Lars Heermann und Reiner Will
Lars Heermann und Reiner WillQuelle: Monika Lier
Märkte & Vertrieb

Lebensversicherer klettern mit stabilen Deklarationen aus dem Stimmungstief

Von Monika LierTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Für die Lebensversicherer und ihre Kunden gibt es nach Einschätzung der Ratingagentur Assekurata endlich "Licht am Ende des Korridors". Bei der erwarteten Seitwärtsbewegung der Kapitalmarktzinsen "spricht nicht viel dafür, dass die Überschussbeteiligung 2020 weiter sinkt“, sagte Bereichsleiter Lars Heermann bei der Vorstellung der aktuellen "Marktstudie 2019: Überschussbeteiligungen und Garantien". 

Dank der Methodenänderung bei der Zinszusatzreserve sei der langjährige Abwärtstrend bei den Deklarationen für 2019 gestoppt worden. Für 2018 und 2019 seien voraussichtlich nur noch sechs Mrd. Euro der Zinszusatzreserve zuzuführen, nach 15,4 Mrd. Euro. Damit bleibe die Zinszusatzreserve aber auch der Korridormethode hält Assekurata-Geschäftsführer Reiner Will weiterhin noch „ökonomisch anspruchsvoll“.

 

Immerhin koste die Zuführung die Branche 2018 voraussichtlich 0,65 Prozentpunkte des Kapitalertrags. Dank der Entlastung bleibe die Überschussbeteiligung aber zumindest schon einmal stabil, sodass die Produktlandschaft nicht weiter leide. Mittlerweile seien 80 Prozent der Bestände in der Nachreservierung, wobei die Spannbreite bei den Unternehmen sehr unterschiedlich sei. Die durchschnittliche Garantieverzinsung im Bestand von 2,75 (2,80) Prozent belaufe sich nach ZZR nur noch auf 1,90 Prozent - und liege damit gut 100 Basispunkte unter dem Niveau von 2013.

Nachdem Geschäftserwartungen und die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage im Vorjahr auf dem Nullpunkt lagen, werden beide Faktoren nun wieder günstiger von den Unternehmen einschätzt. Große Hoffnung hegt die Branche für die betriebliche Altersversorgung, gefolgt von Fondspolicen und Tarifen zur Absicherung von Berufsunfähigkeit bzw. der Arbeitskraft. Im Vorjahr galten mit Abstand die fondsgebundenen Produkte als Hoffnungswert. Bei den klassischen Tarifen mit traditionellen Garantien sind die Werte jedoch eindeutig negativ.

 

 Von den 54 (55) Lebensversicherern, die an der 17. Studie dieser Art teilgenommen haben, bieten noch 32 Gesellschaften klassische Rentenverträge mit einem Höchstrechnungszins von 0,9 Prozent. Bei den diesen Produkten sinkt die laufende Verzinsung über alle Tarifgenerationen und Produktarten im arithmetischen Mittel der Studie zufolge für 2019 auf 2,49 (2,51) Prozent bzw. im gewichteten Durchschnitt auf 2,84 (2,85) Prozent. Die illustrierter Beitragsrendite des von Assekurata stets zugrunde gelegten Mustervertrags einer privaten Rentenversicherung mit 25-jährige Ansparzeit beträgt im Durchschnitt 2,20 (2,19) Prozent und liegt damit gut über der Inflationsrate – sieben Anbieter bleiben der Studie zufolge allerdings unter der Preissteigerung.  Der Vergleich der Vergangenheitsrenditen fällt hingegen schlechter aus: Bei Verträgen mit Laufzeiten von zwölf sowie von 20 Jahre bleibt die effektive Beitragsrendite unter dem jeweiligen Rechnungszins.

30 Tarife der Neuen Klassik sowie 14 Anbieter von Indexpolicen sind erneut Gegenstand der Studie. Diese Produkte hätten sich inzwischen zu eigenen Segmenten etabliert. Bis 2020 wollen die Neue Bayerische Beamten und die Provinzial Rheinland auch Neue Klassik und die Neue Leben eine Indexpolice anbieten. Da einzelne Anbieter die Überschusswerte zum Mustervertrag mit 25-jähriger Aufschubzeit nicht liefern konnten, wurde die Laufzeitvorgabe bei der aktuellen Abfrage auf 35 Jahre erhöht. Gemeinsamer Nenner der Neuen Klassik sind garantierte Rückkaufwerte und garantierte lebenslange Rente, ansonsten unterscheiden sich die Angebote hinsichtlich von sieben Garantieelementen.

 

Im Vorjahresvergleich haben vier Anbieter ihre Deklaration hier erhöht und einer sie gesenkt. Im Durchschnitt liegt die laufende Verzinsung der betrachteten Tarife bei durchschnittlich 2,40 Prozent – und damit leicht unter der der Klassik. Die Indexpolicen weisen eine laufende Verzinsung von 2,80 Prozent aus. Die garantierten Beitragsrenditen sind bei beiden Produktarten leicht negativ. Neu in der Studie ist die Analyse der maßgeblichen Renditegutschriften der Indexpolicen: 80 Prozent der untersuchten Tarife haben 2018 eine Nullrendite.

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