US-Präsident im abgebrannten Paradies: Donald Trump hat für die schlimme Lage das Forstmanagement verantwortlich gemacht und nicht etwa den Klimawandel.
US-Präsident im abgebrannten Paradies: Donald Trump hat für die schlimme Lage das Forstmanagement verantwortlich gemacht und nicht etwa den Klimawandel.Quelle: The White House / flickr
Politik & Regulierung

Waldbrände in Kalifornien: Versicherungsschäden steigen auf 11,4 Mrd. Dollar

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Im November vergangenen Jahres wurde Kalifornien zur Hölle auf Erden. Das "Camp"-Feuer im Norden Kaliforniens forderte 86 Leben und zerstörte 14.000 Häuser. Der Versicherungschaden beträgt laut Insurance Commissioner Ricardo Lara 8,4 Mrd. US-Dollar. Das "Woosley"- und "Hill"-Feuer im südlichen Kalifornien verursachten fast drei Mrd. Dollar an Versicherungsschäden. Die Versicherer wollen sich das Geld von dem inzwischen insolventen Energieversorger PG&E zurückholen, der vermutlich für das Feuer verantwortlich ist.

Somit kommt man zusammen auf eine Summe von 11.4 Mrd. Dollar allein durch diese drei Feuer. Zählt man alle Brände in Kalifornien im Jahr 2018 zusammen, kommt man auf einen Versicherungsschäden von 12,4 Mrd. Dollar. Vor Wochen hat bereits die Munich Re den gesamtwirtschaftlichen Schaden berechnet und kam auf 24 Mrd. Dollar (21 Mrd. Euro), ein Vielfaches der bei Feuern üblichen Summe. Davon waren 18 Milliarden Dollar versichert. 

 

Das Camp-Feuer hatte zwölf Stunden nach seinem fast 28 Kilometer zurückgelegt und dabei eine Fläche von 55.000 Hektar verwüstet, darunter die Kleinstadt Paradise. wo 6.000 Häuser komplett niederbrannten. Das Feuer konnte sich auf etwa 600 Quadratkilometer Fläche ausbreiten, das entspricht zwei Dritteln der Fläche Berlins. Im Süden Kaliforniens beim Promi-Wohnort Malibu nordwestlich von Los Angeles wütete das „Woolsey“-Feuer. Die Villen von zahlreichen Stars, u.a. Thomas Gottschalk, Miley Cyrus und Gerard Butler waren abgebrannt. In Malibu musste man einem durchschnittlichen Schadenwert pro Haus von zwei Mio. Dollar rechnen.

Versicherungsschutz wird zum Luxusgut

Neben Wohngebäudeversicherern werden vor allem Hausrat- und Kfz-Versicherer zahlen müssen. In diesen Sparten sind State Farm, Farmers Insurance, Liberty Mutual und Allstate in Kalifornien führend. Europäische Rückversicherer haben sich nach den Waldbränden 2017 aus dem Markt verabschiedet, dürften demnach nicht stark betroffen sein. 2017 mussten Versicherer 16 Mrd. Dollar an Schäden durch kalifornische Feuer begleichen, das vierfache aus dem Schadenjahr 2016. Gleichzeitig sind die Beiträge in gefährdeten Gebieten um 217 Prozent gestiegen. Viele Versicherer haben die Auszahlungssumme stark begrenzt, andere Anbieter weigern sich, überhaupt Policen für Feuerrisiken anzubieten.  Nach Informationen des kalifornischen Versicherungsministeriums sind allein im Jahr 2016 in den kalifornischen Bezirken mit dem höchsten Brandrisiko 10.000 Verträge gekündigt worden. Viele der kalifornischen Hausbesitzer haben ihre private Brandschutzversicherung verloren. Die vom Staat Kalifornien subventionierte Versicherung FAIR hat seit 2015 einen Zuwachs von 35 Prozent an neuen Policen zu verzeichnen.

 

Warum es immer wieder Kalifornien trifft, dafür gibt es drei wesentliche Gründe: Trockenheit, Vegetation und starke Winde. Die für den Sommer typische Trockenheit verlagerte sich in den letzten Jahren zunehmend in die Herbstmonate, weil der Regen ausblieb. Noch heißer ist es aber in Arizona, Colorado und New Mexico. Diese Staaten sind jedoch dünner bewachsen als Kalifornien, wo die Vegetation den Nährboden für die Ausbreitung des Feuers bildet. Als zusätzlicher Brandbeschleuniger dienen die starken Winde, die im vergangenen Jahr zum Teil Hurrikan-Stärke erreichten. Laut dem U.S. Climate Prediction Center besteht für halb Kalifornien im Allgemeinen ein permanentes erhöhtes Brandrisiko, bewohnt von 15,5 Millionen Menschen in Teilen von Los Angeles und San Jose. Mark Bove, Naturkatastrophen-Manager bei Munich Re America, ergänzt: "Kaliforniens Bevölkerung wächst und verteilt sich zunehmend in Gegenden, wo Feuer schneller entfacht. Und sie entfachen nur, weil der Mensch sich dort angesiedelt hat. 90 Prozent der Brände entstehen durch menschliches Versagen." 

Ein Schuldiger mit geringer Haftpflicht-Deckung

Während die Feuer noch wüteten berichteten Medien, dass die Ursache für das „Camp“-Feuer defekte Stromleitungen oder andere fehlerhafte Anlagen des Stromversorgers Pacific Gas & Electric (PG&E) sind. Dokumentiert ist, dass Mitarbeiter des Unternehmens per Email über "Probleme mit Funken" am Tag vor Ausbruch des Feuers kommunizierten. Sollten sich das bewahrheiten, müsste das Unternehmen nach kalifornischem Recht für alle Schäden haften, unabhängig davon, ob es fahrlässig gehandelt hat oder nicht. Das kalifornische Amt für Forstwesen und Brandschutz beschuldigt PG&E durch ähnliche Mängel 16 Großfeuer im vergangenen Jahr ausgelöst zu haben. Der Energieversorger steht deshalb bereits in 200 Fällen vor Gericht. Erste Klagen gegen das Unternehmen in Bezug auf die neuen Brände wurden Mitte November eingereicht. 

 

Erst im August 2018 hat PG&E als Zedent über den Bermuda-Anbieter Cal Phoenix Re eine Katastrophenanleihe platziert. Neu daran war, dass sie reine Risiken durch Feuer decken soll. Der 200 Mio. Dollar schwere Bond, der PG&E als Haftpflichtversicherung dient, dürfte bei weitem nicht ausreichen, um die Schäden zu begleichen. Insgesamt besteht eine Haftpflicht-Deckungssumme von 1,4 Mrd. inslusive der 200 Mio. Dollar via Verbriefung.

Inzwischen hat das Unternehmen angekündigt, Insolvenz anzumelden. PG&E hat laut einer Mitteilung an die Börse angekündigt, am 29. Januar Antrag auf Gläubigerschutz anzumelden, wenn eine gesetzlich vorgeschriebene 15-tägige Ankündigungsfrist abläuft. Die Versorgung der Kunden mit Strom und Erdgas sei durch den Schritt nicht gefährdet. PG&E beliefert in Kalifornien 5,4 Millionen Kunden mit Strom und 4,3 Millionen mit Erdgas. Mehr Kunden hat kein Energieunternehmen in den USA. Der Konzern hat Schulden in Höhe von mehr als 18 Mrd. US-Dollar. Insider hatten zuvor berichtet, das Unternehmen fürchte Kosten von über 30 Mrd. US-Dollar nach den Großbränden der vergangenen zwei Jahre.

Auch interessant
Zurück
26.02.2019VWheute
Hannover Re: "Sicher­lich kann man über Versi­che­rungs­lö­sungen für Wald­brände in Kali­for­nien nach­denken" Chance und Risiko stehen in einem …
Hannover Re: "Sicher­lich kann man über Versi­che­rungs­lö­sungen für Wald­brände in Kali­for­nien nach­denken"
Chance und Risiko stehen in einem Verhältnis zueinander. Das ist auch bei der Waldbrandversicherung so, die Kalifornien plant. Es winkt ein gigantisches Geschäft für …
25.02.2019VWheute
Wald­brände kosten Partner Re Substanz Der Rückversicherer Partner Re hat wegen Unwetter einen Verlust im vierten Quartal gemeldet. Für den …
Wald­brände kosten Partner Re Substanz
Der Rückversicherer Partner Re hat wegen Unwetter einen Verlust im vierten Quartal gemeldet. Für den Zeitabschnitt muss ein Verlust von 32 Millionen US-Dollar verbucht werden, bedingt durch Hurrikan Michael und kalifornische Waldbrände. …
22.02.2019VWheute
Über­nahme von XL Catlin verha­gelt Axa den Gewinn Der französische Axa-Konzern hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2018 nur mit einer mäßigen …
Über­nahme von XL Catlin verha­gelt Axa den Gewinn
Der französische Axa-Konzern hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2018 nur mit einer mäßigen Performance geglänzt. Vor allem die Übernahme des US-Industrieversicherers hat dem Versicherer allenfalls mittelprächtige Zahlen beschert. …
18.02.2019VWheute
Kali­for­nien plant riesige Wald­brand­ver­si­che­rung Die Waldbrände in Kalifornien 2018 waren verheerend für Staat und Versicherer. Die Unternehmen …
Kali­for­nien plant riesige Wald­brand­ver­si­che­rung
Die Waldbrände in Kalifornien 2018 waren verheerend für Staat und Versicherer. Die Unternehmen mussten rund 13 Mrd. US-Dollar aufbringen, der Staat wohl zwölf Mrd., die Zahlen variieren. Jetzt hat Kalifornien einen Plan zur …
Weiter