Speicherstadt in Hamburg
Speicherstadt in HamburgQuelle: Otmar Luttmann / pixelio.de (www.pixelio.de)
Schlaglicht

Erfolgsgeschichte Hamburger Modell? Debeka und PKV-Verband lästern über "rätselhafte" Wahrnehmung von Gesundheitsbehörde

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Im letzten Sommer sorgte das "Hamburger Modell" in der privaten Krankenversicherung für erheblichen Wirbel. Mit dieser Regelung können die Beamten seit dem 1. August 2018 statt einer individuellen Beihilfe den halben Beitrag einer gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung  erhalten. Die Hamburger Gesundheitssenatorin zog nun eine erste Zwischenbilanz - positiv natürlich. Demnach hätten sich bereits mehr als 1.000 Staatsdiener für dieses Modell entschieden - insbesondere mit niedrigeren Bezügen. Heftigen Gegenwind gibt es vom PKV-Verband und der Debeka.

Nach einer Auswertung der Hamburger Gesundheitsbehörde  hätten sich demnach allein bis Ende Januar 1.015 Beamte für dieses Modell entschieden. Allerdings habe die Analyse auch gezeigt, dass die Nutzung des Angebots je nach Laufbahngruppe und Besoldung sehr unterschiedlich ist. Während sich im allgemeinen Verwaltungsdienst fast bis zu 50 Prozent der neuen Beamtinnen und Beamten für das Angebot der pauschalen Beihilfe entscheiden, liegt die Nutzung in den höheren Besoldungsgruppen darunter. Bei Lehrerinnen und Lehrern zum Beispiel beträgt die Nutzungsquote rund 20 Prozent.

 

Laut Behörde habe die Hansestadt allein für das Jahr 2018 etwa eine Million Euro für die Pauschale Beihilfe aufgewendet. Damit würden die Kosten unter der bisherigen Prognose liegen, wonach für ein ganzes Jahr etwa 5,8 Mio. Euro veranschlagt worden seien. Zudem habe der Hamburger Senat ursprünglich geschätzt, dass etwa 2.400 Beamtinnen und Beamte bereits früher gesetzlich versichert waren und bisher ihre Beiträge vollständig selbst gezahlt haben. Genaue Zahlen darüber stünden aber nicht zur Verfügung. Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks verkauft das Hamburger Modell jedenfalls schon als Erfolg: "Ich freue mich, dass die Pauschale Beihilfe so erfolgreich gestartet ist. Die Zahl von über 1.000 Beamtinnen und Beamten zeigt, dass es einen großen Bedarf für eine solche Regelung gibt. Dass sich gerade in den unteren Besoldungsgruppen überproportional viele neue Beamtinnen und Beamten für die Pauschale Beihilfe entscheiden, verdeutlicht, dass wir eine sehr sozial gerechte Alternative zur bisherigen Beihilfe geschaffen haben."

Hamburger Beamtenbund spricht von "Fake News"

Entsprechenden Gegenwind gibt es hingegen - wenig überraschend - aus der Branche selbst. "Die konkreten Zahlen widerlegen den Versuch der Hamburger Gesundheitssenatorin, die schwachen Zahlen der 'pauschalen Beihilfe' als vermeintlichen Erfolg zu verkaufen. Der Hamburger Beamtenbund (dbb) spricht gar von 'Fake-News' der Senatorin. Nach seinen Angaben haben sich vielmehr von allen seit 01.08.2018 neu eingestellten Beamtenanwärtern über 85 Prozent gegen die 'pauschalen Beihilfe' entschieden. Auch die jüngsten Antworten des Hamburger Senats auf eine Parlamentarische Anfrage stehen diametral zu den Jubelmeldungen der Senatorin. Ihre vermeintliche Erfolgszahl von 1.015 Nutzern der 'pauschalen Beihilfe' entspricht tatsächlich nur einem kleinen Teil der schon bisher ca. 2.400 in den Gesetzlichen Krankenkassen versicherten Hamburger Beamten", konstatiert PKV-Verbandssprecher Stefan Reker auf Anfrage von VWheute.

 

Dass die Hamburger Beamten nun scharenweise zu den gesetzlichen Krankenkassen überlaufen, befürchtet der Verband indes nicht. "Der PKV-Verband hat von Anfang an darauf hingewiesen, dass für die übergroße Zahl der Beamten die bewährte Kombination aus Beihilfe und Privater Krankenversicherung, für die sich bundesweit rund 95 Prozent aller Beamten entschieden haben, auch in Hamburg weiterhin klar attraktiver bleibt. Der Hamburger Sonderweg könnte hingegen für Beamte mit geringem Einkommen und überdurchschnittlich vielen Kindern ein Anreiz sein, in die GKV zu wechseln, weil sie dort die - vom Steuerzahler subventionierte - beitragsfreie Mitversicherung ihrer Familie in Anspruch nehmen können", betont Reker.

Debeka sieht kein Hamburger Erfolgsmodell

Auch die Debeka will im Hamburger Modell indes keinen Erfolg sehen. "Die ca. 1.000 Beamten, die die pauschale Beihilfe in Anspruch nehmen, sind fast alle seit Jahren in der GKV und haben jetzt zusätzlich die pauschale Beihilfe, quasi als Arbeitgeberzuschuss, beantragt. Allerdings wird davon ausgegangen, dass es mindestens 2.400 Beamte gibt, die die pauschale Beihilfe in Anspruch nehmen könnten. Nicht einmal die Hälfte dieser Beamten meldet offensichtlich Ansprüche an, die ihnen zustehen. Wie man das als Erfolg verkaufen kann, wie es der Hamburger Senat tut, ist uns rätselhaft", heißt es in einer Stellungnahme des Koblenzer Versicherers gegenüber VWheute.

 

Außerdem heißt es weiter: "Von diesen in der GKV versicherten 'Bestandsbeamten' zu trennen sind die neu eingetretenen Beamten. Hier entscheiden sich nach unserer Kenntnis lediglich zehn bis 15 Prozent für die pauschale Beihilfe. Viele von ihnen wären aber auch schon vor Einführung des Hamburger Sonderwegs in der GKV geblieben. Ein 'Erfolg' sähe auch hier anders aus." Zudem sieht die Debeka die individuelle Beihilfe noch immer als entscheidendes Argument für die PKV: "Die Debeka hat in Hamburg im Jahr 2018 15 Prozent mehr Beamtenanwärter als 2017 versichert. Offensichtlich entscheiden sich die Beamtenanwärter bewusst für die individuelle Beihilfe und die darauf abgestimmte private Krankenversicherung mit deutlich besseren Leistungen als in der GKV. Wir gehen davon aus, dass die Einführung des Hamburger Sonderwegs viele Beamtenanwärter dazu bewegt hat, sich mit der Thematik stärker auseinander zusetzen und die PKV zu favorisieren".

In anderen Bundesländern scheint das Hamburger Modell jedenfalls dennoch auf große Gegenliebe zu stoßen. So haben bereits Berlin, Brandenburg und Thüringen angekündigt, dieses Modell ebenfalls umsetzen zu wollen. In Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen ist das Hamburger Modell Gegenstand der parlamentarischen Diskussion.
PKV-Verband · private Krankenversicherer · Debeka · Hamburger Modell · Beamte
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