Homeoffice (Symbolbild)
Homeoffice (Symbolbild)Quelle: Almut Nitzsche  / www.pixelio.de / PIXELIO
Unternehmen & Management

Stressfaktor Homeoffice – Axa setzt auf mündigen Arbeitnehmer

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Ist Modernität im Büro schlecht für den Arbeitnehmer? Viele Versicherer investieren in moderne Arbeitsplatzarchitektur, unter anderem, um Heimarbeit zu ermöglichen. Studien kommen zum Ergebnis, dass dies ein Irrweg ist.

Unter den Anhängern der neuen Arbeitsplatzlehre finden sich die Zurich, die Axa oder auch die R+V. Die Angesprochenen und andere wollen ihren Mitarbeitenden an neuen Standorten das bestmögliche Ambiente bieten, damit diese im Gegenzug mit Leistungsspitzen den Erfolg des Unternehmens mehren.

 

Ein Merkmal der neuen Arbeitswelt ist die Heimarbeit, neudeutsch Homeoffice, die gezielt eingestreut, die Mitarbeiter von Stress entlasten soll. Neue Studien widerlegen diesen Gedanken.

 

Eine der Großbaumeister ist die Axa, die unter anderem einen Bürostandort in Offenbach umsetzt. Ein weiteres Großprojekt in Wiesbaden ist im Werden. Bis zum kommenden Jahr soll jeder der 16 Axa-Standorte in Deutschland nach dem Prinzip "New Way of Working" umgebaut sein.

 

Stark vereinfacht kann gesagt werden, dass es das Konzeptziel ist, moderne und freie Arbeitsplätze nach dem Open-Space-Konzept entstehen zu lassen. Darunter sind offene Räumlichkeiten zu verstehen, die verschiedene Arbeitszonen bieten. Mit der Neukonzeption soll sowohl Eigenverantwortung wie auch interdisziplinärer Zusammenarbeit gefördert werden. Zudem soll es Mitarbeitern mit langen Anfahrten die Heimarbeit vereinfachen.

 

Der Gedanke dahinter ist simpel, weniger An- und Rückfahrwege reduzieren den Stress und der Daheimbleibende kann sich voll auf seine Arbeit konzentrieren und ist flexibler.

 

Heimarbeit ein Stressförderer

 

Zwei amerikanische Ökonomen kommen in ihrer Studie für das Union College, Schenectady, New York, zu einem gegenteiligen Ergebnis. Ihren Ergebnissen nach ist Heimarbeit ein Stressproduzent par excellence. "Die meisten Effekte, die sich auf das subjektive Wohlbefinden auswirken, sind negativ. Der Nachweis von positiven Effekten auf das Wohlbefinden ist sehr beschränkt“, erklären die Autoren Younghwan Song und Jia Gao.

 

Menschen in Heimarbeit fühlen sich gestresster als ihre Bürokollegen, ihr Wohlbefinden ist weniger ausgeprägt, erklären die Autoren, nachdem sie 4000 Arbeitnehmer in den USA befragten. Die Gründe für das Beschriebene sind Konflikte innerhalb der Familie, da eine Abgrenzung von Arbeit und Privatleben erschwert werde.

 

Einziger positiver Effekt der Heimarbeit sei das Wegfallen des Arbeitsweges, der zu mehr Frische bei der Arbeit führe. Eine aktuelle Studie, D21-Digital-Index, aus Deutschland zeigt ähnliches: 25 Prozent der mobil Arbeitenden meldeten einen Zeitgewinn, der aber dadurch aufgehoben werde, dass sie mehr arbeiten würden.

 

Das sagt die Axa

 

Mit den Ergebnissen der Studie konfrontiert schreibt die Axa: "Bei Axa steht es Mitarbeitern frei, vom Angebot work@home Gebrauch zu machen. Mitarbeiter können hierdurch bis zu zwei Tage pro Woche von zu Hause aus arbeiten. Viele schätzen das neue Angebot, da gerade für Pendler der Arbeitsweg und die damit verbundene Rush Hour ein Stressfaktor ist."

 

Scheinbar hat die Axa mitgedacht. Um am work@home-Angebot teilzunehmen, muss zuvor eine Teilnahmeerklärung unterzeichnet werden, die bestätigt, dass zu Hause die notwendigen räumlichen Bedingungen bestehen. Für die Technik sorgt das Unternehmen selbst. "Damit Mitarbeiter auch im Home-Office beste technische Bedingungen vorfinden, stattet Axa jeden Mitarbeiter mit moderner Technik für zu Hause aus. Das Angebot erfreut sich großer Beliebtheit, deutschlandweit haben sich mehr als 75 Prozent der Mitarbeiter für work@home angemeldet."

 

Wurden Studien wie die der Autoren Song und Gao gelesen, bevor das Konzept ins Leben gerufen wurde, die Axa bejaht die Frage. Die Themen Arbeitssicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz seien eng an das neue Arbeitsraumkonzept geknüpft, um sicherzustellen, dass Mitarbeiter im Büro wie im Home-Office unter optimalen Bedingungen arbeiten.

 

"Axa setzt auf das Prinzip der Eigenverantwortung und auf die Befähigung der Mitarbeiter: Gesundheits-Workshops und Selbstmanagement-Seminare sollen jeden Mitarbeiter dazu veranlassen, sich aktiv mit Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz auseinanderzusetzen. Der betriebsärztliche Dienst von Axa war von Anfang an eng in die Projektentwicklung von "New Way of Working" eingebunden und bietet Workshops sowie Schulungen in diesem Kontext an", schreibt der Versicherer.

 

Das wesentliche Wort in der Erklärung der Axa und bei Heimarbeit ist "Eigenverantwortung". Von einem erwachsenen Mitarbeiter kann erwartet werden, dass er seine Arbeitsleistung reflektiert und bei Problemen mit der Heimarbeit realisiert, dass er diese künftig nicht oder nur begrenzt nutzen sollte.

Axa · Arbeiten 4.0 · Studie
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