Diskussionsrunde zur D&O-Versicherung auf dem Euroforum "Haftpflicht" in Hamburg.
Diskussionsrunde zur D&O-Versicherung auf dem Euroforum "Haftpflicht" in Hamburg.Quelle: Thomas Soltau
Märkte & Vertrieb

"D&O-Markt ist etabliert und die Player wissen, was Sie tun"

Von Thomas SoltauTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Wie ist die Stimmung bei den D&O-Versicherern? Das wurde auf einer Podiumsdiskussion im Rahmen des Hamburger "Haftpflicht" Euroforums debattiert. Kaum ein Markt stellt sich ambivalenter da als jener, der D&O-Versicherungen. Das betonte Horst Ihlas, Geschäftsführer der Dr. Ihlas GmbH, bei einer Diskussion. "Der Markt ist etabliert und die Player wissen, was Sie tun“, bestätigt Ihlas in seiner Eröffnungsrede zur Podiumsdiskussion über Stimmungen bei den D&O Versicherern.
Gleichzeitig schrumpft der Markt weltweit und die Prämienpreise fallen seit 17 Jahren. "Allerdings dürfen die Märkte auch schrumpfen, weil sich die Risiken verbessert haben. Zudem erhöht sich die Deckungsbreite der Policen, weil Versicherer immer neue Produkte anbieten", sagt der Experte. Aber müssen sich die großen Versicherer trotz Rezession überhaupt sorgen machen? Ihlas sieht ein überfordertes Justiz-System, in dem 21.000 Richter gegen 164.000 hochbezahlte Anwälte kämpfen – und viele komplexe Fälle nicht bearbeitet werden. Häufig komme es deshalb zu einem Vergleich, der sich gut auf die Bilanz der Versicherer auswirkt. Geld lässt sich seiner Ansicht nach mit Innovationen immer noch verdienen, auch wenn niemand die Preise für D&O-Produkte in den kommenden Jahren vorhersehen kann. Die Branche sieht vermehrt Sammelklagen auf sich zukommen und fürchtet hohe Kosten durch den VW-Dieselskandal. Die Deckungssumme von 500 Mio. Euro, für die mehr als 20 Versicherer unter Führung der Zurich Versicherung aufkommen müssen, wird vermutlich nicht reichen. Das wird die Preise in die Höhe treiben und den Markt vermutlich erhitzen. Trotz einer kleinen Katerstimmung bleibt die wirksame D&O-Versicherung jedoch ein Muss, um die CFO-Haftung zu begrenzen.

Elefantenrunde zur Managerhaftpflicht

Auf die Kernfrage wie weit Einkäufer gehen möchten und wie weit Versicherer mitgehen, antwortetet Rainer Portz, Senior Manager Corporate Insurance-Casualty, Daimler Insurance Services GmbH in der darauffolgenden Diskussionsrunde. "Die Deckung sollte sich immer am Bedarf orientieren, das ist die Ausgangslage. Es muss einfach ins Produkt passen, dann lässt sich sicherlich vieles darstellen." Jochen Böhm, Head of Broking Deukona, sogar eine echte Chance, D&O-Versicherungen wieder sexy zu machen, indem man neue Angebote für Kunden formt. Das Interesse daran sei doch vorhanden und Gewinne macht man mit den Policen auch heute noch. Wären diese nicht rentabel, dann würde kein Kaufmann sie im Portfolio halten. Stefan Sigulla, Vorstand der HDI Global SE, warnt hingegen ivor zu breiten Deckungen der Policen. Denn dann könnte es im Fall einer Inanspruchnahme eng für den Manager werden, weil zu viel Geld auf andere Sachverhalte verteilt werde. Die Haftung des Managers müsse im Fokus stehen und weniger das Lametta drumherum, mit dem der Preis von Policen gerechtfertigt werde.

Lukrative Cyberversicherungen und Brexit-Gelassenheit

Zum Themenkreis der Haftpflicht–Tagung gehört auch die Cyber-Versicherung. Denn Cybercrime-Risiken sind eine verbreitete Bedrohung: 2017 meldeten 38 Prozent der deutschen Wirtschaft KPMG zufolge, von e-Crime-Delikten wie Datendiebstahl betroffen gewesen zu sein. Laut einer Aon-Prognose werden die Versicherer in dieser Sparte im Jahr 2021 weltweit vier Mrd. US-Dollar einnehmen. In den letzten fünf Jahren wuchs der Markt um beachtliche 23 Prozent, schneller als jede andere Versicherungssparte. Und wie wichtig ist die Cyberversicherung in Deutschland? "Habe ich Sie auf meiner Top 5-Liste stehen, dann gehört sie auch versichert", sagt Jochen Böhm von der Deukona. Prinzipiell müsse man allerdings eine gewisse Awareness in Unternehmen dafür schaffen. Die Gefahr ist bewusst, müsse aber noch mehr verankert werden. Auch der bevorstehende Brexit wurde thematisiert. Hier sieht die Diskussionsrunde zwar makroökonomisches Risiken, aber bleibt gelassen. Viele kleinere Unternehmen werden zwar eher unvorbereitet auf den Brexit sein, allerdings sei auch viel Stimmungsmache dabei. Die großen Versicherer sind auf jeden Fall präpariert. Zum Abschluss wurde es noch mal launig. Auf die Frage, wie die Juristen ihren D&O-Job Kindern erklären würden, versagten fast alle kollektiv. Nur Stefan Sigulla war schlagfertig genug. "Ich helfe dem Vater von der Sabine, dass er ohne große Risiken richtige Entscheidungen treffen kann. Denn wenn die falsch wären, müsste er sein Haus verkaufen und wegziehen."