Sebastian Pitzler
Sebastian PitzlerQuelle: Manor Lux
Märkte & Vertrieb

Insurlab-Germany-Chef Pitzler: "Es geht nicht um Kosmetik, es gibt nachhaltige Veränderungen in den Unternehmen"

Von Monika LierTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Brancheninitiativen machen nur Sinn, wenn sie von möglichst vielen Marktteilnehmer getragen und aktiv unterstützt werden. Das 2017 ins Leben gerufene Insurlab Germany e.V. kommt insofern gut voran. Die Zahl der Mitglieder wächst und immerhin 79 Prozent können sich vorstellen, den Verein mit eigenen Aktivitäten oder Angeboten zu bereichern. Im Exklusivinterview mit VWheute berichtet Sebastian Pitzler, Geschäftsführer von InsurLab Germany, über die Anstrengungen und Veränderungen in der Branche und neue geplante Formate des Labs. 2019 will das InsurLab Germany bis zu 15 Startups im Rahmen eines Accelerator-Programms weiterentwickeln und dabei helfen, diese im deutschen Versicherungsmarkt zu etablieren.

Bei der Digitalisierung geht es bisher doch überwiegend um Vertrieb und allenfalls Schadenbearbeitung – oder wie sind Ihre Erfahrungen aus der ersten Accelerator-Runde?

Die Projekte unserer fünf Startups, die wir 2018 mit unserem Programm begleitet und unterstützt haben, waren eher bunt gemischt – und nicht stark vertriebslastig. Beispielsweise haben Kasko/Zurich acht Projekte bearbeitet und dabei u.a. Smarthome-Produkte entwickelt. Aber: Digitalisierung hat viele Gesichter – und eines davon ist sicherlich die Beziehung zum Kunden. Amazon hat das Verhalten und die Erwartungen der Kunden geändert. Vor diesem Hintergrund sind die konventionellen Vertriebswege der Versicherer alleine nicht mehr zeitgemäß. Dem lässt sich vergleichsweise einfach mit Webservices, Apps und ähnlichem begegnen. Aber es müssen natürlich auch die Prozesse und die Bestandssysteme verändert werden, was deutlich schwieriger ist. Eine wichtige Rolle werden hier zukünftig Systeme spielen, die auf Künstlicher Intelligenz (KI) basieren. Hier ergeben sich ganz neue Potenziale für die Automatisierung, da Dokumente immer besser ausgelesen und klassifiziert werden können. Zudem spielt KI auch im Underwriting und im Schadensmanagement eine immer größere Rolle.

Was wünschen sich die Versicherer, die sich am InsurLab Germany beteiligen, für 2019?

Wir haben 2018 unsere inzwischen 71 Mitglieder unter anderem danach befragt, welche Fach- und Technologiethemen sie 2019 mit uns gerne bearbeiten wollen. Die Mehrheit wünscht sich den Ergebnissen nach Veranstaltungen zu Künstlicher Intelligenz (AI), Big Data, Internet of Things (IoT) und  e-Health. Bei den fach- bzw. unternehmensbezogenen Themen fordert ein Großteil der Mitglieder Projekte rund um digitale Ökosysteme, Geschäftsmodell-Erweiterungen, Kooperationsmodelle sowie die Customer Journey. Und auf Basis dieser Wünsche haben wir die Schwerpunkte für unsere Innovationswerkstätten und Club Events 2019 ausgerichtet: "Customer Journey – Einsatzmöglichkeiten von KI" (14. März), "eHealth – vom Kostenerstatter zum Lebensbegleiter" (7. Mai), "IoT in der Produktentwicklung und Schadensprävention" (8. Oktober) und "Digitale Ökosysteme und Kooperationsmodelle" (5. Dezember).

Einiges, wie etwa das Alexa-Skill "Yoga-Zeit" der VGH, ist doch eher nettes Beiwerk als echte Problemlösung, oder? Packen die Versicherer die Digitalisierung aus Ihrer Sicht wirklich an - oder begnügen sie sich wegen ihrer Probleme mit veralteter und ausgelasteter IT eher nur mit ein bisschen Digi-Kosmetik wie Apps?

Nein, hier geht es nicht um Kosmetik, sondern es gibt nachhaltige Veränderungen in den Unternehmen. Und dies auch, wenn die Lösungen scheinbar nur beim Vertrieb ansetzen. Da die Unternehmen auf die Änderungen beim Kundenverhalten und bei der Kundenerwartung reagieren, hat dies ganz viel mit Change-Management und Kulturwandel zu tun. Zunehmend werden agile Entwicklungsmethoden eingeführt, damit Unternehmen künftig schneller agieren und auf Veränderungen reagieren können. Ich möchte an dieser Stelle auf die Aussage unseres Vorsitzenden Mathias Bühring-Uhle verweisen: "Die Digitalisierung geht nicht wieder weg. Sie wird uns dauerhaft begleiten."  Die ersten Insurtechs haben sich auf das Front-End zum Kunden hin konzentriert. Nun stehen größere Projekte an, um die verkrusteten IT-Systeme in den Unternehmen aufzubrechen – beispielsweise in den Bereichen Dokumenten-Management, Underwriting oder der Schadenbearbeitung.

Für 2019 planen Sie mehr Veranstaltungen und neue Formate. Was genau?

Insgesamt bieten wir drei neue Formate mit jeweils einigen Veranstaltungen. Beim neuen "member2member" veranstalten Mitglieder für Mitglieder Workshops, Vorträge etc. Hier haben wir aktuell sechs Veranstaltungen geplant, darunter beispielsweise eine "AI Academy" mit Bain & Company, das „Watson IoT Center“ mit IBM und zwei Veranstaltungen des Instituts für Versicherungswesen der TH Köln. MSG wird im September für unsere Mitglieder ihr Pop-Up Innovation Lab von Toronto nach Köln bringen. Inspiriert von einer Testküche sollen die teilnehmenden Mitgliedsunternehmen innerhalb von drei Tagen mit agilen Methoden ein MVP (Minimum Viable Product) entwickeln. Das Thema wird IoT sein. Neu sind auch die Business Roundtables – jeweils einmalige Diskussionsrunden mit maximal 20 Teilnehmern. Die Themen dazu bringen wir als InsurLab Germany ein. Beim dritten neuen Format, den Topic Groups, legen die Mitglieder die Themen fest. Diese Gruppen von fünf bis zehn ständigen Mitgliedern sollen sich regelmäßig zu ihrem Thema austauschen. Der gruppenspezifische Austausch könnte beispielsweise in einem White Paper oder auch in MVPs münden. Hier könnten auch Best Practice Lösungen oder auch unsere Schwerpunktthemen für 2020 entwickelt werden.

Können Sie denn dieses Mehr mit der vorhandenen Mannschaft stemmen?

Ja. Das InsurLab Germany bietet für einige der neuen Formate lediglich den Rahmen. Die Inhalte und die Durchführung liegen bei unseren Mitgliedern. Und die sind sehr aktiv: Die Aktivitätsquote bei Veranstaltungen betrug 97 Prozent in 2018. Unsere Mitgliederumfrage hat zudem ergeben, dass sich 79 Prozent vorstellen können, den Verein 2019 mit eigenen Aktivitäten/Angeboten zu bereichern.

Wie sieht es eigentlich mit der Finanzierung des InsurLabs aus? Wer zahlt was?

Satzungsgemäß zahlen die Versicherungsunternehmen einen Jahresbeitrag von 30.000 Euro und Startups je nach Gründungsjahr zwischen 1.000 und 2.000 Euro. Damit sind wir solide aufgestellt. Zudem: Wir sind bei den Mitgliedern ja bereits stärker gewachsen als ursprünglich erwartet.
Sebastian Pitzler · Insurlab Germany
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