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AktienQuelle: Andreas Hermsdorf / PIXELIO (www.pixelio.de)
Märkte & Vertrieb

Missverständnisse und Fehleinschätzungen verhindern Investitionen in Aktien

Von Sabine T. RuhTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Trotz der lang anhaltenden Niedrigzinsphase ist die Zahl der Aktionäre in Deutschland im internationalen Vergleich weiterhin niedrig. Ende 2017 waren es 10 Millionen und damit 15,7 Prozent der Bevölkerung. Zahlen von 2018 werden vom Deutschen Aktieninstitut erst im Februar des Jahres veröffentlicht.

Das bedeutet, etwa 85 Prozent der Deutschen besitzen keine Aktien. Von diesen zieht nur jeder achte eine Aktienanlage in Betracht. Damit interessieren sich 88 Prozent nicht für eine Aktienanlage, das zeigt unter anderem die repräsentative Befragung von rund 2.000 Personen, von denen knapp 300 Aktionäre, über 1.720 Nicht-Aktienbesitzer waren. Die Kapitalmarktexperten interpretieren dies als hohe mentale Hürde. "Dabei ist," so Michael Völter, Vorsitzender des Vorstands der Vereinigung Baden-Württembergische Wertpapierbörse, "Volatilität normal und gesund, um dann auf einer neuen stabilen Basis weiter zu machen." Er sieht die Gefahr, dass viele den Börsen nach Kursrückgängen den Rücken zukehrt: "Dagegen ist es besser einfach drinzubleiben." Immerhin seien Aktien Sachanlagen mit langfristigem Horizont.

Zurückhaltung bleibt

Gründe für das fehlende Interessen an der Aktienanlage sind nach Aussagen der Frankfurter und Stuttgarter Börsenspezialisten verschiedene Fehleinschätzungen. So ist für 61 Prozent der Nicht-Aktionäre eine Geldanlage in Aktien oder Aktienfonds zu unsicher und riskant. Aktionäre empfinden dies nur zu 43 Prozent. 71 Prozent der Aktionäre glauben zudem, dass Aktien/Aktienfonds langfristig mehr Rendite bringen als andere Anlageformen. Bei den Nicht-Aktionären sind es dagegen weniger als jeder Dritte: nur 29 Prozent. Auch glauben nur 19 Prozent der Nicht-Aktienbesitzer, dass eine Geldanlage in Aktien/Aktienfonds auch für kleinere Beträge sinnvoll ist. Als problematisch werten die Studienmacher zudem, dass nur 20 Prozent der Nicht-Aktionäre Aktien/Aktienfonds als geeignet für die Altersvorsorge sehen. Bei Aktionären seien dies immerhin 55 Prozent. Und selbst zur Vermögensbildung und Geldanlage wollen Nicht-Aktionäre nur zu 34 Prozent auf Aktien/Aktienfonds setzen, während dies 75 Prozent der Aktionäre tun. Zudem kommen für die Experten Missverständnisse hinzu. So sei die Anlage umständlich - sagen 48 Prozent der Nicht-Aktionäre, man habe kein Geld (61 Prozent), man wisse zu wenig (64 Prozent) und Aktien/Aktienfonds seien zu riskant - formulieren immerhin 65 Prozent der Nicht-Aktionäre. Selbst bei einem Einkommen von monatlich über 3.500 Euro netto gaben exakt die Hälfte der Nicht-Aktionäre an, kein Geld für die Anlage zu haben. 

Gute Gründe für Aktien

Christine Bortenlänger, geschäftsführender Vorstand des Deutschen Aktieninstituts, zeigt dagegen den Bilderbuchfall: "Hätte man vor zehn Jahren 10.000 Euro in Aktien investiert, dann wäre trotz des für den Dax nicht positiven Aktienjahres 2018 daraus 23.000 Euro geworden." Im Vergleich dazu: Bei einer zweiprozentigen Rendite hätten sich nur 12.200 Euro ergeben. Immerhin: 39 Prozent der Nicht-Aktienbesitzer geben an, dass sie in Aktien investieren würden, wenn sie 10.000 Euro langfristig frei zur Verfügung hätten. Bei Aktien-Besitzern waren dies aber 90 Prozent. Hoffnungsvoll stimme, dass die Beurteilung der Aktienanlage durch persönliche Erfahrungen positiver wird, denn Aktionäre verfügten über ein positives Erfahrungswissen.

Forderungen – vor allem an die Politik

Bortenlänger betont, dass als Unterstützer nicht nur Unternehmen, Banken und Börsen mit ihren Bildungsinitiativen gefordert sind: "Vor allem die Politik muss sich für die Aktie einsetzen, damit die Deutschen Aktie und Kapitalmarkt stärker für den Vermögensaufbau und die Sicherung des Lebensstandards im Alter nutzen." So gibt fast jeder dritte Nicht-Aktienbesitzer an, dass eine bessere staatliche Förderung sein Interesse an der Aktienanlage wecken könnte. "Viel wichtiger als staatliche Förderung ist jedoch, dass Aktien bei Reformen des staatlichen Altersvorsorgesystems eine deutlich stärkere Berücksichtigung finden. Hierin liegt der größte Hebel für eine höhere Aktienquote in Deutschland“, so Bortenlänger. Flankierend sei es zudem notwendig, regulatorische Hürden in der Wertpapier- und Anlageberatung zu senken und der ökonomischen Bildung einen festen Platz in den Schulen einzuräumen.

Statt einer stabilen Verweigerungshaltung, Sicherheitsdenken und einer gewissen  Gleichgültigkeit der eigenen Altersvorsorge gegenüber sei es sinnvoll, an der guten Konjunktur teilzuhaben und an einem leistungsfähigem Kapitalmarkt zu partizipieren. Es brauche mehr Mut zur Aktie, vieles sei hier noch Bauchsache, formulieren die Studienmacher abschließend.
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