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Schloss MannheimQuelle: Maximilian Volz
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Munich Re: Klimawandel ist eine Gefahr für Versicherbarkeit von Schäden

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Düster wurde es letzten Freitag im Mannheimer Schloss: Ursächlich waren die Ausführungen zu den kommenden klimatischen Entwicklungen von Eberhard Faust, Forschungsleiter Klimarisiken Munich Re. Für ihn ist fraglich, ob für das Kommende künftig noch Versicherungsschutz gewährt werden kann. Darüber hinaus sprach Annette Brockmöller, Richterin am IV. Zivilsenat des BGH, über aktuelle Entscheidungen in LV und PKV. Vorsicht Versicherer: Der Treuhänderprozess ist noch nicht zu Ende.

Es wird mehr Extremwetterereignisse geben, das ist in aller Kürze das Fazit des sehr interessanten Vortrags von Faust, den er auf der 43. Mannheimer Versicherungswissenschaftlichen Jahrestagung hielt. Im ehemaligen Musikzimmer der Kürfürstin erklärte der Experte, dass Hagel und Starkwinde in Mitteleuropa und anderen Teilen Europas sehr wahrscheinlich zunehmen werden. Bei aller Vorsicht, es handelt sich um Prognosen, geht die Munich Re davon aus, dass es bis zum Jahr 2040 zudem eine Zunahme von Hagelschäden in Höhe von 15 Prozent geben wird, danach steige die Gefahr weiter an. Besonders betroffen seien der Südwesten Deutschlands. Ebenfalls zunehmen würden in Mittel- und Westeuropa zukünftig die Starkniederschläge, wohl um zehn Prozent.

Deckenschmuck im Musikzimmer der Kurfürstin - Schloss Mannheim
Deckenschmuck im Musikzimmer der Kurfürstin - Schloss MannheimQuelle: Redaktion

Jetstream erschwert die Lage

 

Ein Problem dürfte vielen Zuhörern neu sein und es klingt auch vermeintlich harmlos: "Die Wetterlagen kommen nicht vom Fleck", erklärte Faust. Eine Ursache ist der Jetstream. Dieses Phänomen sorgt dafür, dass sich ein bestimmtes Wetterphänomen lange über einer Region hält und auswirkt. Das Wort Region kann eine große Fläche wie Skandinavien umfassen, wie in diesem Sommer, als große Hitze über der genannten Fläche lag.

 

Hierzulande konnte das Hitzephänomen ebenfalls im Sommer beobachtet werden, als extreme Hitze wochenlang Deutschland beherrschte. In Amerika kann aktuell das Gegenextrem beobachtet werden, eine außergewöhnliche Kältewelle. Mitverantwortlich jeweils der Jetstream.

 

Warum das so gefährlich ist, erklärte Faust auf Nachfrage anhand eines Beispiels: Fällt auf einer begrenzten Fläche fortwährend Regen, kann der Boden in Kürze kein Wasser mehr aufnehmen, woraufhin eine Sturzflut oder Überschwemmung wahrscheinlicher wird. Warum eine anhaltende Hitzewelle sich negativ auf Menschen, Tiere und Landwirtschaft auswirkt, ist selbsterklärend.

Eberhard Faust, Munich Re
Eberhard Faust, Munich ReQuelle: Maximilian Volz

Eine weiter Hiobsbotschaft, die Überschwemmungsereignisse werden in diesem Jahrhundert zunehmen, in Mitteleuropa um das doppelte, im Osten- und Südosten Asiens wohl um das Fünffache. Das erforderte massive Investitionen in Hochwasserschutz, auch weil zudem der Meeresspiegel ansteigen wird.

 

Es gibt aber auch positives zu berichten: Die Anzahl der tropischen Wirbelstürme wird abnehmen. Leider ist das nur die eine Hälfte der Medaille, denn die Anzahl der starken Stürme wird zunehmen. Diese sind für 80 Prozent der Schäden verantwortlich.

 

Ist das noch versicherbar?

 

Schwierige Voraussetzungen für die Menschheit, die wächst und dadurch mehr Platz für Mensch, Tier und Nahrung benötigt. Das Schlimme daran, die Entwicklung fällt nicht vom Himmel: "Die Erwärmung der Erde in den letzten hundert Jahren ist größtenteils menschengemacht", erklärte Faust. Passend dazu protestierten Schüler auf dem Ehrenhof des Schlosses während seines Vortrags gegen Klimaerwärmung und Umweltzerstörung. Das soll noch jemand sagen, die heutige Generation wäre unpolitisch.

Schülerdemonstration vor dem Mannheimer Schloss gegen Klimawandel und Umweltzerstörung am 1. Februar 2019
Schülerdemonstration vor dem Mannheimer Schloss gegen Klimawandel und Umweltzerstörung am 1. Februar 2019Quelle: Maximilian Volz

In der folgenden Diskussion wurde Faust gefragt, ob die genannten Entwicklungen nicht die Grenzen der Versicherbarkeit sprengen würden. Faust suchte nach den richtigen Worten und sprach von einer "langsame Entwicklung", schloss aber Änderungen in der Versicherungspraxis global gesehen nicht aus.

 

In Deutschland sieht er eine solche Entwicklung zunächst nicht. Neue Studien zeigen, dass die Unwetter mittlerweile weniger in bestimmten Regionen, soMaximilian Volzndern überall vorkommen würden, erklärte der Experte. Eine genauere Tarifierung und Schutz für (fast) alle Versicherungswilligen in der Wohngebäude- und Elementarversicherung wäre dadurch möglich.

 

Die Richterin erklärt den Treuhänderprozess

 

Annette Brockmöller, Richterin am IV. Zivilsenat des BGH, sprach in ihrem Vortrag über neuste Entscheidungen in der Personenversicherung. Das wichtigste Thema war natürlich der Treuhänderprozess, der "großes mediales Echo" ausgelöst habe. Sie bestätigte noch einmal, dass der Senat pro PKV entschieden habe, weil die Unabhängigkeit des Treuhänders nach Ansicht des Gerichts nur von der Aufsicht kontrolliert werden könne, nicht von den Gerichten selbst. Die Unabhängigkeit des Prüfenden sei die Voraussetzung für die Bestimmung des Treuhänders, nicht für die Wirksamkeit der Anpassung, wurde ausgeführt. Aus Sicht des Senats sollten sich die Anforderungen an den Prüfenden zudem allein nach dem Aufsichtsrecht bestimmt werden.

Annette Brockmöller, Richterin am IV. Zivilsenat des BGH,
Annette Brockmöller, Richterin am IV. Zivilsenat des BGH,Quelle: Maximilian Volz

Oliver Brand, Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Privatversicherungsrecht, Wirtschaftsrecht und Rechtsvergleichung an der Uni Mannheim ergänzte: "Die Begründungsthematik ist für die Versicherer viel gefährlicher als die Treuhänderdebatte."

Munich Re · Eberhard Faust · Klima · Sturmschäden · Annette Brockmöller · Treuhänderstreit
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