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KPMG: Risikokapital-Investitionen steigen 2018 auf neues Rekordhoch

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Im vergangenen Jahr sind die Investitionen in Risikokapital um fast 50 Prozent auf insgesamt 254 Mrd. US-Dollar (2017: 174,6 Mrd.) gestiegen. Grund dafür sind mehrere "Megadeals" mit einem Volumen von mindestens einer Milliarde US-Dollar. Zu diesem Ergebnis kommt der neue "Venture Puls" der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG.
Zu den größten Deals des vergangenen Jahres gehörten demnach die Finanzierungsrunden für das Fintech Ant Financial (14 Mrd. im 2. Quartal) und der E-Zigarettenhersteller Juul (12,8 Mrd. im 4. Quartal). Dazu kamen mehrere neu aufgelegte VC-Fonds wie Sequoia (acht Mrd.), Tiger Global (3,75 Mrd.), Bessemer Venture Partners (1,85 Mrd.) und GGV Capital (1,36 Mrd.). Gleichzeitig hat sich laut KPMG die Zahl der "Einhörner" im Jahr 2018 auf nahezu 94 (2017: 53) verdoppelt. Jüngeste Beispiel dafür ist die Smartphone-Bank N26, an der auch die Allianz beteiligt ist. Auffälig ist nach Ansicht der Wirtschaftsprüfer auch der Umstand, dass sich der Median bei den Later Stage Venture Capital-Finanzierungen von 5,5 Mio. Dollar im Jahr 2010 auf rund 11,5 Mio. Dollar im Jahr 2018 mehr als verdoppelt hat. Noch drastischer sei hingegen die Entwicklung bei der Pre Money-Bewertung: Lag der Median der Series B-Finanzierungen 2010 noch bei 19,2 Mio. Dollar, stieg dieser bis 2018 auf einen Wert von 60 Mio. Ähnlich bei Series A- und Seed-Finanzierungen: hier wuchs der Median von sechs auf 20 Mio. beziehungsweise von 2,8 auf 6,7 Mio. Dollar.
Besonders begehrt sind bei den Anlegern derzeit vor allem Investitionen in die Künstliche Intelligenz (KI). Als attraktivste Branchen entpuppten sich dabei laut KPMG vor allem Transport & Logistik sowie der Gesundheits- und Biotechsektor. "Es ist davon auszugehen, dass in Deutschland auch in diesem Jahr viel Geld in Start-ups fließen wird, die sich mit der Anwendung Künstlicher Intelligenz beschäftigen. Denn diese Technologie befindet sich hierzulande noch in der Frühphase der Entwicklung und besitzt quer durch alle Branchen enormes Potenzial", betont KPMG-Partner Tim Dümichen. Und dennoch: "Ungeachtet des neuen Investitionsrekordes ist die Zahl der Deals weltweit gesunken. Investoren achten inzwischen genauer darauf, worin sie investieren. Und so geht der Trend zunehmend hin zu den reiferen Late stage-Deals. Erfreulich aus Investorensicht ist die hohe Zahl der Börsengänge VC-finanzierter Unternehmen. Alleine in den USA kam es im vergangenen Jahr zu mehr als 80 IPOs. Nach den Börsenturbulenzen Ende 2018 wird es interessant sein, zu beobachten, wie sich dieser Markt entwickelt, zumal Lyft und Uber ihren IPO-Prozess vor kurzem angestoßen haben", ergänzt KPMG-Partner Stefan Kimmel

Deutsche Fintechs sammeln eine Mrd. Euro

Auch die deutschen Fintechs haben im vergangenen Jahr einen Rekord bei den Investitionen verbucht. Demnach belaufen sich die Venture-Capital-Investitionen für das Jahr 2018 erstmals auf mehr eine eine Milliarde Euro. Dies geht aus einer aktuellen Analyse des Beratungsunternehmens Barkow Consulting hervor. Allerdings ging die Zahl der Deals ging um zehn Prozent auf 127 zurück. Auch das Verhältnis von VC-Deals zur Zahl der Fintech-Startups sank von 20 Prozent 2017 auf 16 Prozent im vergangenen Jahr, heißt es weiter. Dabei nimmt auch die Kooperationsbereitschaft der Finanzunternehmen immer weiter zu - und zwar nicht nur zwischen etablierten Playern der Branche und Start-ups. So zählt der "FinTech-Kooperationsradar" der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC insgesamt auch 219 Fälle, in denen Finanz-Start-ups mit anderen Finanz-Start-ups zusammenarbeiten. Dabei seien allein seit Anfang 2017 mehr als 91 dieser Bündnisse hinzugekommen sind, heißt es in der Ende November 2018 veröffentlichten Analyse. Dabei kooperieren diese nicht nur mit reinen Fintechs, sondern häufig auch mit Unternehmen, die artverwandte Dienstleistungen anbieten oder Produkte anbieten, die Bankdienstleistungen benötigen, wie etwa Finanzierungen. Sehr beliebt seien demnach auch Bündnisse zwischen Finanz-Start-ups und Medienfirmen. Allein 92 dieser Kooperationen hat die PwC-Untersuchung ermittelt. In 86 Prozent dieser Fälle beteiligten sich die Medienunternehmen finanziell an den FinTechs.

Berlin bleibt unangefochtene Investitionshauptstadt

Die deutsche Bundeshauptstadt konnte hingegen ihren den Titel als Deutschlands Start-up-Hauptstadt verteidigen. Laut einer aktuellen Analyse der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (EY) erhielten Berliner Start-ups im vergangenen Jahr bei 247 Finanzierungsrunden insgesamt 2,64 Mrd. Euro. Die Zahl der Finanzierungen lag damit sechs Prozent höher als im Vorjahr. Das Investitionsvolumen sank hingegen um elf Prozent. Der Grund für den Rückgang sehen die Analysten in einer geringeren Zahl von Mega-Transaktionen in der Bundeshauptstadt: 2017 hatte allein der Berliner Essenslieferdienst Delivery-Hero bei zwei Transaktionen insgesamt 808 Mio. Euro von Investoren erhalten. 2018 gab es mit der 460-Millionen-Finanzspritze für Auto1 nur eine derartig große Transaktion in der Bundeshauptstadt.
Demgegenüber floss im vergangenen Jahr deutlich mehr Geld an Jungunternehmen aus Bayern, Hamburg und Nordrhein-Westfalen. In Bayern stieg das Investitionsvolumen um 97 Prozent auf 802 Mio. Euro, in Hamburg um 138 Prozent auf 548 Mio. Euro und in Nordrhein-Westfalen sogar um 154 Prozent auf 243 Mio. Euro. Auch bei der Zahl der Finanzierungsrunden verzeichneten zumindest Bayern und Nordrhein-Westfalen deutliche Zuwächse: um 63 Prozent auf 124 in Bayern und um 54 Prozent auf 60 in Nordrhein-Westfalen. In Hamburg stieg die Zahl der Transaktionen nur leicht um acht Prozentpunkte auf 42.
Berlin ist weiterhin die Investitionshauptstadt Deutschlands
Berlin ist weiterhin die Investitionshauptstadt DeutschlandsQuelle: Statista
Einen deutlichen Anstieg der Investitionen verzeichnete EY vor allem im Segment Software & Analytics, welches hochtechnische Geschäftsmodelle aus den Bereichen künstliche Intelligenz, Blockchain, Virtual und Augmented Reality ebenso subsummiert wie Start-ups in den Bereichen Cloud Computing, Cyber oder Analytics. Demnach verdoppelte sich die Investitionssumme im Vergleich zum Vorjahr von 295 auf 670 Mio. Euro mehr als verdoppelt, die Zahl der Finanzierungen stieg fast ebenso stark von 75 auf 148. Damit verlor der Bereich E-Commerce, dem 101 Finanzierungen zugeordnet wurden, zumindest bei der Zahl der Finanzierungen seinen Spitzenplatz im Branchenvergleich. Ebenfalls kräftig gestiegen ist das Finanzierungsvolumen im Fintech-Sektor (um 22 Prozent auf 659 Mio. Euro), bei Mobilitäts-Start-ups (um 45 Prozent auf 427 Mio. Euro) und im Bereich PropTech, also Technologie-Start-ups in der Immobilienwirtschaft (um 204 Prozent auf 184 Mio. Euro). Rückläufig waren hingegen die Investitionen in Gesundheits-Start-ups (um 39 Prozent auf 316 Mio. Euro) und in junge Medienunternehmen (um 75 Prozent auf 73 Mio. Euro). Die größte Transaktion entfiel dabei auf die Berliner Gebrauchtwagen-Plattform Auto1 mit rund 460 Mio. Euro. Zu den Investoren gehören unter anderem auch die Allianz und die Deutsche Bank.
KPMG · Start-ups
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