Sollers Konferenz in Warschau
Sollers Konferenz in WarschauQuelle: Maximilian Volz
Märkte & Vertrieb

Sollers: Von Shinto und Fortschritt

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
"Wenn Sie ein digitales Großprojekt abgeschlossen haben, hat das Neue schon begonnen". Dieser Satz von Adam Melski, Großprojektleiter bei der VHV, ist wohl die Kernthese der Konferenz "Innovation in Insurance", die der Finanz-IT-Dienstleister Sollers zum siebten Mal veranstaltet. In Warschau gab es einiges zu hören und zu lernen, was Technisches ebenso wie Philosophisches einschloss.

Vor allen digitalen Umstellungen muss die Richtung stimmen, speziell von digitalaffinen Menschen gerne als Vision bezeichnet. Dass dies kein leeres Marketinggeschwätz ist, zeigte Hans Vranken, President & CEO von Axa Direct Japan. Eine Einschätzung, wie der Markt von morgen aussehen wird, sei nur eine Meinung. Eine Vision zeige, was ein Unternehmen morgen sein will, erklärte er. Wem das zu philosophisch erscheint, für den hat Franken das Gesagte auch etwas erdgebundener. "Wir wollen eine 'customer driven' company" sein", erklärte er im exklusiven Kurzinterview mit VWheute, im Anschluss an seinen Vortrag. "Wenn man diese Richtung eingeschlagen hat, kann auch einmal der Kurs leicht korrigiert werden müssen, die Richtung wird sich dadurch allerdings nicht grundlegend ändern", erklärt er seine Herangehensweise an das Versicherungsgeschäft. Digitalisierung und Innovation könnten mit der richtigen Vision einfach und spaßbringend umgesetzt werden.

Mit einer Mischung aus Ent- und Begeisterung sprach er während seines gut aufgenommenen Vortrags das Publikum an: "Ihr seid noch disziplinierter als mein japanisches Team", um im Anschluss die Zuschauer zum diskutieren und zur Partizipation bei der Beantwortung der Fragen zu ermuntern, die er stellte. Die Abstimmung und Fragen erfolgten selbstredend per Smartphone, wie es sich für eine Veranstaltung zum Thema "Innovation in Insurance" gehört. Das Niveau der Vorträge war hoch und die Zuschauer, wie von Franken bemerkt, ebenso konzentriert wie fokussiert. Beiträge wie der technisch geprägte Vortrag von Branislav Siarsky, Product Owner, Baloise - Basler Schweiz oder die hochkarätig besetzte Diskussionsrunde zum Thema Kernsysteme als Innovationstreiber wurden gespannt verfolgt und in den Pausen diskutiert.

Genau wie Melski bestätigt Franken, dass es bei der Digitalisierung keinen Endpunkt gäbe, weil der Kunde seine Wünsche ständig ändere. Dem müsse man sich anpassen, was bei einer customer-driven- Ausrichtung allerdings inhärent wäre. Wie eine Anpassung an den Kunden aussehen kann, zeigt Rife, eine next Generation Digital Platform, die Sollers auf dem Event vorstellte. Die Plattform passt sich den Wünschen des Nutzers an, beispielsweise bei der Bedieneroberfläche und liefert ein individuelles Nutzererlebnis. Tiefere Segmentierung bis hin zur Personalisierung, sei ein Schlüssel für einen erfolgreichen und ergebnisorientierten Vertrieb, erklärte Marcin Grabowski, Managing Consultant von Sollers auf dem Event hierzu.

Probleme beim Umbau sind normal

Das der Vertrieb von morgen nicht weniger in den typischen Märkten zu finden sein wird, war einer der Hauptaussagen von Michal Trochimczuk, Managing Partner des Veranstalters Sollers Consulting. Die Märkte der Zukunft sind die nicht erschlossenen Märkte Asiens, die Sub-Sahara und Osteuropa, erklärte er in seiner vielbeachteten und von nahezu allen Referenten aufgegriffenen Keynote. Als Beispiele, wie ein erfolgreicher Versicherer aussehen kann, nannte er Zhong An und Friday, die den deutschen Markt vor nicht all zu langer Zeit mit einer digitalen Kfz-Versicherung bereicherten. Für ihn ist der Weg in die Zukunft klar, "Versicherer werden immer mehr zu IT-Unternehmen", weswegen folglich auch die Prioritäten im Bereich IT angepasst werden müssen. "Die Versicherer investieren nur zwanzig Prozent ihres IT-Budgets in den Bereich Innovation", das sei eindeutig zu wenig, um den Markt von morgen mitprägen zu können, erklärte Trochimczuk.

Das der Weg zu einem neuen digitalen Großprojekt nicht immer linear verläuft, zeigte Adam Melski in seinem sehens- und hörenswerten Vortrag, ein Künstler hatte das Digitalprojekt der VHV in einer großflächigen, comicartigen Zeichnung verwirklicht. Der Weg war steinig und voller Klippen erklärte er offen, doch letztlich erfolgreich und "im Budget". Er setzte bei der Umsetzung auf erprobte Standardsoftware, anstatt und auf den Faktor Mensch. Das Wichtigste für ihn sei immer das Team, nicht die Technik, denn "Projekte handeln von Personen, nicht von Programmierung". Wie er das Team mit Rollenspielen, 600 Stück Pizza und einem WM-Tischfußball bei Laune hielt - und mehr, können Sie in der Februar-Ausgabe der Versicherungswirtschaft lesen.

 

Passend zum Thema können Sie  Insurance & Innovation 2019 - Ideen und Erfolgskonzepte von Experten aus der Praxis  lesen, ein Buch, das sich praxisnah mit der Versicherung von morgen beschäftigt.

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