Das GDV-Präsidium bei der Vorstellung der Jahresbilanz 2018 in Berlin.
Das GDV-Präsidium bei der Vorstellung der Jahresbilanz 2018 in Berlin.Quelle: Martin Thaler
Schlaglicht

Kleine Unsicherheiten, keine Dramen: GDV zieht positive Bilanz für die Versicherungsbranche

Von Martin ThalerTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Das Beste kommt bei der GDV-Jahrespressekonferenz zum Schluss. Wenn der Wust an Geschäftszahlen für Lebens,- Kranken- und Sachversicherer vom Präsidenten Wolfgang Weiler verlesen worden ist, schlägt die Stunde der Journalisten. Dann werden meist Fragen aufgetischt, zu denen sich die Branche in der Regel ungern positionieren möchte. Das Präsidium gab sich gewohnt souverän und optimistisch, was die Zukunft angeht. Ein Hauch von Unsicherheit kam auf, als es um Leben, Frauen und die künftige Beschäftigungstruktur ging. 

Anders sah es in diesem Jahr zum Thema Provisionsdeckel aus. "Dies ist ein keulenartiges, rasenmäherartiges Instrument, das nicht auf die situationsbedingt unterschiedlichen Beratungsleisten eingeht", sprach sich GDV-Präsident Weiler entschieden gegen die von der Politik erwogene Maßnahme aus. Die Branche habe ihren Hausaufgaben aus dem Lebensversicherungsreformgesetz gemacht, erklärte Weiler und verwies auf die weiter sinkenden Abschlusskosten. Der Provisionsdeckel, der damals auch auf Betreiben der Versicherer in der Privaten Krankenversicherung eingeführt worden war, tauge darüber hinaus nicht als Vorlage für die Lebensversicherungsbranche, führte Weiler weiter aus. Schließlich habe sich das Rechtsumfeld mittlerweile stark verändert. "Wir müssen Instrumente schaffen, die zur heutigen Situation passen."

Lebensversicherung: Weniger Verträge und mehr Prämieneinahmen

Ob es in Zukunft eine Obergrenze für Provisionen geben wird, muss die Politik noch entscheiden. Die Vergangenheit, sprich das Jahr 2018, bot aus Sicht der Versicherer indes wenig Grund zur Klage. Mit einem Beitragswachstum von 2,2 Prozent fiel das Ergebnis wesentlich freundlicher aus als zuvor prognostiziert worden war (+1,3 Prozent). Mit Beitragseinnahmen von insgesamt 202,2 Mrd. Euro übersprangen die deutschen Versicherer erstmalig die 200-Milliarden-Euro-Schwelle. Auch die Lebensversicherungsbranche, die 2017 noch rückläufige Beitragseinnahmen verzeichnete, konnte im vergangenen Jahr ein deutliches Plus von 1,4 Prozent auf nun 91,9 Mrd. Euro verbuchen. Die Zahl der Verträge ging jedoch abermals zurück auf nun 86,5 Millionen. Eine Entwicklung, die laut Weiler einerseits auf kleinere Jahrgänge zurückzuführen sei. Zudem seien die Volumina pro Vertrag gestiegen. Heißt also: Statt mehrere Verträge gering zu besparen, wird stattdessen mehr Geld in einen einzelnen Vertrag gesteckt.

Gewartet wird auch ein von der Politik geplantes Riester-Standardprodukt, das die kriselnde Riester-Versicherung neu beleben soll. Kostengünstig und schlank soll es sein und somit attraktiv für den Kunden, lautet der allgemeine Plan. Damit dies gelinge, sei allerdings vor allem der Staat gefragt, erläuterte Weiler. Zwar sei auch die Versicherungswirtschaft zu Produktvereinfachungen bereit, dringender sei jedoch eine Verschlankung des Fördersystems und eine weitere Erhöhung von Grundzulagen und Förderhöchstgrenzen. Modellen, wie dem jüngst von der Friedrich-Ebert-Stiftung vorgestellten Vorsorgekonto oder einer Deutschland-Rente, erteilte GDV-Chef Weiler eine Absage. Man wolle keinen "riskanten Systemwechsel", sondern "Reformen im System".

Erfreulicher hat sich die Lage indes beim Thema Cyberversicherung entwickelt. Hier hätten sich die Beitragseinnahmen 2018 mit rund 50 Mio. Euro praktisch verdoppelt, erklärte GDV-Präsidiumsmitglied Norbert Rollinger. Insgesamt 50.000 Verträge gibt es zurzeit. "Ein sehr spezielles und kleines Feld", räumte Rollinger ein, jedoch eines mit überproportionalem Wachstum. Wachsen wollen die deutschen Versicherer auch in diesem Jahr. An Optimismus mangelt es nicht: Zwei Prozent soll das Beitragswachstum 2019 betragen - einer vielschichtigen Risikolandschaft zum Trotz.

Klimawandel verhagelt den Versicherern die Bilanz

Steigende Beitragseinnahmen konnten auch die Krankenversicherer (+1,7 Prozent auf 39,7 Mrd. Euro) sowie die Schaden- und Unfallversicherer (+3,3 Prozent auf 70,6 Mrd. Euro) verbuchen. Allerdings erhöhten sich bei Letzteren die Leistungen gleich um 6,8 Prozent auf nun 53,5 Mrd. Euro. Bemerkbar macht sich an dieser Stelle der Klimawandel, der mit einer Häufung von Extremwetterereignissen den Versicherern die Bilanzen wortwörtlich verhagelt. So zählte 2018 zu den vier schwersten Sturmjahren der vergangenen 20 Jahre und ließ vor allem das Ergebnis der Wohngebäudeversicherer tief in die roten Zahlen rutschen. Nachdem die Versicherer es in den vergangenen zwei Jahren geschafft hatten, die Schaden-Kosten-Quote unter 100 Prozent zu drücken, lag sie 2018 mit insgesamt 108 Prozent wieder deutlich drüber. Mit welchen Mitteln die einzelnen Unternehmen auf diese Lage reagieren werden, bleibt abzuwarten. Beitragserhöhungen und Risikobereinigungen gelten aber als wahrscheinlich.

Das Versicherungsjahr 2018 in Zahlen.
Das Versicherungsjahr 2018 in Zahlen.Quelle: GDV
Auf die Frage der Versicherungswirtschaft, wie sich der digitale Wandel auf die Beschäftigen auswirken wird, zeigte sich GDV-Präsident Weiler indes eher zugeknöpft: "Natürlich hat das Auswirkungen auf das Beschäftigungsprofil und die Zahlen", da diverse Studien über die Auswirkungen durch die Öffentlichkeit geisterten. Allein der Arbeitgeberverband AGV rechne für 2018 mit einem "Rückgang um ein Prozent". Zudem könne bislang niemand die Frage beantworten, "welche neuen Stellen entstehen" würden. Hinzu komme, dass man - wie viele andere Unternehmen auch - die Babyboomer ersetzen müsse. Kurz gesagt: "Ich sehe da ein paar Unsicherheiten. Ein großes Drama sehe ich dabei nicht", so Weiler.
GDV · GDV-Präsident · Wolfgang Weiler
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