Ina Schneider forderten einen runden Tisch der wichtigsten Akteure des Gesundheitswesens
Ina Schneider forderten einen runden Tisch der wichtigsten Akteure des GesundheitswesensQuelle: S. Hofschlaeger / www.pixelio.de / PIXELIO
Köpfe & Positionen

Ina Schneider: "Die wichtigsten Akteure des Gesundheitswesens sollten sich auf einen technischen Standard einigen"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die private Krankenversicherung hat viele Herausforderungen, nicht die kleinste ist die Digitalisierung. Ina Schneider leitet das Kompetenz-Zentrum Leistung Ambulant & Beihilfe bei der drittgrößten PKV-Gruppe in Deutschland. VWheute hat mit ihr über Datensicherheit, den digitalen Doktor und die Gesundheitsakte und vieles mehr gesprochen.

VWheute: Wo steht die Branche beim Thema Digitalisierung im Bereich Leistung "in der PKV"?

 

Ina Schneider: Die Private Krankenversicherung (PKV) treibt die Digitalisierung in ganz unterschiedlichen Bereichen voran: Neben Apps für Kunden oder der Automatisierung betriebsinterner Prozesse (Stichwort: "Dunkelverarbeitung") arbeitet die Gesundheits-Branche mit Hochdruck an der Umsetzung des E-Health-Gesetzes, das die Einführung der elektronischen Patienten- und Gesundheitsakte vorschreibt. Derzeit formieren sich hier drei verschiedene Plattformen: Zum einen "Vivy" von Allianz, mehreren kleineren PKV’en und zehn Betriebskrankenkassen; zum anderen arbeiten auch DKV, Central, Signal Iduna und Techniker Krankenkasse (TK) mit IBM an einer weiteren Lösung für die elektronische Gesundheitsakte (eGA).

 

Wir selbst, also UKV und Bayerische Beamtenkrankenkasse, haben gemeinsam mit Axa; Debeka und HUK schon vor geraumer Zeit die eHealth Plattform "Meine Gesundheit" gestartet. Der Kunde kann sich hier und voll digital mit seinen Ärzten und uns vernetzen. "Meine Gesundheit" ist als erste elektronische Patientenakte vor fast zwei Jahren gestartet, verfügt über einen sehr hohen Sicherheitsstandard in Bezug auf die sensiblen Gesundheitsdaten und deckt aktuell bereits gut die Hälfte des PKV-Markts ab.
 

VWheute: Warum tut sich die Branche so schwer oder liegt der Fehler bei den Ärzten?

 

Ina Schneider: Die Herausforderung sind zum einen die verschiedenen Systeme: Das Gesetz verlangt, dass bereits ab 2021 jeder Krankenversicherte eine solche elektronische Patientenakte nutzen kann. Er definiert dafür aber keinen einheitlichen Standard. Demzufolge starten jetzt viele unterschiedliche Systeme, die untereinander aber keineswegs kompatibel sind. Für die Ärzte wäre es ein enormer Aufwand, wenn sie alle verschiedenen elektronischen Patientenkarten lesen wollten. Zudem sind gerade anfangs die Akten lückenhaft, so dass den Ärzten auch der klare Mehrwert fehlt. Gerade auf den Mehrwert kommt es aber an: Unsere Kunden melden uns nämlich klar zurück, dass sie sich ausdrücklich Services wie einen Chat mit einem Arzt zur Abklärung einer einfachen medizinischen Frage wünschen, aber auch Funktionen wie die Unterstützung bei der Spezialistensuche bei schwerer Erkrankung, die Buchung eines Onlinearzttermins oder ein einfaches Rechnungsmanagement.

 

All das und noch mehr Services bieten wir heute ja auch schon an, würden sie aber gerne an einem Ort bündeln - oder besser: In einer App. Vielleicht gibt es ja irgendwann sogar einmal eine Gesundheitsapp, mit der man alle Belange um seine Gesundheit zentral managen kann. Das würde doch vieles für Patienten und auch Ärzte deutlich erleichtern.
 

VWheute: Wäre eine standardisierte IT/Daten nicht sinnvoll, auch um die Abrechnung mit Ärzten zu erleichtern?

 

Ina Schneider: Vielen Mängeln könnte ein gesetzlich vorgegebener technischer Standard abhelfen sowie die Regelung einer einheitlichen Gesundheitsakte für alle Beteiligten im Gesundheitswesen, also für Leistungsbezieher, Kostenträger und Leistungserbringer. Eine standardisierte IT und Datenstruktur könnte hier im Hinblick auf den aktuell stark segmentierten Gesundheitsmarkt nicht nur die Anbindung der Ärzte an die Infrastruktur erleichtern, sondern auch allen anderen Akteuren im Gesundheitswesen helfen. Wir können uns gut vorstellen, dass eine standardisierte IT nicht nur die Abrechnung der Ärzte mit den kassenärztlichen Vereinigungen, sondern auch die der Kliniken und den Zahlungs- und Dienstleistungsverkehr aller Partner im Gesundheitswesen (Hilfsmittelanbieter, Reha-Einrichtungen, Pflegeheime) erleichtern würde. Eine bessere Vernetzung aller Beteiligten im Gesundheitswesen bietet große Chancen, die Qualität der Behandlung und Betreuung aller Menschen zu verbessern. Als Private Krankenversicherer sehen wir uns ja längst als Gesundheitspartner für unsere Kunden, denen wir bei allen Fragen rund um das wichtige Thema Gesundheit mit Rat und Tat zur Seite stehen.
 

VWheute: Was ist Ihnen bei dem Thema sonst noch wichtig?

 

Ina Schneider: Wir haben uns sehr bewusst für die Plattform und App "Meine Gesundheit" entschieden. Wir sind überzeugt, dass wir mit unseren Partnern Axa, Debeka und HUK sowie der CGM als einem der führenden Arztsoftwarehersteller mit bestem Zugang in die Arztpraxen sehr gut aufgestellt sind. Wir sind jedoch darüber hinaus immer an einem Austausch mit allen Partnern im Gesundheitswesen interessiert, denn es ist uns zum Beispiel wichtig, auch für unsere Kunden, die gesetzlich versichert sind und eine private Zusatzversicherung bei uns abgeschlossen haben, eine einheitliche Lösung zu bieten. Wir glauben nämlich, dass kein Kunde mehrere Portale für das Management seiner Gesundheit nutzen will und auch für Ärzte ist eine standardisierte Lösung wichtig. Der Arzt soll sich ja vor allem um seine Patienten kümmern und keine unnötig komplexe Verwaltung ohne Mehrwert aufbauen. Zudem engagieren wir uns als großer Beamtenversicherer sehr stark für die Digitalisierung der Beihilfe. Hier würden wir uns bundesweit Erleichterungen auf Seiten der Beihilfevorschriften wünschen – wie zum Beispiel der Überarbeitung des Beihilfeantrages – um die Digitalisierung im Kundeninteresse voranzubringen.
 

VWheute: Was schlagen Sie vor, um die genannten Probleme anzugehen, wie kann man den Service verbessern?

 

Ina Schneider: Die wichtigsten Akteure des Gesundheitswesens, wie Ärzte, Kliniken und Krankenkassen und Private Versicherungsunternehmen sollten mit der Politik an einem runden Tisch und sich auf einen technischen Standard einigen, auf den alle Beteiligten im Sinne des Kunden hinarbeiten.


Dazu sollte die Politik Gesetze und Verordnungen dergestalt anpassen, dass sie – wie bei der Beihilfe – die Digitalisierung fördern und nicht im Gegenteil behindern. Schließlich muss bei diesem sensiblen Thema auch der Datenschutz bei den wichtigen Gesundheitsdaten großen Stellenwert einnehmen; insbesondere muss sichergestellt sein, dass die Portale vor Angriffen von außen geschützt werden. Die Digitalisierung ist eine große Chance für uns alle, die Qualität im Gesundheitswesen einen entscheidenden Schritt voranzubringen und Prozesse wie den gesamten Zahlungsverkehr einfacher zu machen. Zusammenarbeit und das Zusammenwirken aller ist uns daher sehr wichtig, da wir nur gemeinsam Fortschritte machen werden.

Ina Schneider leitet das Kompetenz Zentrum Leistung Ambulant & Beihilfe bei der drittgrößten PKV-Gruppe in Deutschland, zu dem u.a. die Union Krankenversicherung (UKV) gehört. Gemeinsam mit der Bayerische Beamtenkrankenkasse ist sie der Kranken- und Pflegeversicherer der Sparkassen-Finanzgruppe unter dem Dach des Konzerns Versicherungskammer.

 

Ina Schneider
Ina SchneiderQuelle: Versicherungskammer