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"Blockchain Revolution findet nicht statt" – Kritik an Axa

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Blockchain-Technologie gehört zur Zukunft der Versicherungswirtschaft. Eine weit verbreitete Meinung. Komplett gegensätzlicher Meinung ist Dirk Pappelbaum, Geschäftsführer des Softwarehersteller Inveda.net. Für ihn werden gerade Milliarden mittels Investitionen in Blockchain verbrannt.

Die Blockchain hat viele Anhänger, beispielsweise Viktor Becher, Gründer von Getsurance. Für ihn wird Blockchain und künstliche Intelligenz "den Versicherern viel Arbeit abnehmen". Prof. Dr. Martin Eling, Lehrstuhlinhaber und Direktor am Institut für Versicherungswirtschaft der Universität St. Gallen ist der Meinung, dass die Blockchain Technologie insbesondere im Zusammenspiel mit dem Internet der Dinge "sehr interessante Anwendungsfelder eröffnet". Die Wissenschaft ist ebenso mit auf den Blockchain-Zug aufgesprungen und die Axa hat direkt Nägel mit Köpfen gemacht und ein Produkt auf der Basis der Technik entwickelt.

 

"Nichts übriggeblieben"

 

Warum ist Pappelbaum also so kritisch, sieht er etwas, was andere übersehen haben? Seine Praxiserfahrung mit Blockchain ist ernüchternd: "Als wir versuchten, die Blockchain in die eigenen Geschäftsprozesse zu integrieren bzw. diese damit sogar abzulösen, ist von den vollmundigen Ankündigungen und Verheißungen nichts übriggeblieben."

 

Für ihn ist die Blockchain "langfristig nicht sicher". Das liege weniger an der Technik als am Menschen. Da Blockchain wird weltweit über viele Computer von unterschiedlichen Teilnehmern verteilt und zurzeit auch von keiner Einzelperson oder Firma beherrscht. Sämtliche Transaktionen sind weltweit gespiegelt und u.a. durch kryptographische Algorithmen und elektronischen Signaturen gesichert.

 

Das Problem ist laut Pappelbaum auch nicht die Technik, sondern der Mensch. Aktuell werde von einigen Marktteilnehmern sehr viel Geld investiert, um sich einen möglichst großen Teil an den verschiedenen Blockchains zu sichern. Und das ist fatal, denn werden "mehr als 50 Prozent der Blockchain von einer Einzelperson beherrscht", dann ist sie "nicht mehr sicher". Warum die 50-Prozent-Grenze kritisch ist, erklärt Pappelbaum allerdings nicht.

 

Zu teuer?

 

Um der genannten 50 Prozent-Grenze zu entgehen, würden Unternehmen wie IBM Blockchain ausschließlich im eigenen Haus betreiben. Das wäre allerdings "sehr kurzsichtig gedacht". Betrachte man die so genannten Transaktionskosten genauer, gehe der Vorteil gegenüber konventionellen Lösungen "schnell verloren", schreibt Pappelbaum. Als Beispiele führt er die schwankenden Preise für Transaktionen an, die eine solide Kalkulation schwierig machen würde. Zudem kritisiert er den "enormen Rechenaufwand" und die Verwendung von "Strom, viel Strom".

 

"Hallo Axa, das ist nicht Euer Ernst, oder?"

 

Die oben genannte Geschäftsidee der Axa kritisiert Pappelbaum scharf. Der Versicherer habe bei der Flugausfallversicherung mittels Blockchain mit "Kanonen auf Spatzen geschossen".

Er versteht nicht, warum die Aufgabe nicht mit einer Datenbank und einer konventionellen Webservice-Schnittstelle gelöst wurde. Seine Vermutung, die Axa wollte "unbedingt eine Lösung auf Basis einer Blockchain. Ob es Sinn hat, "stand überhaupt nicht zur Debatte".

 

Ob Herr Pappelbaum oder die Axa recht behält, wird die Zukunft zeigen.

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