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Nach den verheerenden Waldbränden: Kalifornischer Energierversorger PG&E steht vor der Pleite

Von Philipp ThomasTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die USA sind mittleweile bekannt für ihre gigantischen Haftpflichtfälle. Der Asbesthersteller Johns Manville ging 1982 insolvent, die Hotel-und Filmgruppe MGM hätte 1982 fast einen Hotelbrand in Las Vegas nicht überdauert, und Monsanto sieht sich derzeit mit einer Milliarden-Klagewelle von Glyphosat-Nutzern konfrontiert. Nun könnte es auch den kalifornischen Energieversorger PG&E treffen, der sich mit Schadenersatzforderungen von rund 30 Mrd. US-Dollar konfrontiert sieht.
Demnach sollen Stromkabel und Gasleitungen des Energiekonzerns mehrere Waldbrände in den Jahren 2017 und 2918 ausgelöst haben welche über 10.000 Privathäuser vernichteten. Nach Angaben des California Fire Department sollen alleinj zwölf von 18 Waldbrände des Jahres 2017 auf mangelhafte PG&E-Installationen zurückzuführen sein. Zudem soll ein Übertragungsmast auch das Camp Fire im Oktober 2018 ausgelöst haben. Nun machen sowohl Haus- und Autobesitzer als auch Sachversicherer mihre Ansprüche gegen den Energiekonzern geltend. So machen allein Allstate, State Farm und USAA Regressansprüche in Milliardenhöhe geltend. Laut einer Börsenmitteilung von PG&E stand für den Zeitraum vom 1. August 2017 bis 31. August 2018 eine Deckungssumme von 840 Mio. US-Dollar zur Verfügun. Zum 1. August 2018 wurde diese auf 1,4 Mrd. US-Dollar erhöht.Im August 2018 hatte PG&E über die Gegenseitigkeitsversicherer Energy Insurance Mutual, Tokio Millennium Re AG und Cal Phoenix Re Ltd einen Cat-Haftpflicht bond über 200 Mio. US-dOLLAR platziert.

Die Ratingagenturen S&P und Moody’s bewerten das Kreditrisiko von PG&E mittlerweile als "Junk". Die an der New Yorker notierten Aktien sind in den letzten Tagen um über 50 Prozent gefallen und die Bonds werden mit einem 20-prozentigen Abschlag auf den Nominalwert gehandelt. Die verbleibende Börsenkapitalisierung beträgt nur noch etwas mehr als vier Mrd. US-Dollar. Beobachter rechnen nun damit, dass PG&E um den 29. Janar herum unter Anwendung des unter Chapter 11 des US Bankruptcy Code Insolvenz anmelden wird. Dies bedeutet, dass das Unternehmen mit dem Ziel einer Schuldenkonsolidierung und Sanierung bei gleichzeitigem Gläubigerschutz weitergeführt wird. Manches Unternehmen ist nach einigen Jahren unter Kuratel wieder genesen, wie General Motors oder United Airlines. Im Fall der stark von staatlichen Regulierungsbehörden abhängigen PG&E könnte das Insolvenzverfahren auch zu einer faktischen Verstaatlichung führen. Die Public Utilities Commission erwog bereits eine Zerschlagung des faktischen Monopolisten. Denkbar ist auch, dass manch Schadenersatzanspruch - quasi als Trostpreis - mit einigen Aktien der Nachfolgegesellschaft abgegolten wird.

PG&E beschäftigt 22.000 Menschen und beliefert 16 Millionen Kalifornier mit Strom sowie Gas. Dafür betreibt PG&E ein Netz von Stromkabeln mit einer Länge von 130.000 Meilen an Stromkabeln sowie Gasleitungen über 50.000 Meilen. Verhängnisvoll ist für den Energiekonzern zudem der Umstand, dass die Gesetze des Bundesstaats Kalifornien eine mehr oder weniger verschuldensunabhängige Haftung von Energieunternehmen für von deren Leitungen ausgehende Brände vorsehen. Es reicht also aus, dass das jeweilige Unternehmen die vorgesehenen Rodungen im Bereich der eigenen Kabel und Maste nicht peinlich genau eingehalten hat. PG&E hatte sich 2018 noch um eine Gesetzesreform stark gemacht, wonach die Haftungsfrage nur für echte Verschuldensfälle gelten sollte. Zudem sollte der Haftungsumfang unter Berücksichtigung der sozialen Funktion der Distributionsnetze reduziert werden. Allerdings scheiterte dieses Vorhaben letztlich im kalifornischen Parlament. Gescheitert war PG&E auch mit dem Plan, Teile des Haftpflichtrisikos durch Cat Bonds auf die Investoren abzuwälzen und eine größere Haftpflichtdeckung aufzukaufen. Zudem könnte der Fall sogar die D&O-Versicherer beschäftigen: So steht im Rahmen des Verfahrens nun auch das Risikomanagement von PG&E auf dem Prüfstand. Eine weitere Frage: Wäre es möglich gewesen, mehr an Deckung einzukaufen und wurde bewusst davon abgesehen?

PG&E · Haftpflichtversicherung
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