Politik & Regulierung

Innerfranzösische Aktionärsquerelen; Scor bemüht Justiz gegen Covéa

Von Philipp ThomasTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Das Übernahmegefecht um den französischen Rückversicherer Scor entwickelt sich zu einem immer heftigeren Schlagabtausch. Nachdem sich der potenzielle Kaufinteressent Covéa aus dem Rennen zurückgezogen hat, wird der Zwist nun auch auf persönlicher Ebene zwischen den beiden CEOs und Platzhirschen, Covéa's Thierry Derez unnd Scor's Denis Kessler ausgetragen. Nun hat Scor Strafanzeige gegen Covéa und Derez gestellt wegen ungetreuem Verhalten und Hehlerei.

Gegenstand der Strafanzeige sind die folgenden Vorwürfe:

  • Derez habe nach seinem Rauswurf aus dem Scor-Veraltungsrat erhaltene vertrauliche Unterlagen in unzulässiger Weise genutzt. Dies betrifft insbesondere im Jahr 2018 unter dem Codenamen "Parfum" gelaufene Gespräche zwischen Scor und der bermudianischen Partner Re hinsichtlich einer mögliche Fusion der beiden Gesellschaften.
  • Die Kenntnis hinsichtlich der Bewertung von Scor im Kontext der möglichen Fusion sei die Basis für das am 24. August 2018 erfolgte Übernahmeangebot von Covéa gewesen, welches Scor mit acht Mrd. Euro bewertetete. Insofern habe Covéa in inzulässiger Weise Insider-Kenntnisse verwertet, insbesondere auch das im Auftrag von Scor durch BNP Paribas erstellte Bewertungsgutachten.

Auf dieser Basis will Scor auch noch vor dem Tribunal de Commerce de Paris zivilrechtliche Schadenersatzansprüche in noch unbekannter Höhe geltendmachen. Im Visier stehen dabei auch die beiden Covéa beratenden Investmentbanken  Barclays (Schadenersatzklage in Paris) und Rothschild (Schadenersatzklage vor dem Londoner High Court). Zu Covéa’s Beratern gehörte auch Crédit Suisse gehört. Diese hatte allerdings angesichts der erheblichen Gegenwehr von Scor Ende 2018 ihr Beratungsmandat niedergelegt. Vorher hatte ein Londoner Gericht Crédit Suisse verpflichtet, Scor Einblick in die von Covéa zur Verfügung gestellten Unterlagen zu gewähren. Die im Crédit Suisse Dossier vorgefundenen Protokolle aus den Verwaltungsratssitzungen von Scor sind nun die Grundlage für die erhobenen Vorwürfe.

Am 29. Januar 2019 hatte Covéa indes eine Presseerklärung veröffentlicht, wonach man aus dem Übernahmekampf austeigen solle. Die Folge: Der Aktienkurs von Scor brach um rund elf Prozent ein. Anscheinend wäre Covéa verpflichtet gewesen, eine derartige Erklärung außerhalb der Börsenzeiten abzugeben. Die Hinweise verdichten sich jedenfalls, das Covéa versucht habe, einer möglichen Fusion zwischen Scoe und Partner Re (seit 2015 hundertprozentige Tochter der durch die Agnelli’s kontrollierten Exor N.V.) durch ein eigenes Übernahmeangebot zuvorzukommen. Zudem steht dabei der Verdacht im Raum, dass sie dabei Insider-Kenntnisse eingesetzt und ein noch gültiges standstill-Abkommen verletzt hat. Dieses nämlich hat es Covéa verwehrt, den eigenen Anteil an Scor auf über zehn Prozent anzuheben. Zudem soll Derez Crédit Suisse explizit instruiert haben, die Verhandlungen zwischen Scor und Partner Re zu torpedieren und deren Angebot zu unterminieren ("tuer"). Mit dem Versuch eines unfriendly takeovers aber konterkarierte sie den Versuch des Scor-CEO Kessler, vor seinem Ruhestand die Zukunftsweichen für den sanierten Rückversicherer zu stellen. Wenn bereits die Größten der Rückversicherungsbranche wie Scor und PartnerRe über eime Fusion sprechen, dürfte eine weitere Konsolidierungsrunde in der derzeit nicht durch üppige Prämienraten verwöhnten Branche anstehen.

Der gegenwärtige Börsenkurs von Scor liegt bei nur noch etwas mehr als 37 Euro. Im Oktober war die Notierung angesichts der möglichen Üebernahme durch Covéa auf bis zu 44 Euro gestiegen. Damals hieß es, dass ein Verkauf erst bei einem Angebot jenseits von 50 Euro in Betracht gezogen würde. Ende 2017 hatte der Nettobilanzwert je Aktien (NAV) 33,01 Euro betragen. Die Zeit dürfte also gekommen sein, dass die Verwaltungsräte beider Kontrahenden ein Machtwort sprechen. In derartigen Situationen pflegt sich in Frankreich auch noch das Finanzministerium "Bercy" einzuschalten. Dies könnte sich im Fall Scorinsbesondere auch angesichts der möglicherweise immer noch verfolgten Absicht der Fusion mit der bermudianischen Partner Re aufdrängen. Denn eine Fusion würde mit einiger Wahrscheinlichkeit dazu führen würde, dass die fusionierte Gesellschaft ihren Sitz in den steuerfreien Bermudas wählen würde. Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron war zwar zwischen 2008 und 2013  selbst Investmentbanker mit einem Gesamtverdienst von etwa 2,8 Mio. Euro. - allerdings ausgerechnet bei Rothschild & Cie. Er wäre derzeit wohl gut beraten, sich nicht auch noch in die wogende Übernahmeschlacht zu verstricken und sich stattdessen auf die ihm schon genügend Ärger bereitenden "Gelbwesten" zu konzentrieren.

Scor · Covéa
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