Krankenhauszimmer
KrankenhauszimmerQuelle: S. Perkiewicz / PIXELIO (www.pixelio.de)
Politik & Regulierung

Diebe verursachen Millionenschäden in Krankenhäusern

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Ein Aufenthalt im Krankenhaus ist wohl für die wenigsten Patienten eine wirkliche Wohltat. Umso schlimmer, wenn neben der Behandlung des eigenen Leidens auch noch die Geldbörse oder sonstige Wertgegenstände geklaut werden. Doch ganz egal, ob es sich um die Geldbörse, das Smartphone, ein Endoskopie-Gerät oder die klassische Topfpflanze handelt - Langfinger scheinen für die deutschen Kliniken zunehmend ein Problem zu werden.

So gibt es zwar keine bundesweite Statistik darüber über das Ausmaß der Schäden. Blickt man allerdings auf die Erhebungen der einzelnen Bundesländer, scheint der Trend dennoch klar zu sein: Weniger Fallzahlen, aber höhere Schadensummen. So hat es allein in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2017 nach Angaben des Landeskriminalamtes (LKA) fast 6.500 Diebstähle mit einem Schaden von 3,5 Mio. Euro gegeben. Im Jahr zuvor habe der Schaden mit einer Summe von 8,2 Mio. Euro einen neuen Negativ-Rekord erreicht - bei nur leicht höheren Fallzahlen Zum Vergleich: 2011 wurden noch 4.715 Diebstähle mit einem Schaden von etwa zwei Mio. Euro registriert. Auch in den hessischen Kliniken kam Behördenangaben zufolge im Jahr 2017 einiges abhanden. Dazu zählten etwa neben Schmuck, Bekleidung und einem Regenschirm auch Tiefkühlkost, ein Bolzenschussapparat oder ein Brettspiel. Selbst ein Hund gehörte einmal zum registrierten Diebesgut. Der Gesamtschaden beläuft sich dabei auf knapp 1,8 Mio. Euro. Die Aufklärungsquote bei den 1.836 registrierten Fällen allerdings bei eher mageren 16 Prozent.

Auch in anderen Bundesländern sieht es bei den entsprechenden Fallzahlen nicht viel besser aus. Allein in Baden-Württemberg ist 2017 mit einer Schadensumme von 2,75 Mio. Euro bei knapp 3.000 Fällen (einschließlich Arztpraxen) ein neuer Rekordwert erreicht worden, berichtet das Ärzteblatt. Zum Vergleich: 2013 waren es noch 1,8 Mio. Euro bei mehr als 3.200 Fällen. Ähnlich verhält es sich in Thüringen, wo die Behörden 384 Diebstählen und einem Schadensvolumen rund 400 000 Euro im Jahr 2017 registrierten. Ein Jahr zuvor waren es noch 496 Fällen mit einem Schaden von 118.000 Euro im Jahr zuvor. Zudem sorgte allein in Rheinland-Pfalz der Diebstahl hochwertiger endoskopischer Geräte  zwischen 2015 und 2017 für einen Schaden in Millionenhöhe. 
Besonders davon betroffen ist vor allem der Ecclesia Versicherungsdienst, der rund 60 Prozent aller Krankenhäuser in Deutschland versichert. Demnach sind dem Versicherungsmakler allein zwischen 2009 und 2018 Schäden in Höhe von 22,8 Mio. Euro infolge von Diebstählen und Einbrüchen gemeldet worden. Davon entfallen nach Angaben von Ecclesia 16,7 Mio. auf die Einbruchdiebstahlversicherung, berichtet das Nachrichtenportal RP online. Einen Großteil der Gesamtsumme mache dabei die Welle von Endoskopiediebstählen in den Jahren 2015 bis 2017 aus, heißt es weiter. Allerdings sei die Zahl der Schadenfälle durch die Ermittlungserfolge der Polizei im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen. So habe Ecclesia laut Bericht im letzten Jahr 254 Schäden in Höhe von rund 492.000 Euro registriert - nach rund 3,7 Mio. Euro im Jahr 2017.
Der Allgemeine Patientenverband fordert indes als Konsequenz schärfere Kontrollen in den Eingangsbereichen der Krankenhäuser: "Nicht jeder sollte direkt in eine Klinik hineinspazieren können", fordert Verbandspräsident Christian Zimmermann. Allerdings tun sich die Kliniken selbst eher schwer, dieser Entwicklung gegenzusteuern. "Krankenhäuser sind große Komplexe mit unkontrolliertem Zugang", konstatiert LKA-Sprecher Frank Scheulen aus Düsseldorf. Zudem sei es für die Krankenhäuser selbst schwierig, den Überblick zu behalten. "Wir haben in NRW rund 4,6 Millionen Patienten jährlich in Krankenhäusern. Wenn jeder von ihnen auch von zwei oder drei Menschen Besuch bekommt, dann sind drei Viertel aller Bewohner NRWs einmal pro Jahr im Krankenhaus", betont Lothar Kratz, Sprecher der Krankenhausgesellschaft NRW. Immerhin: Manch Klinik - darunter die Berliner Charité oder die Uniklinik Tübingen - haben bereits mit der Anstellung eines Sicherheitsdienstes auf die Entwicklung reagiert.
Krankenhaus · Diebstahl · Ecclesia
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