Generali-Vorstandschef auf dem SZ-Versicherungstag
Generali-Vorstandschef auf dem SZ-VersicherungstagQuelle: Monika Lier
Schlaglicht

Generali-Chef Donnet: "Wir glauben an den physischen Vertrieb"

Von Monika LierTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der personengebundene Vertrieb von Versicherungen hat nach den Worten von Philippe Donnet eine "große Zukunft". Am Vorabend des "SZ-Versicherungstages 2019" gab sich der Chef des Generali-Konzerns in einer Keynote für einen Versicherungsmanager ungewöhnlich zuversichtlich. "Wir können optimistisch sein, weil es einige positive Signale gibt." Dazu führte er die Prognose auf, dass das Prämienvolumen in den nächsten vier Jahren um drei Prozent jährlich wachsen werde.

"Wir glauben an den physischen Vertrieb, aber integriert", sagte Donnet. Versicherungen seien eine Emotionssache. Die Vermittler müssten aber auch über die Expertise für den vom Kunden gesuchten Rat verfügen. Gleichwohl müsse der Vertrieb transformiert werden. Er müsse professioneller und digitaler werden und für den Kunden Mehrwerte schaffen. Im Vergleich zu anderen Branchen sei die Customer Experience“ noch gering; es sei zu kompliziert und es werde noch zu viel Papier verwendet. "Wir müssen uns selbst mit Amazon vergleichen und nicht mit unseren Wettbewerbern, weil die mehr oder weniger auf dem selben Niveau sind", so Donnet.

Hinsichtlich der Digitalisierung sieht er die Chancen vor allem in der Kooperation mit Insur- und Fintechs und dem Aufbau von Ökosystemen und Plattformen. Im November hatte die Generali zusammen mit Fiat/Chrysler bekanntgegeben, eine Plattform für Mobilität zu schaffen. Mehr Wert will Donnet auf das Assetmanagement legen und hier auch im Mandatsgeschäft stärker wachsen. Hier plane man einen Zuwachs von 15 bis 20 Prozent im Jahr. Man wolle sich einer Versicherungs- und Assetmanangement-Gruppe wandeln und dazu auch mehr interne Expertise aufbauen. Investiert werde auch in Alternative Investments. Das Kapitalmanagement soll effizienter und zentraler werden. Es gebe bisher aus regulatorischen Gründen einen Trend, das Gewinne da zulassen, wo sie entstünden. Um Investitionen in Wachstum, Neuerungen, Prozesse und Digitalisierung mit Künstlicher Intelligenz, Robot und IoT finanzieren, müssten die Mittel aber künftig „schneller nach Italien“.

Donnet zeigte sich zudem "fest und stark" davon überzeugt, dass Europa einer der meist attraktiven Märkte bleiben wird. Der Demografische Trend mit einer alternden Bevölkerung sorge dafür, dass viel Vorsorge- und Finanzgeschäft nötig und möglich seien. Donnet rechnet nicht mit einer Erholung der Zinsen. Auch Japan, wo Donnet als Manager einige Jahre gearbeitet hat, "weiß niemand, wie man aus einer solchen Lage wieder heraus kommt". Er geht von "vielen, vielen Jahren" mit niedrigen Zinsen aus. Daher werde man keine weiteren Zinsrisiken in die Bilanz nehmen und zudem die Kosten weiter senken. Die Entscheidung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistung über den Run-off der Generali Lebensversicherung mit Verkauf an die Viridium-Gruppe steht nach wie vor aus. Nach Einschätzung von Donnet sind die Versicherungsmärkte in Europa noch nicht gesättigt. Es gebe noch viele ungedeckte Risiken, so Donnet. Beispielsweise seien nur 25 Prozent der italienischen Häuser versichert. Dabei mache der Wohnbesitz aber 75 Prozent der Familienwerte aus. Als Strategie nannte er "profitables Wachstum" durch eine selektive und fokussierte Zeichnungspolitik, die Konsolidierung der Position als Nummer eins in Europa und das Wachstum in Asien und ausgewählten lateinamerikanischen Ländern wie Argentinien und Brasilien.

Immerhin haben Generali-Vorstandboss Donnet und Deutschlandchef Giovanni Liverani so manches gemeinsam. Beide stellen den italienischen Versicherungskonzern derzeit gründlich auf den Kopf. Das ambitionierte Ziel: "Führungsposition in Europa ausbauen" und "führende Stellung am Markt stärken". Die strategischen Maßnahmen der Konzernlenker vermitteln außen wie innen nicht selten den Eindruck einer kühl durchdachten "Hau-Ruck-Bewegung". Der Einsatz ist hoch, der Wettbewerb schwierig. Und trotzdem heißt die oberste Prämisse, noch schneller zu wachsen als bisher. Ein wesentlicher Fokus der ambitionerten Strategie liegt dabei für Donnet vor allem darin, die selbst definierte Führungsposition in den Kernmärkten Italien und Deutschland zu festigen, weiter auzusbauen und gleichzeitig in den Wachstumsregionen Asien und Lateinamerika bis 2021 ein jährliches Wachstum zwischen 15 und 25 Prozent zu generieren. Zudem sieht der neue Strategierplan einen kumulierten Kapitalaufbau von 10,5 Mrd. Euro von 2019 bis 2021 vor. Dass die Radikalkur Donnets innerhalb der Generali durchaus Früchte trägt, zeigen zumindest die jüngsten Geschäftszahlen für 2018
Generali Group · Philippe Donnet
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