Klimawandel
KlimawandelQuelle: Markus Vogelbacher / PIXELIO (www.pixelio.de)
Schlaglicht

Schlechtes Klima bei den Rückversicherern

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Das Erdklima bereitet den Versicherern zunehmend Probleme. Das Problem dabei ist weniger die Anzahl der Naturkatastrophen, sondern die Höhe der Schäden bei kaum steigenden Prämieneinnahmen. Allein die Swiss Re rechnet für das Jahr 2018 mit einer Gesamtschadenbelastung aus Naturkatastrophen und Man-Made-Ereignissen von rund 2,9 Mrd. US-Dollar. Gemäß vorläufigen Sigma-Schätzungen müsse die gesamte Branche mit versicherten Schäden von 81 Mrd. US-Dollar rechnen.
Dabei macht dem Rückversicherer vor allem die Schadenbelastung im vierten Quartal des vergangenen Jahres zu schaffen. Allen voran: Die beiden verheerenden Waldbrände im US-Bundesstaat Kalifornien, die über 85 Menschenleben forderten, sowie mehrer Tausend Hektar Land und über 20.000 Gebäude zerstörten. Dabei rechnet die Swiss Re mit einem gesamtschaden für die Versicherungsindustrie von rund 16 Mrd. US-Dollar. Hinzu kommt Hurrikan "Michael", der am 10. Oktober 2018 den Nordwesten von Mexico Beach in Florida erreicht hat und für den der Rückversicherer den Gesamtschaden für die Versicherer auf etwa 8,5 Mrd. Euro beziffert. Noch größer dürfte indes die Schadenbelastung durch die Taifune "Jebi" und "Trami" in Japan ausfallen. Nach Angaben der Swiss Re dürften sich die versicherten Schäden auf etwa zwölf Mrd. US-Dollar belaufen.
Zudem entfallen auf das letzte Quartal 2018 auch mehrere Man-Made-Katastrophen, darunter ein schwerer Satellitenschaden, ein Grossbrand in einem Industriebetrieb in Deutschland und ein weiterer Anstieg der geschätzten Schadenbelastung für die Überschwemmung des Ituango-Staudamms in Kolumbien, mit einem erwarteten Gesamtschaden von 300 Mio. US-Dollar."Das letzte Quartal 2018 war stark durch Naturkatastrophen belastet. In den USA war der Hurrikan 'Michael' der stärkste Sturm, der Florida seit dem Hurrikan 'Andrew' 1992 heimgesucht hat, und in Kalifornien verursachten die Waldbrände groß Schäden, da sie sich auch auf städtische Gebiete ausbreiteten. Wir arbeiten eng mit unseren Kunden zusammen, um sicherzustellen, dass betroffene Menschen und Gemeinden unterstützt werden und in der Lage sind, so schnell wie möglich wieder auf die Beine zu kommen", kommentiert Edouard Schmid, Group Chief Underwriting Officer von Swiss Re.
Welch verheerende Folgen die Naturkatastrophen haben können, zeigt das Beispiel Kalifornien. So wurde der Energieversorger PG&E (dereinst: Pacific Gas & Electricity) gleich für mehrere Waldbrände in den Jahren 2017 und 2018 verantwortlich gemacht. Die Opfer der Brandkatastrophen werfen dem Energieversorger fahrlässiges Verhalten vor und fordern Schadenersatz. Medienberichten zufolge dürften PG&E nun Schadenersatzforderungen in Höhe von rund 30 Mrd. US-Dollar zukommen. Die Konsequenz: Das Unternehmen steht praktisch kurz vor der Pleite. Dabei könnte der Fall sogar die D&O-Versicherer beschäftigen: So steht im Rahmen des Verfahrens nun auch das Risikomanagement von PG&E auf dem Prüfstand.

Prämien machen den Rückversicherern weiterhin zu schaffen

Trotz der zu erwartenden Kosten aus den Naturkatastrophen des vergangenen Jahres dürften die geringen Prämienanstiege den Rückversicherern weiterhin zu schaffen machen. So stiegen die weltweiten Prämien aun der Sachrückversicherung in der jüngsten Erneuerungsrunde um bis zu 7,5 Prozent. Dies geht aus einer aktuellen Analyse des Maklers WIllis Re hervor. Demnach hatten einige Rückversicherer allein wegen der Waldbrände in Kalifornien sowie der Wirbelstürme in den USA und in der Karibik mit zweistelligen Prämienanstiegen gerechnet. Einen Grund sehen die Experten von Willis Re vor allem in der Kapitalausstattung der Branche.
Zudem fühlte sich Swiss Re-Konzernchef Christian Mumenthaler jüngst dazu genötigt, die Investoren von Katastrophen-Anleihen öffentlich ins gebet zu nehmen. "Es könnte enttäuschte Investoren geben. Der Markt für alternative Anlangen zeigt Anzeichen, die mich an den US-Hypothekarmarkt vor der Krise erinnern", sagte er jüngst in einem Interview mit der Financial Times. Das Problem dabei: immer mehr alternatives Kapital abseits der klassischen Erst- und Rückversicherer fließt in die Übernahme von Extremrisiken aus Naturkatastrophen und anderen Versicherungsrisiken. Eine Folge: die neuen Investoren treten als Wettbewerber der klassischen Versicherer auf und drücken die Prämien auf ein ungesundes Niveau.

Noch keine Krisenstimmung bei der Munich Re

Keine Krisenstimmung aufkommen lassen wollte indes Ernst Rauch, Chef-Klimatologe und Chef-Geowissenschaftler der Munich Re, auf dem Neujahrsempfang des Berliner Assekuranzclubs. So wäre es für Versicherer grundsätzlich kein Problem mit einer Intensivierung und Häufung von Wetterereignissen in bestimmten Regionen zurechtzukommen, wenn die Versicherungsprämien proportional mit dem Risiko wachsen würden, erklärte Rauch. Problematisch könne es allerdings werden, wenn Risikomodelle nicht an die neuen Gegebenheiten angepasst würden. Dennoch machen sich die Naturkatastrophen des vergangenen Jahres wohl auch in den Bilanzen des Münchener Rückversicherers bemerkbar. Laut einer aktuellen Analyse der Munich Re belaufen sich die Gesamtschäden im Jahr 2018 auf rund 160 Mrd. US-Dollar. Davon war die Hälfte aller Schäden mit rund 80 Mrd. US-Dollar versichert. Teuerstes Schadenereignis war laut Rückversicherer der Waldbrand "Camp Fire" im US-Bundesstaat Kalifornien mit rund 16,5 Mrd. US-Dollar (versicherter Schaden: 12,5 Mrd.).

Bilanzkiller Klimawandel

Zwar sehen die Experten des Münchener Rückversicherers in den Naturkatastrophen zwar noch keinen Beweis für den Klimawandel, aber zumindest starke Indizien. "Bei den Hurrikanen ist es wohl so, dass die Windstärke nicht vom Klimawandel geprägt ist, die Wassermenge allerdings schon", konstatierte der ehemalige Finanzvorstand Jörg Schneider bereits im Februar 2018. Für Konzernchef Joachim Wenning gehören die Wetterextreme mittlerweile zur Normalität: "Die Existenz des Klimawandels ist seit Jahren wissenschaftlich belegt, auch wenn es immer noch ein paar Skeptiker gibt. Die Frequenz, aber auch die extremen Ausschläge von Wetterereignissen werden zunehmen, das ist unzweifelhaft", sagte er bereits im August 2018 in einem Interview mit dem Handelsblatt.

Auch wenn die Fachleute der Munich Re derzeit noch vorsichtig von "klaren Hinweisen auf den Einfluss" des Klimawandels auf die steigenden Wetterschäden sprechen, müssen die Versicherer künftig die steigenden Schadensummen in ihre Risikokalkulation mit einfließen lassen. Immer gelingt dies indes noch nicht, allein auch aufgrund der immer noch erheblichen Versicherungslüclen selbst in hochentwickelten Industrieländern. Bestes Beispiel: Die Folgen der anhaltenden Dürre für die deutschen Landwirte im vergangenen Jahr. Zudem scheinen gerade die Finanzinvestoren angesichts des sich verändernden Klimas immer mehr ihr grünes Gewissen zu hören. So prüfen Banken, Versicherer, wie auch Pensionsfonds verstärkt, wie sie die Kundengelder so anlegen können, dass die Klimarisiken minimiert werden. Zudem erhöhen diese auch den Druck auf andere Konzerne, ihre Klimaziele offenzulegen. Die Warnsignale des Klimawandels scheinen also in der Versicherungsbranche allmählich Gehör zu finden.

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