Kleinlein und Schwark streiten über Riester-Rente
Kleinlein und Schwark streiten über Riester-RenteQuelle: Katharina Wieland Müller  / www.pixelio.de / PIXELIO
Schlaglicht

Ist das Kopfkissen der bessere Riester-Plan? Schwark liefert sich Wortgefecht mit Kleinlein

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Streitthema Riester! Auf seiner Jahrespressekonferenz nahm sich GDV-Präsident Wolfgang Weiler dem Thema an und brachte es zurück auf die Agenda. Der Bund der Versicherten (BdV) nahm den Ball dankbar auf und hat aktuell eine sehr Riester-kritische Pressemitteilung herausgebracht. Die Verbraucherschützer sprechen von "legalem Betrug". Der provozierte GDV antwortet umgehend und scharf – auch Twitter war ein Kampfplatz.

"Die Riester-Rente krankt nicht nur an zu großer Komplexität, sondern hat mittlerweile auch ein Image-Problem", erklärte Weiler auf der GDV-Jahrespressekonferenz. Damit hat er zweifellos recht, wer bei Google die Worte "Kritik" und "Riester-Rente" eingibt, erhält mehrere hunderttausend Treffer. Um der Ablehnung zu begegnen will Weiler die "Förderung deutlich verschlanken" sowie die "Komplexität der Produkte reduzieren".

 

Das findet Zustimmung. "Die Gothaer begrüßt die politische Initiative, die Möglichkeit für ein einfaches und schlankes Riester-Produkt zu schaffen, das deutlich weniger verwaltungsintensiv ist als es die gesetzlichen Rahmenbedingungen derzeit bei Riester erfordern", erklären die Kölner.

 

Trotz der Mängel im System scheint die Nachfrage größer zu werden. "Erfreulicherweise sehen wir 2018 bei der Riester-Rente im Neugeschäft ein spürbares Plus von über fünf Prozent bei den neu abgeschlossenen Verträgen", erklärt Weiler. In diese gute Stimmung platzt nun der Bund der Versicherten.

 

Kopfkissen besser als Riester?

 

Der BdV hat auf Grundlage von Finanztest-Daten "nachgerechnet". Das Ergebnis: Das Geld der Sparer wäre unter dem Kopfkissen besser aufgehoben. Unter Renditegesichtspunkten seien die garantierten versicherungsförmigen Riester-Renten noch schlechter, als wenn sie ihre Eigenbeiträge unterm Kopfkissen sparen. "Betrachtet man die versicherungsförmigen Riester-Renten unter dem Gesichtspunkt der garantierten Leistungen, so sind Verluste in allen Fällen vorprogrammiert", erklärt Axel Kleinlein, Vorstandssprecher des BdV.

Unabhängig von Anspardauer, Geschlecht und Variante seien die "erzielten" Renditen der am Markt erhältlichen Riester-Produkte stets negativ, schreibt der BdV. So erziele die höchste Rente für eine Frau nach einer Anspardauer von 12 Jahren eine Negativ-Rendite von -0,9 Prozent, nach 20 Jahren Anspardauer -0,8 Prozent und nach 40 Jahren -0,3 Prozent. Für den Mann liegt die erzielte Rendite in den gleichen Ansparzeiträumen bei -2,5 Prozent, -2,00 Prozent bzw. -0,9 Prozent. Die Werte fallen bei Männern durchweg deutlich geringer aus als bei Frauen.

 

"Die Negativrenditen zeigen, dass das Vorsorge-Geld am Schluss in anderen Kassen landet als in der Riester-Rente", erläutert der Versicherungsmathematiker Kleinlein.

 

Der GDV widerspricht vehement

 

In einer eigens aufgesetzten Pressemitteilung widerspricht der GDV dem Gesagten: "Die Ergebnisse der BdV-Untersuchung seien irreführend. Negative Renditen ergeben sich allein auf Grund der vom BdV gewählten Methodik."

 

Peter Schwark, Mitglied der GDV-Geschäftsführung und zuständig für den Bereich Altersvorsorge wird mit den Worten zitiert: "Systematisch negative Renditen – wie von Herrn Kleinlein behauptet – sind bei Rentenverträgen durch die gesetzliche Vorgabe zum Beitragserhalt ausgeschlossen. Die negativen Renditen ergeben sich durch einen simplen Trick: Er geht davon aus, dass die Lebenserwartungen zu vorsichtig kalkuliert sind. Dabei wird seine Analyse an dieser Stelle fehlerhaft und unlogisch, denn wenn die Annahmen tatsächlich zu vorsichtig sein sollten, entstehen zwingend Überschüsse, an denen die Kunden zu mindestens 90 Prozent zu beteiligen sind."

 

Dieses Faktum würde die Analyse Kleinleins nicht berücksichtigen. Nur auf "diese fehlerhafte Weise" entstünden die negativen Renditen. Zwischen 2011 und 2017 wurden von den Lebensversicherern 96 Prozent aller Erträge zu Gunsten der Kunden verwendet.

 

Zum Thema Kopfkissensparen erklärt der GDV-Mann mit Bezug auf die steigende Lebenserwartung: "Die Riester-Rente gibt es ein Leben lang, egal wie alt der Rentner wird. Wer sein Geld hingegen unter das Kopfkissen legt, wird mit einiger Wahrscheinlichkeit eines Morgens aufwachen und feststellen, dass nichts mehr da ist."

 

Twitter-War

 

Auf Twitter konnte der Streit live mitverfolgt werden, dort zogen Kleinlein und Schwark die Samthandschuhe aus. "Wir haben nachgerechnet: Katastrophale Renditen bei Riester! Kopfkissen ist oft bessere Anlagestrategie als Versicherung! Es wird Zeit aufzuhören Steuergelder in versicherungsförmigen Riester-Renten zu versenken", schrieb Kleinlein. Das Hashtag legaler Betrug rundet das Statement ab. Ein anderer Nutzer stimmte zu, bestätigte allerdings auch die Ansicht Weilers: "Allein der staatstypische Verwaltungsaufwand stellt bereits sicher, dass keine Rendite entstehen kann."

 

Schwark vergleicht das Gesagte mit Blendwerk: "Wer nur die Garantieleistungen einrechnet, bewertet gar nicht, wie praktisch gewirtschaftet wird, sondern nur eine vom aufsichtsbehördlichen Vorsichtsprinzip geprägte Kalkulation. #Taschenspielerei"

Weiterhin schreibt er zu Kleinleins Post: "Das ist klar, wenn der als #Riester-Kritiker bekannte Studienautor mal wieder ohne die Überschussbeteiligung rechnet. Entweder sind seine unterstellten Lebenserwartungen richtig, dann gibt es aber #Überschüsse und steigende Renten, oder er rechnet mit zu kurzer #Lebenserwartung."

Auch Schwark erhält Nutzerunterstützung: "Lieber Herr Kleinlein, wenn Sie so genau gerechnet haben, dann übernehmen Sie und der BdV doch sicher die Haftung dafür, wenn sich das Kopfkissen im Nachhinein als deutlich schlechtere Variante herausstellt? Wäre ja nicht das erste Mal, dass Sie verkehrt liegen."

 

Mit diesen Tweets endet eine weitere spannende Riester-Debatte. VWheute geht jede Wette ein, dass es nicht die letzte sein wird – mit oder ohne Kopfkissen.

Riester-Rente · Peter Schwark · Axel Kleinlein · Bund der Versicherten
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