Quelle: World Economic Forum/ E.T. Studhalter/ Flickr.com
Politik & Regulierung

World Economic Forum Davos: Diese Versicherer setzen strategische Markierungspunkte

Von Martin WinkelTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Zum 48. Mal findet vom 22.-25. Januar 2019 das Weltwirtschaftsforum im Schweizer Ort Davos-Klosters statt. Unternehmensvertreter und Politiker diskutieren unter dem Schlagwort "Globalisierung 4.0", wie eine "globale Architektur im Zeitalter der vierten industriellen Revolution" aussehen könnte. 

Im Jahr 2018 ließ Trump in seiner Abschlussrede in Davos Kooperationsbereitschaft mit anderen Ländern erkennen, als er sagte, dass "Amerika zuerst", nicht "Amerika allein" bedeute. Bei einem Abendessen lud er damals CEOs unter anderem von Siemens, Bayer, Adidas und ThyssenKrupp ein, zu ihren Investitionen in den USA Auskunft zu geben. Die Bilder davon gingen um die Welt.

 

Wie in den Vorjahren engagieren sich Allianz, Zürich, Swiss Re und Marsh McLennan als "strategische Partner" des Weltwirtschaftsforums. Dafür entrichten sie jährlich jeweils etwa eine halbe Million Euro als Mitgliedsgebühr an die gleichnamige Stiftung mit Sitz am Genfer See. Weitere Versicherer wie Axa, Sompo, Tokio Marine oder Willis Towers Watson sind "assoziiert".

 

Erneut erstellten Großmakler Marsh und Versicherer Zürich in Zusammenarbeit mit dem Weltwirtschaftsforum den jährlichen Global Risk Report, der die Auswirkungen von Krisenszenarien auf die Wirtschaft analysiert.  Zurich kündigte Ende November zudem an, Partner des vom Weltwirtschaftsforum gegründeten Global Centre for Cybersecurity zu werden. Diese Plattform zielt darauf ab, die Zusammenarbeit von Behörden, Unternehmen, Experten und Strafverfolgungsbehörden im Bereich der Cybersicherheit zu fördern.

 

Deutsche Unternehmen sind unter den vorwiegend angelsächsischen und asiatischen Unternehmen eher spärlich vertreten. Lediglich die Deutsche Börse, Bosch, Klöckner, Burda, Deutsche Bank, Deutsche Post, Siemens und Volkswagen sind als Teilnehmer gelistet. Burda ist insbesondere bekannt für die "Burda-Night", eine der beliebtesten Abendveranstaltungen in Davos. Zürich hat eine ähnliche Gala vor einigen Jahren aus Kostengründen eingestellt.

 

Ziel: Entwurf einer zukünftigen Architektur der Weltwirtschaft

 

In Dutzenden von Vorträgen und Panel-Diskussionen werden die Teilnehmer Ende Januar der Frage nachgehen wie die zukünftige Architektur der Weltwirtschaft aussehen könnte. Organisiert ist das Forum in 14 "Systeminitiativen", die die Gestaltung ("shaping") verschiedener Themenfelder zum Ziel haben. Letztes Jahr forderte eine dieser Arbeitsgruppen des Weltwirtschaftsforums gemeinsame Anstrengungen von Regierungen und Privatunternehmen zur Abwehr von Cyberattacken. Dazu sei Datenaustausch, Investitionen in Infrastruktur und eine stärkere Regulierung von Informationssicherheit notwendig. Der Appell kam aber nicht zum ersten Mal, bereits in den Vorjahren wurde er ähnlich formuliert.

 

Ein volles Programm erwartet die Zuschauer in diesem Jahr (Bild aus dem Jahr 2018)
Ein volles Programm erwartet die Zuschauer in diesem Jahr (Bild aus dem Jahr 2018)Quelle: www.davos.ch

Die vierte industrielle Revolution bestehe nach Angaben der Veranstalter darin, dass physische, digitale und biologische Innovationen die Welt in einem bisher unbekannten Maße transformierten. Die erste Revolution sei die Zunahme des Welthandels vor dem Ersten Weltkrieg gewesen, die zweite die Institutionalisierung und Regulierung des Handels nach dem Zweiten Weltkrieg und die dritte Revolution die Verlagerung der Güter-Produktion auf offshore Standorte. Die „vierte Stufe der Globalisierung“ beinhalte nun auch die Verlagerung von Dienstleistungen mittels digitaler Technologien, ergänzt Richard Baldwin, Professor für Internationale Wirtschaftsbeziehungen am Hochschulinstitut für internationale Studien und Entwicklung in Genf, in einem Gastbeitrag für das Weltwirtschaftsforum.

Industrielle Revolution 4.0
Industrielle Revolution 4.0Quelle: Kuka

Klaus Schwab, Gründer und Präsident des Weltwirtschaftsforums, sieht die Schattenseiten der Globalisierung wie eine zunehmend polarisierte Öffentlichkeit, Umweltgefahren und drohende Massenarbeitslosigkeit durch Digitalisierung. Es bestehe die reale Gefahr, dass unsere globalen Systeme zusammenbrächen, glaubte Schwab vor einem Jahr. Für dieses Jahr sei der Kontext der Veranstaltung ebenfalls von Unsicherheit, Instabilität und Kontroversen geprägt, so Schwab. Trotzdem sei die Veranstaltung ein Versuch durch Zusammenarbeit konstruktive Ergebnisse zu erzielen. Er vertritt insbesondere die These, dass Wirtschaftspolitik kein Nullsummenspiel sei, sondern durch gemeinsame Anstrengungen Mehrwerte geschaffen werden könnten.

 

Proteste sind im hermetisch abgeriegelten Davos kaum zu erwarten. Kritiker werfen den Teilnehmern vor, sich ohne demokratische Kontrolle hinter verschlossenen Türen abzustimmen. Kritisiert wird aber auch Substanzlosigkeit der traditionell ohne Abschlussvereinbarung endenden Veranstaltung, die außer hohe Kosten zu produzieren lediglich der Unterhaltung der globalen Eliten dienen würde, so ein häufig geäußerter Vorwurf.

 

Ob das Event selbst versichert ist, war vom Veranstalter nicht zu erfahren.

Davos · Donald Trump · Versicherungsbranche
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