Containerschiff
ContainerschiffQuelle: Bernd Sterzl / PIXELIO (www.pixelio.de)
Politik & Regulierung

Schifffahrt: Milliardenverlust durch verlorene Container

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Totalschäden in der weltweiten Schifffahrt sind in den letzten Jahren zwar zurückgegangen. Allerdings beherrschen dieser Tage gleich mehrere Schiffsunglücke die Schlagzeilen. Dabei spielt menschliches Versagen als Ursache oftmals eine wesentliche Rolle. Und die Verluste können die Versicherer durchaus teuer zu stehen kommen, wie die aktuellen Beispiele zeigen.
Beispiel eins ist die Havarie des tunesischen Frachters "Ulysee" mit dem zypriotischen Containerschiff "Virginia" vor der Insel Korsika im Oktober 2018. Dabei waren damals 52 Kubikmeter Treibstoff ausgelaufen. Dabei bildete sich ein 300 bis 400 Meter breiter Ölteppisch. Zudem hatte es mehrere Tage gedauert, die beiden Schiffe wieder voneinander zu lösen sowie den Treibstoff wieder aus dem Mehr zu pumpen. Die Kosten der Havarie belaufen sich dabei auf rund 13,5 Mio. Euro für den Rettungseinsatz sowie auf etwa zehn Mio. Euro für den Reinigungseinsatz. Der Grund für die Havarie: Menschliches Versagen. Sow ar der Kapitän des tunesischen Frachters wegen privater Telefonate nicht auf seinem Posten. Die Mannschaft des zypriotischen Schiffes hatte mitten auf einer vielbefahrenen Schifffahrtsstraße Anker geworfen. Beide Kapitäne wurden übrigens entlassen.
Beispiel zwei ist die Havarie der MSC Zoe zu Beginn dieses Jahres, bei der das Schiff nach einem Sturm insgesamt 281 Container verloren hatte. Schätzungen zufolge dürfte der Schaden dabei in die Millionen gehen. Allerdings scheint dieses Unglück kein Einzelfall zu sein. Nach Angaben der internationalen Frachtschiffindustrie sind allein in den vergangenen fünf Jahren etwa 6.000 Schiffe mit etwa 130 Millionen Containern um die Welt gefahren. Davon sind etwa 1.600 Container ins Meer gestürzt. Den dadurch entstandenen Schaden beziffern die Versicherer dabei auf etwa sieben Mrd. Franken. Der Grund: "Alle Konsumenten wollen so billig wie möglich einkaufen. Das heisst, auf so einem Container-Schiff will man so viel Container wie möglich laden, damit die Fracht pro Container billiger wird. Das bedeutet, diese Schiffe sind so gross wie technisch nur irgendwie möglich. Und deshalb kann auch ein entsprechend grosser Schaden passieren", wird René Kobelt, Chef Schadenversicherung der Allianz Global, beim SRF zitiert.

Beispiel drei ist der Brand auf dem Frachtschiff "Yantian Express" im Nordatlantik. Die 23-köpfige Besatzung konnte zwar gerettet werden. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) rechnet indes mit einem Schaden im dreistelligen Millionenbereich. "Als Faustgröße gilt ein Warenwert von 25.000 bis 50.000 Euro pro Standardcontainer (TEU). Die 'Yantian Express' hat eine Kapazität von 7500 TEU. Das heißt, bei einem Totalverlust gingen Waren für 200 bis 400 Millionen Euro verloren. Dazu kommt der Wert des Schiffes und der reinen Container, das ist mindestens nochmal ein zweistelliger Millionenbetrag", konstatiert der GDV-Schifffahrtsexperte Uwe-Peter Schie­der. Die Gründe für solche Unglücke sieht der Experte sowohl in "falsch deklarierten Gefahrgutcontainern" als auch in "defekten elektrischen Aggregaten". Ein weiterer Grund könne "'normale' Ladung wie zum Beispiel Holzkohle sein, die zu feucht ist. Sie neigt ebenfalls zur Selbstentzündung, der Brand entwickelt sich aber langsamer und kann, wenn er entdeckt wird und der Container zugänglich ist, auch gelöscht werden." Zudem stamme der Brandschutz von seiner Struktur her aber noch aus den 1960er-Jahren. "Die Systeme wurden zwar an die Größe der Schiffe angepasst. Dass diese nun überwiegend Container transportieren und kein Stückgut mehr, darauf hat man nicht reagiert", kritisiert Schieder.

Dennoch waren die Schiffsunfälle und Totalschäden bislang weiter rückläufig. So wurden nach Angaben Allianz Global Corporate & Specialty SE (AGCS) im Jahr 2017 insgesamt 94 Totalverluste von Schiffen über 100 Bruttotonnen gemeldet. Das entspricht einem Rückgang von vier Prozent gegenüber dem Vorjahr (2016: 98). Dies geht aus dem "Safety & Shipping Review 2018" des Versicherers hervor. Häufigste Ursache für die Schiffsunfälle ist laut AGCS immer noch menschliches Versagen. So gehen 75 Prozent der von der AGCS untersuchten 15.000 Haftpflichtversicherungsschäden in der Schifffahrt noch immer auf menschliches Versagen zurück. Die Kosten für die entsprechenden Schäden beliefen sich laut AGCS auf etwa von 1,6 Mrd. US-Dollar. "Menschliches Versagen ist nach wie vor eine der Hauptursachen für Unfäll. Unzureichende landseitige Unterstützung und Wettbewerbsdruck spielen eine wesentliche Rolle bei der Gefahrenlage in der Seefahrt. Straffe Zeitpläne können sich ungünstig auf die Sicherheitskultur und die Entscheidungen an Bord auswirken", konstatiert Kapitän Rahul Khanna, Global Head of Marine Risk Consulting bei der AGCS.
Schifffahrt · AGCS
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