Generali-Deutschland-Chef Giovanni Liverani stellte beim Medienneujahrsdinner in der Alten Pinakothek in München die Pläne für 2019 vor.
Generali-Deutschland-Chef Giovanni Liverani stellte beim Medienneujahrsdinner in der Alten Pinakothek in München die Pläne für 2019 vor.Quelle: ak
Schlaglicht

Generali und der Run-off: Erst das Donnerwetter, dann der Deal, nun der Milliarden-Durchbruch?

Von Monika LierTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der Generali-Viridium-Deal gilt als Wegmarke für die Zukunft in Leben: Entweder wird er so etwas wie die mehrfach von Deutschlandchef Giovanni Liverani beschworene "Blaupause für die gesamte Branche" oder das Ende eines jungen Marktsegments. Bis 2022 könnte Lebensversicherer rund ein Fünftel ihres Bestandes mit Assets von rund 180 Mrd. Euro stilllegen. Etwa die Hälfte davon könnten darauf spezialisierte Run-off-Firmen abwickeln. Doch das Geschäftsprinzip kommt nicht überall gut an.

"Ein positiver Entscheid für die angestrebte Partnerschaft mit der Generali würde die Gemengelage nicht von Grund auf verändern, aber zweifellos diejenigen, die den externen Pfad in Betracht ziehen, weiter bestärken", sagt ein Sprecher der Viridium-Gruppe. Seiner Meinung nach kommt "externes Bestandsmanagement für eine beachtliche Zahl von Unternehmen in Frage, aber eben auch nicht für jedes".

 

Auch bei der Athora geht man davon aus, dass eine Zustimmung des Regulierers den Weg für weitere Transaktionen sicherlich ebnen würde. Mit Blick auf den potenziellen "Eisbrecher" Generali hat Fitch-Analyst Stephan Kalb seine Erwartungen an das Segment Run-off nach oben korrigiert: Er erwartet, dass die Lebensversicherer bis 2022 rund ein Fünftel ihres Bestandes mit Assets von rund 180 Mrd. Euro stilllegen werden. Rund die Hälfte davon könnten Externe abwickeln.

 

Knackpunkt öffentliche Meinung

 

Potenzielle Kunden gibt es grundsätzlich reichlich: Wegen drohender "mittel- bis langfristig finanzieller Schwierigkeiten" hat die Bafin 34 der 84 Lebensversicherer unter ihre "intensivierte Aufsicht" gestellt. Bei den 137 deutschen Pensionskassen wurde per Stand Mai ein Drittel "unterschiedlich intensiv" beobachtet, wobei die Schwächsten dieser Gruppe immerhin zehn Prozent der Deckungsrückstellungen aller Kassen darstellten.

 

Zur Jahreskonferenz im vergangenen November berichtete Frank Grund, Exekutivdirektor Versicherungs- und Pensionsfondsaufsicht der Bafin: „Wir haben daher mit fast allen Pensionskassen Gespräche geführt.“ Auch dank klarer Unterstützung durch die Trägerunternehmen werde der weit überwiegende Teil der Kassen nach derzeitigem Stand die Niedrigzinsphase überstehen. Aktuell sind 31 Pensionskassen in "Manndeckung". Zuletzt hat die Bafin der Kölner Pensionskasse das Neugeschäft untersagt. Das Geschäft allerdings soll nicht in den Run-off. Bei der genannten Pensionskasse handelt es sich um eine Schwestergesellschaft der Caritas Pensionskasse, der die Finanzaufsicht erst einen Tag zuvor das Neugeschäft untersagt hatte.

 

Knackpunkt ist neben des Genehmigungsverfahrens die öffentliche Meinung. „Wir gehen fest davon aus, dass die Transaktion der Generali genehmigt wird. Und wir erwarten in der Öffentlichkeit keine große Reaktion – die war ja schon bei der Bekanntgabe der Verkaufsabsichten der Generali relativ überschaubar. Nach meiner Beobachtung hat der Verkauf des Lebengeschäfts weder bei der Basler noch bei der Arag das Geschäft beeinträchtigt. Die viel zitierte Verunsicherung der Versicherten ist nicht eingetreten“, sagt Christian Wrede, Aufsichtsratsvorsitzender in der Frankfurter Leben-Gruppe. "Gesellschaften, die sich ohnehin mit der Frage der Konsolidierung konfrontiert sehen, machen ihre Entscheidung über einen externen Run-off nicht vom Ausgang des Genehmigungsverfahrens der Generali abhängig", glaubt er.

 

Direkte Aufsichtskontakte häufiger

 

Lebensversicherer, die sich im externen oder internen Run-off befinden, sind auch nach wie vor, so wie alle deutschen Lebensversicherer, Pflichtmitglieder des Sicherungsfonds Protektor. Die Aufsicht beaufsichtigt die drei Abwicklungsplattformen Viridium, Frankfurter Leben und Athora in einer Abteilung. Damit soll "ein angemessener Fokus und ein einheitliches Vorgehen – auch im Rahmen der laufenden Aufsicht – sichergestellt" werden.

 

Allein vor dem Hintergrund möglicher weiterer Akquisitionen gebe es „deutlich häufiger direkte Aufsichtskontakte“ zu diesen Unternehmen als zu anderen Unternehmen gleicher Größenordnung. Man beschäftige sich intensiv mit der Phase der Übernahme der Bestandsverwaltung durch die Abwicklungsplattformen und prüfe bei etwaigen Auffälligkeiten – auch durch Externe.

 

Zudem sei Kontakt zu wesentlichen Dienstleistern in der Bestandsverwaltung aufgenommen worden, mit denen mehrere Abwicklungsplattformen zusammenarbeiteten. Auf diesem Wege sollen mögliche Konzentrationen und branchenweite Probleme frühzeitig erkannt werden. Ferner sei die Aufsicht auch auf die Einhaltung spezieller Zusagen ausgerichtet. Diese Zusagen beträfen beispielsweise die Kapitalisierung der erworbenen Gesellschaften oder Bestände der übernehmenden Gruppe. Die Einhaltung könne auf Gruppen- und Soloebene im Rahmen des normalen Reportings (bzw. bei Unternehmen unter „intensivierter Aufsicht“ im Rahmen des damit verbundenen zusätzlichen Reportings) überwacht werden. Ob und welche übernommenen Bestände oder Gesellschaften unter intensivierter Aufsicht stehen, verraten die Aufseher nicht.

 

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der Januar-Ausgabe des Magazins Versicherungswirtschaft.

Generali Deutschland · Giovanni Liverani
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