Eine Operation im Krankenhaus
Eine Operation im KrankenhausQuelle: Martin Büdenbender / www.pixelio.de / PIXELIO
Politik & Regulierung

Spahn will entscheiden, was die GKV zahlen muss

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Krankenkassen sollen nach dem Willen von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) künftig das Absaugen von Körperfett bezahlen, allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen. Tatsächlich will der Minister damit wohl einen Präzedenzfall schaffen, damit sein Ministerium künftig selbst entscheiden kann, welche Leistungen erstattet werden müssen.

Die GKV soll mit dem Vorstoß nicht für Schönheitsoperationen geöffnet werden, der Vorschlag bezieht sich auf das Krankheitsbild Fettverteilungsstörungen. Es gibt mehrere Fettverteilungsstörungen beim Menschen, eine relativ häufige ist das Lipödem, oft abschätzig als Reiterhosen bezeichnet.

 

Darunter werden Fettverteilungsstörung an Ober- und Unterschenkeln sowie im Bereich der Hüften verstanden. Im Wesentlichen handelt es sich um eine erhöhte Anzahl an krankhaft veränderten Fettzellen, wovon fast ausschließlich Frauen betroffen sind. Als Ursache werden hormonelle Gründe vermutet.

 

Fettabsaugung als Vorwand?

 

"Bis zu drei Millionen Frauen mit krankhaften Fettverteilungsstörungen leiden täglich darunter, dass die Krankenkassen ihre Therapie nach einem Gerichtsurteil nicht bezahlen", sagte Spahn der FAZ. Diesen wolle man unbürokratisch helfen. Doch ist das er einzige Grund?

 

Die gesetzlichen Kassen bezahlen die "Liposuktion zur Behandlung des Lipödems" derzeit nicht und verweisen darauf, dass der Nutzen noch nicht ausreichen belegt sei. Welche Behandlungen von der GKV übernommen werden, legt ein Gremium fest. Der GKV-Spitzenverband, die Kassenärztliche Bundesvereinigung und die Deutsche Krankenhausgesellschaft bilden den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA).

 

Der G-BA ist das wichtigste Gremium der gemeinsamen Selbstverwaltung im Gesundheitswesen, in dem die Krankenkassen und die Leistungserbringer (Ärzte- und Zahnärzteschaft, Krankenhäuser, Psychotherapeuten und -therapeutinnen) gemeinsam über die Inhalte der gesundheitlichen Versorgung und die medizinischen Leistungen beraten, die von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen werden. Bis das Gremium Entscheidungen trifft, kann schon einmal einige Zeit verstreichen.

 

Spahn möchte aber nicht länger geduldig mit den Entscheidern sein, wie er in der Vergangenheit mehrmals verbalisierte.  Mittels eines Ergänzungsantrag will er sein Ministerium in die Lage versetzen, künftig allein darüber zu entscheiden, welche Untersuchungs- und Behandlungsmethoden die Kassen bezahlen müssen. Bisher musste der Bundesrat zustimmen.

Jens Spahn · GKV · PKV
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