Wissen ist Macht, künstlich wie menschlich.
Wissen ist Macht, künstlich wie menschlich.Quelle: Google
Schlaglicht

Axa XL: Künstliche Intelligenz soll Bewertung von Sachrisiken verbessern

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der Spezialversicherer Axa XL Risk Consulting kündigt die Nutzung von künstlicher Intelligenz (KI) zur Verbesserung von Risk-Engineering-Leistungen im Bereich Sachversicherungen an. Das Unternehmen folgt dem Branchentrend, möchte aber Trendsetter sein.

Der Risikomanager Axa XL Risk Consulting arbeitet mit Expert System zusammen, einem italienischen Softwareunternehmen, das kognitive Software auf der Grundlage von KI-Algorithmen entwickelt. Für die Auswertung von Risikoberichten über Standortbesichtigungen greift das Team auf eine digitale Anwendung namens Cogito Discover zurück, die KI zum Erkennen der richtigen Bedeutung von Wörtern und Begriffen im jeweiligen Kontext nutzt und die Beziehung zwischen verschiedenen Konzepten versteht.

 

Dank der Automatisierung der Auswertung der Besichtigungsberichte durch Verarbeitung natürlicher Sprache kann der Umfang der zu analysierenden Dokumentation und die Zahl der zu bewertenden Kundenrisiken erhöht werden, schreibt Axa. Die Risikoberater sollen so in der Lage sein, innerhalb weniger Minuten auf das Wissen und die Erkenntnisse aus über 100 Berichtsseiten zurückzugreifen. Zugleich können sie mehr Zeit für besonders relevante Bereiche aufwenden, um die Standortrisiken der Kunden zu mindern und Underwritern eine schnellere Angebotsabgabe zu ermöglichen.

"Mit KI können wir die Risiken unserer Kunden besser bewerten und noch umfassendere Empfehlungen zur Risikoprävention geben."
Corinne Vitrac, Chief Executive Officer von Axa Matrix

Künstliche Intelligenz der Heilsbringer?

 

Nicht nur die Axa hat die KI für sich entdeckt, andere Schwergewichte wie die Allianz sind auf den Zug längst aufgesprungen und versuchen in die Lok zu kommen. Michael Bruch, Head of Emerging Risks, Allianz Global Corporate & Specialty, ist sich sicher, das "KI menschliches Denken und Handeln komplett ersetzen wird".

 

Nach seiner Ansicht wird KI den Versicherern in allen Bereichen ihres Kerngeschäfts helfen: bei der Optimierung und Automatisierung von Prozessen, bei der Risikoanalyse, bei der Schadenregulierung, im Marketing.

"KI eignet sich, um repetitive Prozesse zu automatisieren, die nach einer komplexen Gesetzmäßigkeit ablaufen - wie die Schadenregulierung in der Versicherungswirtschaft"
Jobst Landgrebe, Geschäftsführender Gesellschafter der Cognotekt GmbH.

Eine Einschätzung, die er nicht allein hat: "KI eignet sich, um repetitive Prozesse zu automatisieren, die nach einer komplexen Gesetzmäßigkeit ablaufen - wie die Schadenregulierung in der Versicherungswirtschaft", erklärte KI-Experte und Geschäftsführender Gesellschafter der Cognotekt GmbH Jobst Landgrebe in einem Gastbeitrag für VWheute. Allerdings ist die KI wandelbar und vielerorts einsatzfähig.

 

Wenn der Terminator zum Sachbearbeiter wird

 

AGCS setzt Roboter und KI ein, um Dateneingaben in Systeme durchzuführen oder um Mails oder Anrufe automatisch zu klassifizieren und weiterzubearbeiten. Die deutsche Familienversicherung nutzt die technischen Möglichkeiten, um viele Kundenanfragen dunkel zu verarbeiten und somit Manpower und Zeit zu sparen. Die Aufzählung ließe sich fortsetzen.

 

Selbstverständlich haben nicht nur die Erstversicherer die Zeichen der Zeit erkannt. Die Schwergewichte im Rückversicherungsmarkt nutzen KI ebenfalls für ihr komplexes Geschäftsfeld, beispielsweise beim Predictive Modelling oder dem Accounting, wie bei einer Veranstaltung im Oktober in Bonn klar ersichtlich wurde.

 

Risiken der Automatisierung und KI

 

Die Kehrseite der Möglichkeiten ist der Verlust von Arbeitskräften. Landgrebe rechnet damit, dass in den nächsten 20 Jahren in den bis zu 360 Millionen klassische Arbeitsplätze in den Bereichen komplexer manueller und einfacher geistiger Tätigkeiten wegrationalisiert werden.

 

Keine Einzelmeinung, an markigen Zitaten zu den Folgen der technischen Entwicklung mangelt es nicht: "Selbst der II. Weltkrieg war ein Kindergeburtstag gegen das, wie die technische Entwicklung die Welt in den nächsten zehn Jahren verändern wird", erklärte Technikfachmann Frank Thelen kürzlich auf einer Veranstaltung. Die Frage ist, wer die ganzen Produkte kaufen soll, wenn niemand mehr Arbeit hat.

 

Sicher ist, dass sich die Finanzwelt durch den Einsatz von KI massiv verändern wird, dessen ist sich Professor Christian Rieck sicher: "Versicherungen, Banken, Finanzdienstleister wird es so, wie wir sie heute kennen, in zehn bis 15 Jahren schon nicht mehr geben."

Es ist also verständlich, dass die Unternehmen am KI-Ball dranbleiben wollen, denn wer möchte im noch zu schreibenden Buch der Digitalisierungsverlierer einen Eintrag mit seinem Namen lesen?

 

Axa · künstliche Intelligenz · Sachversicherung
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