Wolfgang Weiler
Wolfgang WeilerQuelle: Sabine T. Ruh
Märkte & Vertrieb

Weiler fordert von EU klare Regeln für institutionelle Investoren beim Klimaschutz

Von Sabine T. RuhTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Grünes Investment, Überregulierung und gesetzlicher Provisionsdeckel - Wolfgang Weiler, Präsident des Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft ging bei einem Vortrag anlässlich des Neujahresempfang des VGA, Bundesverband der Assekuranzführungskräfte, in Frankfurt am Main auf aktuelle Herausforderungen der europäischen Versicherungswirtschaft ein.  

"Quo vadis EU? Europa und die deutsche Versicherungswirtschaft überschrieb er seine Rede und bekannte sich zunächst zum europäischen Projekt. "Die europäischen Vereinigung ist doch trotz aller Anspannung, trotz aller Krisen der vergangenen Jahre eine enge Verflechtung der Völker."  Es sei nicht nur ein wirtschaftliches Projekt, sondern auch ein Friedensprojekt. Relevant sei in diesem Zusammenhang, dass 2die europäische Wirtschaft aktuell 22 Quartale in Folge gewachsen ist."

 

Wenige Monate vor der Europawahl erziele die Zustimmung der Bürger zur EU Rekordwerte: "Insgesamt sind 68 Prozent aller Bürger der EU der Meinung, dass ihr jeweiliges Land von der EU-Mitgliedschaft profitiert."  Und zwei Drittel der Europäer äußerten sich positiv über die gemeinsame Währung.  

 

Kein Trojanisches Pferd beim Umweltschutz

 

"In der Versicherungswirtschaft haben sich in den letzten Jahren Themen wie Solvency II oder die Datenschutz-Grundverordnung die Versicherungs-DNA umgeschrieben." Dennoch stünden die deutschen Versicherer aus voller Überzeugung zur europäischen Integration. Wenige Monate vor der Europawahl im Mai 2019 fordert Weiler, dass "die Förderung nachhaltiger Investitionen vernünftig" geschehen müsse.

 

Der Präsident des Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft bezieht sich dabei auf die Initiative der EU-Kommission und des EU-Parlaments für eine nachhaltige Finanzwirtschaft. Der Verband unterstütze durchaus die Initiative der EU-Kommission, dass institutionelle Investoren bei ihrer Kapitalanlage einen Beitrag zum Klimaschutz leisten sollten. Doch er habe Zweifel, nach welchen Standards, nach welcher Taxonomie dies umzusetzen sei. Dies bliebe die EU schuldig.

 

Für Weiler ist dies ein "trojanisches Pferd“: "Ich befürchte, klare Regeln werden durch moralische Empfindlichkeiten ersetzt.“  Er sei hier mit Skepsis unterwegs, denn: Risikobasierung ist uns wichtig."

 

Über-Regulierung kostet

 

Weiterhin war, wie häufig in seinen Äußerungen, die Überregulierung der Versicherungswirtschaft Thema im aktuellen Vortrag. Die Anzahl der Datensätze und technischen Vorgaben, die regelmäßig von den Versicherern geliefert werden müssten, seien zu viel. Weiler weiß dabei 97 Prozent der Mitgliedsunternehmen auf seiner Seite. Deswegen wirbt er für den proportionalen Ansatz: "Gute Regulierung sollte effizient sein und dauerhaft angelegt."

 

Als Beispiel führt er an: "Was nützt es Ihnen als kleines Unternehmen, wenn man sagt: Quartalsberichte brauchen sie jetzt erst mal nicht abzugeben. Dennoch muss man diese aber vorhalten, weil man sie nach Aufforderung kurzfristig abgeben muss.“ Weiler fordert hier Flexibilität und keine Über-Komplexität. Zumal die Berichtspflichten immense Kosten verursachen würden. Er erinnert: "Die Mehrkosten der Regulierung landen immer beim Kunden", denn sie müssten schließlich in den Preisen einkalkuliert werden. Denn Kosten diffundierten nicht einfach und verschwänden damit.

 

Am Ende seines Vortrags ging Weiler noch kurz auf das aktuelle Thema des gesetzlichen Provisionsdeckels ein, womit die Bundesregierung aktuell beschäftigt sei. Hier fühle sich die Branche nicht wahrgenommen und schlecht beleumundet.  

Wolfgang Weiler · GDV-Präsident · Klimaschutz
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