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Politik & Regulierung

Versicherungsanalyse für Privathaushalte nach DIN-Norm

Von Elke PohlTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Nach gut vier Jahren Arbeit wird heute die DIN-Norm 77230 "Basis-Finanzanalyse für Privathaushalte" veröffentlicht und kann angewendet werden. Ziel dieser ersten in Deutschland entwickelten DIN-Norm im Finanzbereich ist es, den Analyseprozess in Privathaushalten zu vereinheitlichen und eine ganzheitliche Betrachtung der jeweiligen finanziellen Situation zu ermöglichen.
Ein standardisiertes Vorgehen bei der Analyse könne dafür sorgen, dass auch Normalverdiener als Zielgruppe für ganzheitliche Ansätze in Betracht kommen, da dieses Vorgehen mit herkömmlichen Hilfsmitteln bei dieser Klientel meist nicht profitabel ist, glaubt Defino-Vorstand Klaus Möller. Das Institut für Finanznorm war maßgeblich an der Initiierung und Erarbeitung der neuen Norm beteiligt.

DIN-Norm hat größere Wirkung als DIN SPEC

Nach gut vier Jahren Arbeit war die DIN-Norm 77230 zur "Basis-Finanzanalyse für Privathaushalte" am 23. November 2018 im Konsens verabschiedet. Konsens bedeutet, dass keines der 27 stimmberechtigten Mitglieder des zuständigen DIN-Arbeitsausschusses im Rahmen einer elektronischen Abstimmung ein Votum gegen die Norm abgab. Nur im Konsens ist laut Regelwerk des Deutschen Instituts für Normung (DIN) eine solche Beschlussfassung möglich. Der größte Unterschied zum Vorläufer DIN SPEC 77222, die sich ebenfalls mit der Basisanalyse der Finanzen von Privathaushalten befasst und die die Norm nun ersetzen wird, ist laut Möller die intensivere Abstimmung mit allen relevanten Interessenten. Da Normen im Gegensatz zu Spezifikationen ("SPECs") im Konsens aller Beteiligten erstellt werden müssen, führe das zu größerer und breiterer Akzeptanz der Ergebnisse nach der Veröffentlichung. Spezifikationen werden nur von kleineren Interessengruppen festgelegt. Im Arbeitsausschuss für die DIN 77230 sind dagegen Vertreter von Banken, Versicherern, Vertrieben, Verbänden, Initiativen, Verbraucherschützern und Wissenschaftlern vertreten, die damit ein Spiegelbild der Branchen darstellen. Moderiert und begleitet wurde und wird der Prozess vom DIN. "Ich bin davon überzeugt, dass mit Unterstützung des DIN in den vergangenen vier Jahren etwas geschaffen wurde, das mittelfristig große und nachhaltige Wirkung in unsere Branche hinein entfalten wird“, sagt Klaus Möller, der als Obmann des DIN-Ausschusses fungiert. Sehr viele Marktteilnehmer hätten das Projekt aufmerksam verfolgt, und die meisten stünden dem Ergebnis positiv gegenüber.

Neutrale und beraterunabhängige Finanzanalyse

Nach 55 Sitzungstagen, mehr als 360 Dokumenten und rund 200 Beschlüssen hat der Arbeitsausschuss eine 82 Seiten umfassende Norm erarbeitet, die den Anspruch erhebt, eine verlässliche, richtige und vom Berater bzw. Vermittler unabhängige Analyse zu ermöglichen. "Bisher ist es oft so, dass ein Kunde von zehn Beratern zehn unterschiedliche Analyse-Ergebnisse bekommt", erklärt Klaus Möller weiter. "Das ist in etwa so, als ob die Untersuchung einer Blutprobe in zehn unterschiedlichen Laboren zehn verschiedene Werte ergibt. Das ist nicht zu akzeptieren. Die Werte müssen objektiv sein, auch im Finanzbereich." Verbraucher bekommen mit der Norm also eine verlässliche und ganzheitliche Auskunft über ihre finanzielle Situation - nach einem standardisierten Verfahren.

Anwendung ist freiwillig

Mit der heutigen Veröffentlichung der neuen Norm steht sie allen Versicherungs-, Bank- und Finanzberatern als einheitliches Werkzeug zur Basis-Finanzanalyse zur Verfügung. Sie ist kein Gesetz, ihre Verwendung ist freiwillig. Allerdings fungiert sie wie alle DIN-Normen als sogenanntes vorweggenommenes Gutachten und dient etwa vor Gericht als Orientierung, ob eine Beratung ordnungsgemäß verlaufen ist. Insofern ist ihre Anwendung schon von daher empfehlenswert. Vermittler haben zudem den Vorteil, dass sie bei ihrem Analyseprozess zeitsparend auf einem Standard aufbauen können, der anerkannt ist. Aufgrund des hohen öffentlichen Ansehens von DIN-Normen können sie zugleich Vorteile für sich und ihre Beratung generieren. Die Norm ist nicht Teil des Beratungsprozesses, sondern steht zunächst für sich und legt fest, welche Daten im Rahmen einer Basis-Finanzanalyse für Privathaushalte zu erheben sind. Diese fließen in eine Vermögensbilanz, eine Einnahmen-Ausgaben-Rechnung sowie einen Soll-Ist-Abgleich in den Bereichen Absicherung, Vorsorge und Vermögensplanung ein. Letzterer stellt – ohne schon Details zu berücksichtigen – die typisierten Prioritäten für den betreffenden Haushalt gemäß Norm dar. Diese Basis-Analyse ersetzt nicht die Beratung, bietet aber eine gute Grundlage dafür.

DIN-Norm · Beratung
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