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Schlaglicht

Haftpflicht-Euroforum: Regeln einzuhalten, erfordert heute auch Mut

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Haftpflicht lebt und ist profitabel - das ist wohl das entscheidende Ergebnis des "Haftpflicht" Euroforums in Hamburg. Die schlechte Nachricht ist, als Versicherer muss etwas getan werden, um die Trauben zu ernten.

Wichtig für die Gewinnerzielung sei neben Mut und Beherztheit vor allem Stringenz, erklärte Thomas Losch, Abteilungsleiter bei der Ergo für Underwriting im Haftpflicht Gewerbe/Industrie auf der Euroforum-Veranstaltung. Es sei richtig, auch einmal ein Risiko nicht zu zeichnen. Die bestehenden Underwriting-Regeln müssten eingehalten werden, erklärte er während seines Vortrages mehrmals, das erfordere mitunter Mut. Das Prinzip müsse auch dann gelten, wenn zum Erreichen des angestrebten Jahresergebnisses am Ende des Jahres noch Zeichnungssummen fehle. Er führte zudem aus, dass viele Fragen im Prozess des Underwriting nicht immer zielführend seien, weniger sei manchmal mehr. Beim Thema IT erklärte Losch, dass die Systeme der Versicherer erneuert werden müssten, auch bei der Ergo. Sein Unternehmen investiere "große Summen" in die Neustrukturierung, das müsse in der Branche Usus werden. Manche genutzten Programme in der Versicherungswelt erinnern ihn an den Spieleklassiker Pac-Man, ein nicht gerad schmeichelhaftes Zeugnis.

Thomas Losch
Thomas LoschQuelle: mv

Datennutzung und Kommunikation

Bewusst oder unbewusst nahm Losch einen interessanten Aspekt seines Vorredners Marcus Reichel auf. Beide beklagten, dass die Versicherer "zu wenig Nutzen aus ihnen vorliegenden Daten ziehen". Das war bei weitem nicht das einzige Problem, das Reichel, Geschäftsführer, Knauf VVG Versicherungsservice und -Vermittlungs GmbH, den Versicherern in seinem interessanten Vortrag ins Stammbuch schrieb. Sein Unternehmen ist Herstellern von Baustoffen und Bausystemen und in mehr als 86 Ländern an über 220 Standorten mit Produktionsstätten und Vertriebsorganisationenvertreten. Wenn der Manager Reichel, zuvor unter anderem bei Adidas, von Problemen der internationalen Haftpflichtprogrammen spricht, hat das Gewicht. Er bemängelte, dass die Versicherer gerade mit Großkunden zu selten in Dialog treten werden, zudem seien Versicherer und Makler technisch oft nicht bereit, auf höchstem Niveau zu kommunizieren: "Excel ist nicht mehr zeitgemäß, die Versicherer sollten mehr auf Plattformlösungen setzten". Das würde auch dabei helfen, als Kunde während eines Schadenprozesses über die laufenden Zahlen informiert zu bleiben, bisher sei das nur möglich, wenn das Großunternehmen als Captive als Partner am Prozess beteiligt sei.

Partnerschaften und Herausforderungen

Partnerschaft war auch das Thema von Element-Vorstand Wolff Graulich. Das Konzept Kooperation sei notwendig, wenn ein Versicherer auch in Zukunft noch führend auftreten wolle. Als Beleg für seine These nannte er die Autobranche, die nur noch 25 Prozent ihrer verbauten Teile selbst entwickeln. Das störe den Kunden nicht, wenn es richtig gemacht wird und das Ergebnis stimme. "Wir bauen im Bereich IT nur das selbst, was wir als Kernkompetenz sehen, ansonsten geben wir es an spezialisierte Anbieter weiter", erklärt der Element-Vorstand. Dieses Vorgehen sei in der Fin- und Insurtech-Branche Standard. Ohne Zulieferer könne Unternehmen heutzutage nicht schnell genug neue Produkte liefern. Auf VWheute-Nachfrage erklärte Graulich, dass er unter Kernkompetenzen Product Engineering, Pricing, Policen-Lebenszyklen und die Einbettung von Drittanbieterlösungen verstehe. Ausgeweitet werden könnte in Bälde die Zusammenarbeit von Element mit VW, wie Graulich während der Fragerunde andeutete, bei der das Unternehmen selbst Risikoträger ist.

Ein Freund von Partnerschaften ist auch Carsten Krieglstein, Regional Head Underwriting Liability Central & Eastern Europe bei Allianz Global Corporate & Specialty SE. Dennoch ist er davon überzeugt, dass es aus Sicht der Versicherer bei internationalen Versicherungsprogrammen wichtig sei, dass das Netzwerk der einzelnen Gesellschaften von der "Zentrale aus lenkbar sei". Stand-Alone-Lösungen seien nur dann sinnvoll, wenn keine zentralisierte Steuerung vorhanden sei. Der erste Tag der Euroforum-Konferenz Haftpflicht bot interessante Einsichten in den hart umkämpften Haftpflichtmarkt, sowohl im Industrie- wie auch im Privatbereich. Kooperationsfähigkeit und Mut waren die Schlagworte des ersten Tages der Veranstaltung - VWheute wird auch vom zweiten Tag berichten.

Carsten Krieglstein
Carsten KrieglsteinQuelle: MV
Haftpflichtversicherung
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