Die Insolvenzen rund um den Globus nehmen zu.
Die Insolvenzen rund um den Globus nehmen zu.Quelle: Petra Pork / PIXELIO (www.pixelio.de)
Politik & Regulierung

Euler Hermes erwartet Pleitewelle in China

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Aussichten für die globale Weltwirtschaft für dieses Jahr sind seit langen nicht mehr so getrübt wie in diesen Tagen. Während der versammelten Prolitprominenz und den Topstars der Unternehmenslenker - allen voran Allianz-Chef Oliver Bäte - beim Weltwirtschaftsforum in Davos vor allem die Handelskonflikte, der Brexit und ein langsameres Wachstum in China Kopfschmerzen bereitet, warnt Euler Hermes nun vor einem weltweiten Anstieg der Insolvenzen. Besonders im Reich der Mitte droht nach Ansicht des Kreditversicherers eine regelrechte Pleitewelle.
In einer aktuellen Insolvenzstudie erwartet Euler Hermes einen globalen Anstieg der Unternehmenspleiten um sechs Prozent. Trauriges Schlusslicht ist dabei das Reich der Mitte: So prognostizieren die Ökonomen des Kreditversicherers für 2019 eine weitere Pleitewelle sowie einen Anstieg der Insolvenzen um etwa 20 Prozent - und dies bereits nach einem massiven Anstieg um rund 60 Prozent im vergangenen Jahr. Die Gründe für diese Entwicklung sehen die Wirtschaftsexperten von Euler Hermes zum einen in der anhaltenden Abschwächung und Anpassung der chinesischen Wirtschaft.
Zudem rechnet Euler Hermes in diesem Jahr mit einem Anstieg der Unternehmensinsolvenzen um etwa drei Prozent. Den Hauptgrund für die Entwicklung sehen die Ökonomen weiterhin in den Unsicherheiten, die aus dem EU-Austritt Großbritanniens ("Brexit") resultieren. Europäischer Klassenprimus bleibt laut Kreditversicherer indes Deutschland mit stagnierenden Fallzahlen. Demgegenüber verzeichnen Frankreich, Spanien und Italien in diesem Jahr ebenfalls einen Anstieg der Unternehmenspleiten um jeweils zwei Prozent. "Das Brexit-Drama schlägt sich zunehmend auf die britischen Unternehmen durch. Schon 2018 sind die Pleiten auf der Insel mit plus zwölf Prozent überdurchschnittlich stark gestiegen. 2019 kommen weitere plus neun Prozent hinzu. Auch ein 'No Deal'-Brexit ist noch nicht vom Tisch. In diesem Fall wäre der Anstieg der Pleiten mit plus 20 Prozent noch größer. Das führt durch Dominoeffekte zunehmend auch in den Lieferketten zu Problemen", erläutert Ron van het Hof, CEO von Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz. 
Ein weiterer Grund sei auch die zunehmende Neigung, Insolvenzverfahren zur Sanierung von "Zombie"-Staatsunternehmen zu nutzen. Gleichzeitig geht Euler Hermes davon aus, dass sich die Unternehmensinsolvenzen in Südkorea, Japan und Hongkong weitgehend stabilierern werden. Lediglich für Singapur, Australien und Neuseeland rechnet Euler Hermes mit einer weiteren zunahme der Pleiten."Weitere Gründe sind das Ende des leichten Geldes, eine historisch hohe Verschuldung von Unternehmen, neue Insolvenzregeln oder, wie in China, die wesentlich größere Bereitschaft, Insolvenzverfahren auch anzuwenden. Zudem gibt es eine ‚Extraportion‘ Insolvenzen in den Ländern, in denen in den letzten Jahren Neugründungen stark angestiegen sind. Viele dieser jungen Firmen schaffen es nicht", konstatiert Ludovic Subran, Chefvolkswirt von Euler Hermes und stellvertretender Chefvolkswirt der Allianz. 
Eine weitere Erkenntnis: "Deutschland und die Niederlande stehen in Europa zwar gut da, aber auch hier zeigt sich die Trendwende langsam. Nach Jahren der rückläufigen Fallzahlen stagnieren die Pleiten erstmals. Die durchschnittlichen Schäden durch Insolvenzen haben sich in den letzten Jahren allerdings bereits verdoppelt. Zudem sind deutsche Unternehmen aufgrund ihrer starken Exportorientierung von den weltweit steigenden Pleitezahlen besonders betroffen. Bei erneuten Spannungen und Handelskonflikten gehören sie ebenfalls zu den größten Verlierern, insbesondere in der Automobilindustrie", ergänzt van het Hof. Damit gehört Deutschland dennoch zu den "Klassenbesten" rund um den Globus neben Brasilien (minus sechs Prozent), Griechenland (minus sechs Prozent), die Tschechische Republik (minus zehn Prozent) und Ungarn (minus elf Prozent). Auch Kolumbien (minus zehn Prozent), Portugal, Irland und Litauen (alle jeweils minus fünf) verzeichnen sinkende Fallzahlen. Allerdings sind die Pleitezahlen dort weiterhin auf einem historisch jeweils sehr hohen Niveau.
Globale Insolvenzen 2019
Globale Insolvenzen 2019Quelle: Euler Hermes
"Die fetten Jahre sind vorbei, die weltweite Konjunktur schwächelt.
Ludovic Subran, Chefvolkswirt von Euler Hermes
Zudem seien die Insolvenzen in Skandinavien ebenso auf dem Vormarsch und in Zentral- und Osteuropa. Durchschnittlich vier Prozent mehr Insolvenzen erwarten die Volkswirte in der Region für 2019. Allen voran die Slowakei (plus 16 Prozent), Russland (plus sechs Prozent), Polen und die Türkei (je plus fünf Prozent), Rumänien und Bulgarien (je plus drei Prozent). "Weltweit steigen die Insolvenzen 2019 bereits zum dritten Mal in Folge. Dieses Jahr sogar in zwei von drei Ländern. Das zeigt: Die fetten Jahre sind vorbei, die weltweite Konjunktur schwächelt. Viele Länder wachsen langsamer als es notwendig wäre, um die Insolvenzen stabil zu halten. In Westeuropa hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass diese Schwelle beispielsweise bei einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von rund 1,7 Prozent liegt", ergänzt Chefvolkswirt Subran.

Topmanager zeigen sich ebenfalls pessimistisch

Mit seiner Analyse liegt der Kreditversicherer jedenfalls im Trend, wenn es um die aktuelle Einschätzung zur globalen Konjunktur geht. Laut einer aktuellen Umfrage der Wirtschaftsberatung PricewaterhouseCoopers (PwC) gehen lediglich 42 Prozent der befragten Topmanager, dass die Weltwirtschaft in diesem Jahr stärker wachsen wird (Vorjahr: 57 Prozent). Immerhin 29 Prozent rechnen in den kommenden zwölf Monaten mit einem Rückgang des Weltwirtschaftswachstums (Vorjahr: fünf Prozent). Unter den deutschen Managern ist der Pessimismus sogar noch deutlicher ausgeprägt. An eine Verbesserung glauben 38 Prozent (Vorjahr: 61 Prozent). 29 Prozent der deutschen Führungskräfte rechnen im kommenden Jahr mit einem Rückgang des Weltwirtschaftswachstums (Vorjahr: zwei Prozent).
Beim Blick auf das eigene Unternehmen setzt sich die Stimmung laut PwC-Umfrage ebenfalls fort: Nur jeder fünfte CEO in Deutschland ist sehr zuversichtlich, dass sein Unternehmen in den nächsten zwölf Monaten wächst (Vorjahr: 33 Prozent). 19 Prozent gaben an, nicht sehr zuversichtlich zu sein (weltweit 15 Prozent). Sorgen bereiten den deutschen Topmanagern die Suche nach Fachkräften mit entsprechenden Schlüsselqualifikationen (77 Prozent), Überregulierung (77 Prozent), Protektionismus (68 Prozent) und politische Unsicherheiten (68 Prozent). Auch Cyberattacken (68 Prozent) sowie der demografische Wandel und die damit einhergehenden Folgen für Unternehmen (63 Prozent), gehören zu den Sorgen der CEOs. Ein weiteres Risiko: die Geschwindigkeit der technologischen Veränderungen (59 Prozent).
Einigkeit herrscht bei den Unternehmenslenkern rund um den Globus aber in der Einschätzung,  dass künstliche Intelligenz (KI) die Welt nachhaltiger verändern wird, als es das Internet getan hat (Global: 62 Prozent, Deutschland: 64 Prozent). 66 Prozent der deutschen CEOs glauben, dass KI gut für die Gesellschaft ist (Global: 75 Prozent). Dass Systeme irgendwann so schlau werden könnten wie Menschen, glauben in Deutschland 30 Prozent der Befragten (Global: 45 Prozent). Immerhin sieht das Ausland in Deutschland (13 Prozent) einen der Top-Wachstumstreiber auf dem Erdball. Nur die USA (27 Prozent) und China (24 Prozent) werden von den Firmenlenkern als noch wichtiger gesehen. Der Vergleich zum Vorjahr zeigt, dass die Attraktivität der Top-Wachstumstreiber bei den Firmenchefs weltweit jedoch abgenommen hat.

Welt im Krisenmodus

Das sich die Welt derzeit im Krisenmodus befindet, zeigt auch der aktuelle Global Risk Report des Weltwirtschaftsforums (WEF). Das Klima und seine Einflüsse sowie Cyberbedrohungen und technische Risiken bereiten den Unternehmenslenkern derzeit die größten Sorgen. Zudem erwartet die große Mehrheit der Entscheider in diesem Jahr neben steigenden geopolitischen und ökonomischen Risiken eine weitere wirtschaftliche Konfrontation zwischen den Großmächten. Gleichzeitig befürchten rund 1.000 befragten Entscheider auch die mangelnde internationale Zusammmenarbeit zur Lösung der anstehenden Probleme. So haben sich laut Bericht die Handelskonflikte im vergangenen Jahr deutlich verschärft. Zudem warnen die Experten vor, dass das Wirtschaftswachstum 2019 durch anhaltende geopolitische Spannungen gebremst wird. 
Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch der aktuelle Risikobarometer des Industrieversicherers AGCS. Demnach bereiten Datenskandale, Hackerangriffe und IT-Pannen und die daraus resultierenden Folgen den Unternehmen rund um den Globus weiterhin großes Kopfzerbrechen. So gehören Cybervorfälle gemeinsam mit Betriebsunterbrechungen aktuell zu den größten Geschäftsrisiken weltweit. Dies geht aus dem neuen Allianz Risk Barometer 2019 des Industrieversicherers AGCS hervor. Mit jeweils 37 Prozent der Antworten unter 2.415 Experten aus 86 Ländern rangieren erstmals beide Risiken im weltweiten Ranking nahezu gleichauf auf den Spitzenplätzen. Auf dem dritten Platz folgt die Angst vor Naturkatastrophen.

Zahl der Milliardäre auf neuem Rekordhoch

Weniger Sorgen dürften sich indes aktuell die Milliardäre und Superreichen rund um dem Globus machen: Insgesamt 2.208 Menschen weltweit gehörten 2018 zu diesem elitären Zirkel. Laut jüngstem Oxfam-Bericht zur sozialen Ungleichheit ist das Vermögen der Dollar-Milliardäre im Schnitt täglich um 2,5 Mrd. US-Dollar gewachsen. Das Vermögen der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung sank gleichzeitig um elf Prozent, oder 500 Milo. US-Dollar am Tag. Demnach besitzen Männer im weltweiten Vergleich 50 Prozent mehr Vermögen als Frauen. Dafür beziehen Frauen um 23 Prozent niedrigere Gehälter und tragen die Last der Mängel im Gesundheits- und Bildungsbereich, heißt es im Oxfam-Bericht weiter.
Zahl der Milliardäre im Jahr 2018
Zahl der Milliardäre im Jahr 2018Quelle: Statista
Zudem haben die deutschen Millardärde ihr Vermögen 2018 um 20 Prozent mehren können: Insgesamt verfüge das reichste Prozent hierzulande über das gleiche Vermögen wie die 87 ärmeren Prozent der Bevölkerung. Damit zähle Deutschland zu den Industrienationen mit der größten Vermögensungleichheit. Die Armutsquote liegt laut Oxfam mit 15,8 Prozent auf dem höchsten Stand seit 1996. Jedes fünfte Kind sei von Armut betroffen und Frauen verdienten im Schnitt 21,5 Prozent weniger als Männer. Im EU-Vergleich schneiden nur Estland und Tschechien schlechter ab.
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