Nepomuk Loesti
Nepomuk LoestiQuelle: usk
Märkte & Vertrieb

Prämien für Managerhaftpflicht sollen steigen

Von Uwe Schmidt-KasparekTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Prämien für die Managerhaftpflicht werden in Deutschland schon in naher Zukunft ansteigen. Davon ist Nepomuk Loesti, Head of Liabilities Financial Lines & Client Engagement bei der AIG Europe Limited überzeugt. Auf dem MCC-Kongress "Industrieversicherung" zeigte der Experte für Directors-and-Officers-Versicherungen (D&O), dass der Trend zu höheren Prämien in den USA und in Großbritannien schon eingesetzt hat. „Die Reihenfolge ist bekannt. Erst kommen die USA, dann UK und dann ist Europa dran“, sagte der Experte.

Zudem würden die Schadenfälle in Deutschland steigen. Für 2018 erwartet Loesti wie im Vorjahr eine Schadenquote von 87 Prozent. "Rechnet man die Kosten hinzu, dann steckt der deutsche D & O-Markt im tiefroten Bereich“, so Loesti in seinem Vortrag "Die D&O Versicherung am Scheideweg". In den USA sei die Versicherungskapazität für die Managerhaftpflicht bereits gesunken. Ähnliches erwartet der Experte auch für Deutschland, weil die Schäden insgesamt immer teurer würden. Loesti: "Wir verbrennen allein für Anwaltskosten bei großen Fällen rund eine Million Euro pro Monat."

 

AIG sein von zwei Großfällen betroffen, für die jeweils ein Vergleich von 100 Mio. Euro ausgehandelt wurde. „Es gibt aber viele Schadenfälle, die schaffen es gar nicht in die Zeitung, belasten die Versicherer aber erheblich.“ Gleichzeitig wären Insolvenzen zum Massenschaden für die Managerhaftpflicht geworden. Rund 80 Prozent aller Unternehmenspleiten in Deutschland wären versichert. Loesti verwahrte sich gegen die Kritik, D&O-Versicherer würden ihre Reserven "künstlich aufblasen", um die Branche in einem problematischeren Licht erscheinen zu lassen.

 

"Das ist gar nicht möglich. Wir haben Pflichten, wie wir reservieren müssen", erläuterte der Experte. Nach Erkenntnis des Versicherers hat sich auch das Verhandlungsklima bei problematischen D&O-Verträgen deutlich verschlechtert. "Früher konnte man mit den Assekuranzen reden und in schwierigen Fällen das Limit senken, heute steigen die Versicherer einfach aus", so Loesti, der damit wohl auch die Strategie des eigenen Hauses beschreiben dürfte.

 

Probleme gibt es nach Einschätzung von Mark Wilhelm, von der Kanzlei Wilhelm Partnerschaft von Rechtsanwälten aus Düsseldorf für D&O-Kunden auch durch eine veränderte Rechtsprechung. Durch ein Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf (12. Juli 2017 – Az.: I-4 U 61/17) könnten sich bei Serienschäden erhebliche Haftungslücken auftun. Nach Einschätzung des Rechtsanwalts könnten 20 bis 30 Prozent älterer D&O-Bedingungen aufgrund des Urteils, das die Leistungspflicht des Versicherers in bestimmten Fällen einfach abschneidet, betroffen sein. Versicherungsmakler sollten diese Policen überprüfen.

 

Mehr Haftungsfälle sieht der Jurist durch Cyberschäden auf die D&O-Versicherung zukommen. So würde bei der Managerhaftung immer wieder Organisationsverschulden eingewandt. „Das gilt dann künftig auch für die IT. Auch die muss der Manager im Griff haben, wenn er nicht haften will“, warnte Wilhelm. Außerdem würde es mit den Versicherern regelmäßig Streit über die Angemessenheit von Anwaltskosten geben. Um das zu vermeiden, rät er in der Police die Höhe der Anwaltskosten genau zu regeln. Sie sollten zudem die eigentliche Haftungssumme der D&O-Police nicht belasten. 

D&O-Versicherung
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