Coface Conference Paris
Coface Conference ParisQuelle: td
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Coface-Chef Xavier Durand warnt vor Populismus und Protektionismus

Von Tobias DanielTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
„Wohin geht es mit Europa?“ Bei dieser Frage scheiden sich derzeit die Geister angesichts der zunehmenden Risiken rund um den Globus. Immerhin: 42 Prozent der Franzosen glauben, dass ihr Land eine Stimme in Europa hat – zum Vergleich: In Deutschland vertreten immerhin 70 Prozent diese Meinung. Spitzenreiter ist Dänemark, wo 78 Prozent der Befragten immerhin diese Meinung vertreten, konstatiert der französische Diplomat Pierre Sellal. Immerhin ist die Zustimmung in der europäischen Bevölkerung in Europa auf einem neuen Spitzenwert seit 2010, betont der Diplomat am Rande der Coface Risk Conference in Paris.

Und dennoch: Populistische Strömungen spielen in Europa derzeit eine mehr als durchaus Besorgnis erregende Rolle. Allen voran die Gelbwesten-Bewegung, welche die französische Hauptstadt seit Wochen in Atem hält.

 

Wenig verwunderlich, dass die teils gewaltsamen Proteste in Paris auch ihre Spuren bei der versammelten Wirtschaftselite im alterwürdigen Palais des Louvre eine gewisse Rolle spielten. So stieg der soziale Risiko-Indikator des Kreditversicherers auf einen neuen Höchststand seit 2010. Die jüngsten Urnengänge in Italien oder die drohende Zersplitterung des Europaparlaments durch einen möglicherweise stärkeren Einzug eurokritischer und populistischer Parteien und Gruppierungen lassen daher keine Entwarnung auf dem politischen Parkett erwarten.

 

Daher zählt der wachsende Populismus für Coface-Chef Xavier Durand neben dem Dauerbrenner „Brexit“ zu den aktuell größten politischen Risiken. Ganz zu schweigen von den Sorgen um den steigenden Protektionismus, die neuen Herausforderungen durch den digitalen Wandel sowie die zunehmend düsteren wirtschaftlichen Aussichten für das laufende Jahr. Der Haken daran: Neu sind die Erkenntnisse für die Branche allerdings nicht. Bereits beim Länderkongress des Kreditversicherers in Mainz im vergangenen Jahr zeigte sich Durand bereits über den steigenden Protektionismus rund dem Globus besonders besorgt (Anmerkung: Bitte auf Beitrag verlinken: https://be.invalue.de/d/publikationen/vwheute/2018/04/27/kreditversicherer-ziehen-in-die-zoll-schlacht.html)

 

So rechnen die Ökonomen des französischen Kreditversicherers für 2019 mit einem leichten Rückgang des Wirtschaftswachstums auf drei Prozent – nach 3,2 Prozent in den beiden Vorjahren. Zudem rechnet Coface in diesem Jahr mit einem Anstieg der Unternehmensinsolvenzen in der Eurozone um 1,2 Prozent und 6,5 Prozent in Mitteleuropa.

 

Wenig Neues gab es von Seiten der Coface-Analysten allerdings zum „Brexit“ zu sagen: Die Folgen für das Vereinigte Königreich und die EU werden wohl gravierend ausfallen. Konkrete Szenarien ließen die Analysten in einem eher improvisiert anmutenden Pressegespräch allerdings nicht durchblicken.

 

Passend zur aktuellen wirtschaftlichen Gemengelage sorgte indes die Insolvenz der Germania in den deutsch- und französischsprachigen Medien für entsprechende Schlagzeilen. Eine angebliche Ursache für die Pleite der deutschen Airline: Der massive Anstieg der Kersosinpreise. Eine teils hitzig geführte Debatte über die geopolitischen Folgen einer globalen Energiewende – weg vom Öl und hin zu alternativen Energien - brachte indes aus Sicht der Versicherungsbranche keine nennenswerten Antworten.

 

Bleibt zu hoffen, dass es um die Zukunft der globalen Wertschöpfungskette besser bestellt sein wird. Die entsprechenden Antworten lesen Sie in der kommenden Ausgabe der Versicherungswirtschaft.
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