Verhandlungstisch
VerhandlungstischQuelle: Rainer Sturm / PIXELIO (www.pixelio.de)
Märkte & Vertrieb

Tarifverhandlungen über Digitale Arbeitswelt bringen "erste Ergebnisse"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die digitale Arbeitswelt in der Versicherungsbranche beschäftigt weiterhin die Tarifparteien. Vor wenigen Tagen trafen sich der Arbeitgeberverband (AGV) und die Gewerkschaft Verdi zur vierten Verhandlungsrunde. Für den AGV Anlass genug, "erste Ergebnisse" zu verkünden. So habe es zwar Annäherungen beim Mobilen Arbeiten. Eine weitere Verhandlungsrunde wurde allerdings vorerst nicht vereinbart.
So habe sich der AGV bereits in den vorangegangenen Runden bereit erklärt, "einen Tarifvertrag zum Mobilen Arbeiten abzuschließen sowie das Rationalisierungsschutzabkommen zu „modernisieren“ und stärker auf die Bedürfnisse der Digitalisierung zuzuschneiden. Im Gegenzug forderte der AGV die Ausweitung der Arbeitszeitflexibilität bei den deutlich übertariflich bezahlten Angestellten, die Verkürzung der Ruhezeiten gemäß Arbeitszeitgesetz von elf Stunden auf neun Stunden entsprechend der gesetzlichen Öffnungsklausel für derartige tarifliche Regelungen, die Verlängerung der Höchstüberlassungsdauer bei der konzerninternen Arbeitnehmerüberlassung, die Verlängerung der Höchstüberlassungsdauer bei der allgemeinen Arbeitnehmerüberlassung sowie eine moderate Ausweitung des Begriffs der leitenden Angestellten". Gleichzeitig habe Verdi "Annäherungen bei der Arbeitszeitflexibilität, bei den Höchstüberlassungsregelungen nach AÜG sowie bei der Verkürzung der Ruhezeiten unter bestimmten Voraussetzungen in Aussicht" gestellt, so der AGV weiter. "Allerdings wurden entsprechende Regelungen mit der generellen Bedingung verknüpft, dass ein Rechtsanspruch auf bedingungslose Umwandlung von Entgeltansprüchen in Freizeit tariflich vereinbart werden müsse", betonte der Arbeitgeberverband.
Verdi-Vertreterin Martina Grundler von der Fachgruppe Versicherungen konstatierte indes auf Anfrage von VWheute, "dass wir inhaltlich an einigen Punkten noch weit voneinander entfernt sind. Positiv bewerten wir die Einigung zum Thema mobiles Arbeiten und wir gehen davon aus, dass diese Einigung nun auch nicht daran scheitert, dass wir uns nicht auf gemeinsame Formulierungen einigen können. So gehe der Gewerkschaft der Verhandlungsstand zur "Modernisierung des Rationalisierungsschutzabkommens" "nicht weitgehend genug. Wir finden die verhandelten Ansatzpunkte gut, beispielsweise eine Qualifizierungsanspruch für Beschäftigte, die ihren Arbeitsplatz durch Rationalisierungsmaßnahmen/Digitalisierungsmaßnahmen verlieren. Allerdings gehen wir davon aus, dass eine Qualifizierungszeit von vier Monaten (das war das letzte Angebot der Arbeitgeberseite) nicht ausreichen wird, um für die betroffenen Beschäftigten eine Beschäftigungsperspektive im Unternehmen zu schaffen."
Annäherungen gab es laut AGV hingegen "beim Thema Mobiles Arbeiten inklusive der dort einzubeziehenden Frage der Verkürzung von Ruhezeiten gemäß Arbeitszeitgesetz sowie bei der konzerninternen Arbeitnehmerüberlassung. Hier streben die Tarifvertragsparteien eine Lösung noch vor der Gehaltstarifrunde 2019 an. Hinsichtlich der weiteren offenen Themen wollen die Tarifvertragsparteien zunächst jeweils intern sondieren, ob in diesen Bereichen Zugeständnisse gemacht werden können, welche dann ggf. im Rahmen der Gehaltstarifrunde 2019 vereinbart werden können."
Gescheitert sei die Einigung nach Angaben Grundlers "aber letztlich daran, dass die Arbeitgeberseite sich nicht in der Lage sah mit uns über Regelungen zu verhandeln, die die Zeitsouveränität der Beschäftigten erhöhen. Arbeitszeitflexibilisierung ist aus unserer Sicht keine Einbahnstraße, die sich nur an den betrieblichen Interessen ausrichten kann. Deshalb haben wir gefordert, dass ausgehandelte Erhöhungen der Tarifgehälter auch in Freizeit umgewandelt werden können. In einigen Branchen hat sich diese Möglichkeit zu einem "großen Renner" bei den Beschäftigten entwickelt (z.B. bei Bahn und Post). Auch im Bereich der IG Metall gibt es seit dem letzten Abschluss neue tarifliche Möglichkeiten für Beschäftigte die Arbeitszeit individuell zu verkürzen. Die vom Arbeitgeber angesprochene Forderung nach einem Rechtsanspruch auf Umwandlung von tariflichen Sonderzahlungen in Freizeit war von uns schon der Versuch einen Kompromiss zu finden."
Nach Angaben des AGV wurde keine fünfte Verhandlungsrunde vereinbart: "Stattdessen sollen zunächst die Sondierungen auf Geschäftsführungsebene fortgeführt werden", so der Arbeitgeberverband. "Die Tatsache, dass es zwar keinen weiteren Verhandlungstermin gibt, wir aber auf der Arbeitsebene weiter im Gespräch bleiben, zeigt, dass beide Seiten angesichts der Veränderungsprozesse in der Branche an einer Weiterentwicklung unserer tarifvertraglichen Regelungen interessiert sind. Unsere Tarifkommission wird das Ergebnis der Verhandlungen ausführlich diskutieren und unsere Forderungen für die Tarifverhandlungen in diesem Jahr beschließen. Wir gehen davon aus, dass auch diese Verhandlungen keine reinen Gehaltstarifverhandlungen sein werden, sondern auch qualitative Veränderungen des Manteltarifvertrages von uns gefordert werden", egänzt Grundler.
AGV · Verdi · Manteltarifverhandlungen
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