitere Entwicklungsschritte tun.

 

"Alexa" weiß zwar, wer Agila oder Wertgarantie sind, aber dass man tatsächlich aktiv darüber relevantes Neugeschäft generiert, kann ich mir noch nicht vorstellen. Gleichwohl experimentieren wir natürlich auch mit diesem Vertriebsweg. Allerdings ist uns im Moment noch das Training unserer Partner im Handel oder auch die Verbesserung unserer digitalen Abschlussmöglichkeiten wichtiger.

Mit was experimentieren Sie gerade bei "Alexa"?

Natürlich wollen wir sicherstellen, dass "Alexa" weiß, wer Wertgarantie ist und was wir machen. Ob man dann aber wirklich soweit geht, dass dort Gerätedaten eingegeben werden, kann ich mir noch nicht vorstellen. Wie man das dann in den Abschluss bringt, wird man dann sehen. Wir schauen uns das zwar an, aber das ist jetzt nicht der Fokus unserer Digitalisierungsbemühungen.

Stichwort Tiere: Vor einem Jahr wagten Sie in einem Gastbeitrag die Prognose, bis 2025 rund 500.000 Tierhalter versichern zu können. Halten Sie daran auch weiterhin fest und wie hat sich der Markt seitdem entwickelt?

Wir sind wieder deutlich zweistellig gewachsen. Wir haben ja auch neue Mitbewerber im Markt, die insgesamt natürlich die Awareness für das Produkt optimieren und verbessern. Da profitiert man auch als Marktführer davon, sage ich mal selbstbewusst. Wir sehen ungebrochen einen Trend insbesondere zur Hundehaltung, gerade auch bei jüngeren Menschen. Deshalb bin ich sehr zuversichtlich, dass wir doch mit großen Schritten diesem Ziel näherkommen. In Anbetracht von sieben Millionen in Deutschland gehaltenen Hunden wären das ja immer noch recht wenige, die versichert sind. Wir können unsere Neugeschäftszahlen Jahr für Jahr deutlich verbessern und deshalb gibt es überhaupt keinen Anlass zum Pessimismus.

Also kommen Sie irgendwann einmal raus aus der Nische?

Wir sind ja schon per Definition ein Nischenprodukt, allein weil etwa 60 Millionen Deutsche gar kein Haustier halten. Deshalb ist die Zielgruppe nun einmal begrenzt. Wie lange man sich in einer Nische aufhält, sollen andere entscheiden. Es gibt ja Sachversicherer, die durchaus weniger als 260.000 bis 270.000 Kunden haben und die gelten auch nicht als Nische. Deshalb sage ich einmal: Wir sind Spezialisten und ja, wir bleiben Spezialist für die Krankenversicherung für Hunde und Katzen. Aber als solcher Spezialist sind wir eben dann doch in der Community derjenigen Menschen, die Hunde und Katzen halten, sicher weit über die Nische hinaus, sondern ein relevanter Player.

Ist es dennoch denkbar, dass Sie einmal über Hunde und Katzen hinausgehen und auch einmal die Spinne oder die Echse als Haustier versichern?

Wir beschäftigen uns natürlich damit, allerdings müssen wir auch die notwendige Expertise dafür haben, weil es sich hier ja um ganz andere Schadenbilder und Behandlungen handelt. Sie haben nur einen sehr kleinen Kreis von Tierärzten, die diese Krankheitsbilder behandeln können. Dann kommt natürlich noch ein wichtiger Aspekt dazu: Das ist der Tierschutz. Man muss Mechanismen entwickeln, dass man nicht illegal eingeführte oder unter Artenschutz stehende Tiere in die Bestände bekommt, denn ich möchte das nicht unterstützen. Wir haben immer noch so viele Wachstumschancen bei Hunden und Katzen, dass wir diese Spezialisierung für exotische Tiere dann bisher doch gescheut haben.

Anfang Januar hat Agila die Top-Ten der beliebtesten Hunde und Katzen 2018 veröffentlicht. Welche Schlüsse können Sie als Versicherer daraus ziehen und welche Rückschlüsse lässt dies auf die Schadenquoten zu? Und können Sie sagen, welche Tiere auch die meisten bzw. teuersten Schäden verursachen?

Ich glaube, man sieht in dieser Auflistung den allgemeinen Trend zum kleineren Hund bestätigt. Die französische Bulldogge, der kleine Mischling, der Mops, der Chihuahua, die englische Bulldogge - das ist schon eine Bestätigung, dass der kleine Hund durchaus populär ist. Der Labrador ist der beliebteste Rassehund in Deutschland. Wenn man das regionalisiert, sieht man schon ein deutliches Stadt-Land-Gefälle. In den städtischen Ballungsräumen sind eben kleine Hunde vorn, aber bundesweit ist der Labrador eben der beliebteste deutsche Rassehund. Der deutsche Schäferhund liegt dabei nur abgeschlagen auf Platz acht. Den Trend zum kleinen Hund sehen wir daher bestätigt.

 

Was die Schäden betrifft, ist es immer so, wenn populäre, stark bezüchtete Rassen in größeren Mengen nachgefragt werden, kommt es natürlich zu rasse- und zuchtbedingten sowie Grau- und Schwarzimport-bedingten Schäden, die sich natürlich auch recht schnell bei uns niederschlagen. Die sogenannten Vermehrer in Osteuropa drängen in den deutschen Markt und versuchen über Grau- wie Schwarzimporte ihre dann nicht immer gesunden und genetisch ausbalancierten Tiere im Markt zu platzieren. Da wünschte ich mir noch mehr Sensibilität auch beim potenziellen Hundebesitzer. Insgesamt muss man aber sagen, dass die Veterinärmedizin fast soweit ist wie die Humanmedizin. Sie kann fast alles, was auch die Humanmedizin kann und das merken wir natürlich auch in der Höhe der Schäden.

Können Sie einige Zahlen nennen?

Nun, da kann man schon wegen der Gebührenordnung keine detaillierten Preise nennen, schon gar nicht, was die Rassen betrifft. Keiner kennt das Geschäft so gut, wie wir. Deshalb kennen wir  rassespezifische Entwicklungen sehr genau. Aber das ist natürlich auch ein Stück weit unser Big-Data-Schatz, den wir hier hüten. Allerdings: Der Kreuzbandriss beim Hund kostet nun mal eben rund 2.000 Euro und da ist es dann egal, ob es sich dabei um einen Golden Retriever oder einen Mischling handelt. Wenn das Kreuzband ab ist, ist es ab, die OP kostet immer um die 2.000 Euro und das spüren wir natürlich gerade in einem Jahr 2018 mit extrem guten Wetter, in dem die Tiere sehr viel draußen waren und sich bewegt haben. Da kommt es dann eben sehr häufig vor, dass das Tier sich vertritt oder in ein Erdloch springt. Häufiger, als dies bei schlechtem Wetter passiert. Das wir auch die ein oder anderen kreislaufbedingte Erkrankung  bei älteren Hunden gesehen haben, ist bei der Hitze nachvollziehbar. Insbesondere bei den Hunden mit der Kurzköpfigkeit sehen wir zudem sehr viele Operationen, die die Atemwege wieder frei machen. Aber das ist sozusagen rassebedingt.

Werfen wir abschließend einen Blick in die berühmt-berüchtigte Glaskugel von VWheute: Wohin sehen Sie Ihr Unternehmen in fünf Jahren und wie schätzen Sie die Marktentwicklung in den kommenden fünf Jahren ein?

Bei Agila geht es sehr stabil aufwärts. Ich sehe uns auch nicht zwingend internationalisiert, sondern weiter unsere positive Marktposition in Deutschland ausbauend.

 

Auch bei der Wertgarantie gibt es keinen Grund zum Pessimismus. Der Anteil "Fahrrad, E-Bike, E-Mobility" wird eine größere Bedeutung bekommen. Und wir werden natürlich sehr stark getrieben durch die Entwicklung im Handel. Ich bin fest davon überzeugt, dass insbesondere Elektrogroßgeräte auch weiterhin überwiegend im stationären Handel gekauft werden. Und da muss der Anspruch der Wertgarantie sein, überall, wo Geräte verkauft und repariert werden, präsent zu sein.

 

Und da komme ich zum dritten Punkt. Wir sagen ja:  Wertgarantie sorgt dafür, dass repariert wird, anstatt wegzuwerfen. Deshalb werden wir insbesondere die vorhandenen, extrem intensiven Netzwerke, die Waschmaschinen, Kaffeemaschinen und Laptops reparieren, weiter intensivieren. Zudem glauben wir, dass wir über zusätzliche Services rund um die Reparatur des Gerätes zusätzliche Marktstärke generieren können.

 

Auch bei den Online-Shops sind wir natürlich präsent. Wir sehen aber, dass die Anbündelung unserer Produkte im Online-Shop automatisch auch nicht so einfach funktioniert, sondern dass man auch dort die Vorteile von Geräte- und Garantieversicherung erklären muss. Daran arbeiten wir. Wir sind aber der festen Überzeugung, dass insbesondere das Thema "Zugang zu Services", "Zugang zu Reparatur", "Unterstützung beim Finden von Servicepartnern" zusätzliche Wirkung entfalten kann hin zu unserem Versicherungsprodukt. Denn das ist die große Schwäche, die vielen Online-Kunden fehlt: Wenn das Gerät im Haus ist sich nicht sicher zu sein: "Wen kann ich mal anrufen, wenn die Kiste nicht läuft".

Wertgarantie · Agila · Patrick Döring
Auch interessant
Zurück
14.03.2019VWheute
Patrick Döring spricht über Bach­blü­ten­the­ra­pien für feuer­werks­pa­ni­sche Hunde Immer wenn man glaubt, man hätte alles gelesen, kommt ein …
Patrick Döring spricht über Bach­blü­ten­the­ra­pien für feuer­werks­pa­ni­sche Hunde
Immer wenn man glaubt, man hätte alles gelesen, kommt ein Wertgarantie-Vorstand und ehemaliger FDP-Parteigeneralsekretär wie Patrick Döring und spricht über Bachblütentherapien für Hunde.
07.01.2019VWheute
Wert­ga­rantie stellt die Weichen für die Zukunft Alles neu macht der Januar: Patrick Döring wurde beim Versicherer Wertgarantie zum stellvertretenden…
Wert­ga­rantie stellt die Weichen für die Zukunft
Alles neu macht der Januar: Patrick Döring wurde beim Versicherer Wertgarantie zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden berufen. Ein neues Vorstandsressort erhält Udo Buermeyer. Der langjährige Vorstandsvorsitzende Thomas …
05.11.2018VWheute
BdV kriti­siert Smart­phone-Versi­che­rung als sinnlos und erntet Wider­spruch Der Bund der Versicherten (BdV) erneuert seine Kritik an …
BdV kriti­siert Smart­phone-Versi­che­rung als sinnlos und erntet Wider­spruch
Der Bund der Versicherten (BdV) erneuert seine Kritik an Smartphone-Versicherungen. Der Schutz sei alles andere als sinnvoll, sagen die Verbraucherschützer.
19.10.2018VWheute
Dextra gewinnt jähr­lich fünf­stellig Kunden und will Angebot ausweiten Erfolgsgeschichte made in Switzerland: Seit dem Jahr 2012 bietet Dextra …
Dextra gewinnt jähr­lich fünf­stellig Kunden und will Angebot ausweiten
Erfolgsgeschichte made in Switzerland: Seit dem Jahr 2012 bietet Dextra Rechtschutzversicherungen (RS) und an, als eines der wenigen Insurtechs trägt das Unternehmen selbst Risiko und konnte jährlich 10.000 …
Weiter