Quelle: ADFC
Politik & Regulierung

Unfallforschung der Versicherer warnt vor verfehlten Maßnahmen im Radverkehr

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Autofahrer dürfen Radler nur bei einem Abstand von 1,5 Metern überholen – selbst wenn diese auf einem Radfahrstreifen unterwegs sind. Diese Einschätzung in einem Gutachten könnte gravierende Folgen haben.

Der Abstand gelte immer, unabhängig von der angeordneten Art der Radverkehrsführung, sagt Verkehrsrechtsprofessor Dieter Müller gegenüber dem Spiegel. Auch, wenn Radfahrer auf einem Radweg oder einem Schutzstreifen fahren. Kann der Abstand nicht eingehalten werden, gelte „faktisches Überholverbot".

 

Das ergebe aus der Rechtsprechung sowie dem Prinzip der Verkehrssicherheit als wichtigstem Grundsatz der Straßenverkehrsordnung. Bei allen Radfahrern müsse der gleiche Sicherheitsabstand eingehalten werden – sonst verkehre sich der Schutzzweck des Radstreifens ins Gegenteil. In Auftrag gegeben hat das Gutachten die Unfallforschung der Versicherer (UDV).

 

In der Praxis führt diese Rechtsauslegung laut Spiegel dazu, dass vor allem LKW und Busse an Radfahrer vielerorts nicht vorbeiziehen dürfen. Stattdessen müssen sie hinter ihnen herfahren, bis die Gegenfahrbahn für ein Überholmanöver frei ist.

 

Der Fahrradclub ADFC fordert die Polizei auf, künftig den Abstand beim Überholen zu messen und Autofahrer zu sanktionieren, um Radler zu schützen.

 

Vor allem die – im Gegensatz zu Radfahrstreifen – nur gestrichelt markierten Schutzstreifen seien beim Überholen gefährlich, sagt UDV-Leiter Siegfried Brockmann. Autofahrer würden Radfahrer dort oft viel enger überholen als erlaubt. Bockmanns Schlussfolgerung: „Radverkehrspolitik, die auf breiten Einsatz von Schutzstreifen setzt, ist verfehlt.“