Frauen in der Altersvorsorge - eine Zielgruppe und gleichzeitig die besseren Berater
Frauen in der Altersvorsorge - eine Zielgruppe und gleichzeitig die besseren BeraterQuelle: Konstantin Gastmann  / www.pixelio.de / PIXELIO
Märkte & Vertrieb

"Frauen gehen lieber zum Zahnarzt als zur Altersvorsorgeberatung"

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Brauchen Frauen spezielle Altersvorsorgeberatung und -Produkte? In der Versicherungswelt gilt die Unisexvorgabe, doch der Bedarf an Beratungsangeboten für Frauen steigt, wie die zunehmende Zahl entsprechender Foren und Blogs zeigt. Ist die Zeit für einen Wechsel in Beratung und Produktkonzeption gekommen oder ist es eine Chimäre?

"Frauen gehen lieber zum Zahnarzt als zur Altersvorsorgeberatung", sagt Carolin Gabor, Managing Partner bei Finleap, und bringt das Problem damit auf den Punkt. Es ist beileibe keine Einzelmeinung, viele Frauen fremdeln mit den herkömmlichen Angeboten und Beratung im Bereich Altersvorsorge.

 

Abhilfe sollen Lösungen bieten, die speziell für Frauen geschaffen wurden. Zu nennen wären beispielsweise der Blog Madame Monypenny, das Projekt Finanz-Heldinnen von Comdirect oder hermoney, die Liste ließe sich fortsetzen. Anja Müller, Maklerunternehmen FrauenFinanzBeratung in Stuttgart erklärte in der Versicherungswirtschaft den Ansatz solcher Angebote: "Wir wollen, dass sich die Frauen bewusst werden, dass sie etwas tun müssen."

Am Ende ist das Problem bei Frauen oftmals, dass wegen Schwangerschaft und Erziehung wichtige Beitragsjahre verloren gehen, diese Lücke muss aufgefangen werden, wie Müller betont: "Wenn sie beispielsweise mit Kindern zu Hause sind und Familienarbeit leisten, müssen sie ihre Altersvorsorge aus dem Familienbudget finanzieren können."

 

Offenbar werden Frauen auf die Versorgungslücke bisher von Beratern nicht ausreichen hingewiesen. Warum sollte sonst ein Markt für auf Frauen ausgerichtete Beratung entstehen.

 

Bei Beratung nicht unterscheiden

 

Es ist allerdings beileibe kein Konsens, dass Angebote speziell für Frauen nötig sind. Ein seit Jahrzehnten sehr erfolgreich im Vertrieb tätiger Versicherungsberater bezieht klar Stellung: "Den größten Gefallen, den wir Frauen in unserer heutigen, scheinbar so modernen Gesellschaft tun können, ist, eben nicht bei der Beratung zu unterscheiden. Es gibt Männer, die mit zu viel Informationen überfordert sind und selbstverständlich auch Frauen. In meinen Beratungen mache ich keinerlei Unterschiede zwischen den Geschlechtern."

 

Eine Ansicht, denen viele Menschen widersprechen würden. Vielerorts kann gelesen werden, dass Frauen bei der Beratung eher mit Emotionen als mit Zahlen erreicht werden. Männliche Berater würden allerdings oftmals zahlenbasiert argumentieren und damit an der Kundin vorbei beraten.  

 

Anne Wulf, Finanzkontor Berlin sieht das Problem und nimmt die Berater in die Pflicht: "In der Bank fühlen sie Frauen häufig unverstanden und sind mit den Antworten – vor allen von männlichen Beratern – unzufrieden."

 

Eine Ansicht, die sicher nicht von der Hand zu weisen ist, basiert sie doch auf jahrelanger Erfahrung. Allerdings klingt der Vorwurf der Frau als Zahlenverweigerin auch verdächtig nach Klischee.

 

"Frauen sind oft besser informiert als Männer, erklärt der langjährige Anlageberater Hans-Peter Bosch, der für die dbfp Deutsche Beratungsgesellschaft für Finanzplanung in Landau tätig ist. Seine Beratung richte sich nach dem Bedarf des Kunden, nicht nach dem Geschlecht. Spezielle Beratung und Produkte für Frauen hält er für unnötig.

 

Das sagen die Versicherer

 

Die Versicherer schließen sich der Meinung der beiden Berater an. "Aus unserer Sicht sind für eine bedarfsgerechte Beratung zur Altersvorsorge keine speziellen Produkte für Frauen notwendig. Der Gesetzgeber hat mit Unisex-Produkten dafür gesorgt, dass Männer und Frauen die gleichen Beiträge zahlen. Wichtig ist es, dass in der Beratung die speziellen Bedürfnisse von Frauen berücksichtigt werden", erklärt Hildegard Upgang, Referentin Privatkunden Vertriebsunterstützung, Alte Leipziger Lebensversicherung.  Dieser Meinung schließen sich auch die beiden zitierten Berater an, die gemeinsam auf über 60 Jahre Vertriebserfahrung kommen.

Die Continentale, im Versicherungs- wie Fondsgeschäft tätig, verstärkt den Konsens: "Unsere Altersvorsorge-Tarife sind für alle Geschlechter gleichermaßen gut geeignet, daher planen wir auch keine speziellen Angebote für Frauen." Die klassische Zielgruppe Frau oder Mann gäbe es nicht. 

 

Produkte für Frauen?

 

Ein interessanter Fall ist die Axa, gleichwohl Versicherer wie Fondsanbieter. Auf das Beratungsproblem angesprochen schreibt der Versicherer: "Unsere Beratung verfolgt grundsätzlich den Ansatz der Individualität des Einzelnen. Das bedeutet, wir betrachten bei jedem Kunden und Interessenten den gesamten Lebenslauf sowie die aktuelle Lebenssituation."

 

Allerdings hat der Konzern über seine Fondstocher Axa IM auch mindestens einen Fonds im Angebot, der zumindest nach Namen und Ausrichtung einen Fokus auf Frauen als Zielgruppe nahelegt. Der Axa WF Women Empowerment Fund ist ein globaler Fonds, der mit seinen Investments geschlechtsspezifische Diversität zu einer "Realität machen möchte. Der vermeintliche Frauenfokus ist allerdings ein Trugbild, wie Axa-IM mitteilt. Der Fonds richtet sich "ausdrücklich" nicht ausschließlich oder vornehmlich an Frauen. Das ganze Angebot an Fonds sei geschlechterneutral konzipiert.

 

Ebenso äußert sich die UBS, die mit dem "UBS ETF (IE) Global Gender Equality ETF" eine ähnliches Anlageziel wie die Axa verfolgt. Der Fonds und das ganze Angebot der UBS seien für alle Anleger ausgelegt, spezielle Produkte für Frauen gäbe es nicht, erklärt Dag Rodewald, Leiter UBS ETFs Deutschland und Österreich im Telefongespräch.

 

An dieser Stelle ist sich die Finanzindustrie einig, denn Angebote speziell für Frauen lehnen auch die befragten Versicherer ab.

 

Frauen und Beratung

 

Versicherer und Fondsanbieter wollen keine Produktangebote speziell für Frauen, doch was ist mit der Beratungslücke, die Angebote wie hermoney und finanzfachfrauen.de so attraktiv machen – und von Frauen für Frauen stammen. Ist Beratung also doch eine Geschlechterfrage?

Continentale, Axa und Alte Leipziger glauben nicht, dass das Geschlecht des Vermittlers bei der Beratung wesentlich ist. "Das Geschlecht des Vermittlers spielt höchstens eine untergeordnete Rolle. Entscheidender ist, dass sie beziehungsweise er qualifiziert ist und bedarfsgerecht sowie auf die Person individuell zugeschnitten berät", schreibt die Continentale exemplarisch.

 

Den wohl treffendsten Satz zum Thema liefert Hildegard Upgang: "Frauen entscheiden selbst, ob sie von einem Mann oder einer Frau beraten werden möchten."

Frauen · Beratung · Altersvorsorge · Continentale · Axa Deutschland · Alte Leipziger
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