Türme des Kreml - Moskau
Türme des Kreml - MoskauQuelle: Martin Kummer / www.pixelio.de / PIXELIO
Schlaglicht

Doswidaniya – Ergo zieht sich aus Russlandgeschäft zurück

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Ergo ist nicht russlandfest. Nachdem sich der Mutterkonzern bereits im Jahr 2015 aus dem Land verabschiedete, verkauft jetzt die Ergo International AG sein Nicht-Leben-Geschäft. Die Ergo ist praktisch raus aus Russland, einzig noch mit dem Reiseversicherer ERV Versicherer vertreten. Für den Ausstieg gibt es Gründe.

Die Ergo International verkauft ihre Tochtergesellschaft Ergo Russia Non-Life an Reso-Garantia. Die P&C Versicherungsgesellschaft mit Sitz in Moskau bietet eine Vielzahl an Versicherungsdienstleistungen an, beispielsweise in den Bereichen Auto-, Kranken- und Sachversicherungen.

 

Im Rahmen der Vereinbarung erwirbt Reso-Garantia 100 Prozent der Anteile an Ergo Non-Life und übernimmt das gesamte Unternehmen einschließlich Mitarbeiter, Kundenportfolio und IT-Systeme. Der Eigentümerwechsel von Ergo Non-Life Russia habe "keinerlei Auswirkungen" auf die Verpflichtungen gegenüber den derzeitigen Kunden von Ergo, schreibt das Unternehmen. Die Zustimmung der Behörden steht noch aus, der Preis bleibt zwischen den Beteiligten.

 Im Oktober 2018 hat der deutsche Versicherer bereits seine russische Leben-Tochtergesellschaft an Rosgosstrakh veräußert – VWheute berichtete.

 

Der russische Markt ist kein Waldorfkindergarten

 

Seit dem Jahr 2008 ist die Zahl der Banken in Russland um die Hälfte geschrumpft, die Versicherer befinden sich ebenfalls im Rückwärtsgang, deren Anzahl nimmt rapide ab. Schuld daran sind aber nicht die (nur) Finanzkrise oder Sanktionen.

 

 Im Jahr 1996 gab es in Russland 2217 Versicherer, von denen aber viele unseriös arbeiteten und eher Geld verschleppten als zu versichern. Die Aufsichtsbehörde russische Zentralbank griff in der Folge durch, aktuell sind noch rund 230 Versicherer tätig, Experten rechnen damit, dass die Anzahl weiter dreistellig sinken wird.

Neben einer strengen Aufsicht ist es aber besonders das russische Wirtschaftgebaren, das speziell den ausländischen Versicherern zusetzt. Wir verstehen die Struktur nicht, das Land ist zu groß und wir sind dafür nicht ausgerüstet." Das sagte der ehemalige VIG-Vorstandsvorsitzende Peter Hagen als der österreichische Versicherer sich aus dem Versicherungsmarkt zurückzog, Uniqa ist dort weiter tätig.

 

Dazu kommt der Umstand, dass die russische Bevölkerung Versicherungen tendenziell eher kritisch gegenübersteht, mit Ausnahme der PKW-Versicherung. Die Versicherungsdurchdringung im Nichtlebengeschäft beträgt um die zwei Prozent. Das Lebensversicherungsgeschäft ist in der Hand der Banken, rund 80 Prozent des Lebensversicherungsgeschäftes wird darüber abgewickelt. Das sind keine optimalen Voraussetzungen für ein erfolgreiches Versicherungsgeschäft, wie es auf dem deutschen Versicherungsmarkt üblich ist.

 

Neben den genannten Problemen dürfte auch der Compliance-Fall im Spätjahr 2017 zu einem Umdenken bei der Ergo geführt haben. Manager der Ergo Rus hatten nach einem Diebstahl wieder aufgetauchte Autos unter der Hand weiterverkauft und das Geld eingesteckt. Der Schaden ging in die Millionen, der Imageschaden wog womöglich noch schwerer, für den Konzern, der sich (einmal mehr) in einem Umbauprozess befindet.

 

Wie macht die Ergo weiter?

 

Der Verkauf der Sachtochter zieht die Ergo jetzt einen Schlussstrich unter ihr Russlandabenteuer. "Mit Reso-Garantia haben wir einen Investor gefunden, der über eine ausgewiesene Erfolgsbilanz im russischen Versicherungsmarkt verfügt", erklärte Alexander Ankel, Chief Operating Officer der Ergo International AG. Genau die konnte die Ergo nicht vorweisen. Andere deutsche Unternehmen, Allianz seit 1990, Zurich (1996) und Talanx (2006), bleiben dem russischen Markt erhalten.

 

Weitere Verkäufe im internationalen Geschäft schließt die Ergo nicht aus. "Im Juni 2016 haben wir angekündigt, das Wachstum im Ausland auf ausgewählte Märkte zu konzentrieren. Damit sind vor allem jene Märkte gemeint, in denen wir ohnehin stark präsent (unter den Top 3-5) sind oder ein erhebliches Marktpotential sehen. Als Teil der Strategie prüfen wir auch weiterhin, in welchen Ländern es hingegen sinnvoll wäre, Geschäft zu veräußern", erklären die Düsseldorfer auf Anfrage.

 

Wenn Sie mehr Informationen zum Thema russischer Versicherungsmarkt und dessen Tücken lesen wollen, empfehlen wir die Geschichte "Die Welt zu Gast in Putins Palast, erschienen in der Versicherungswirtschaft Juni 2018, die Sie HIER beziehen können.
Ergo · Russland
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