Klaus-Jürgen Heitmann
Klaus-Jürgen HeitmannQuelle: Huk-Coburg
Märkte & Vertrieb

"Unsere erste Pflicht ist, das Kernprodukt preislich attraktiv zu halten"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Huk-Coburg hat im vergangenen Jahr ihre Marktführerschaft in der Kfz-Sparte weiter behaupten können. Dabei konnte der Versicherungskonzern mit dem Jahreswechselgeschäft "rund 300.000 Verträge gewonnen, so dass wir in die Nähe von 12 Millionen versicherten Fahrzeugen kommen. Das dahinterliegende Bruttoneugeschäft hat über 1,3 Mio. betragen", konstatiert Vorstandschef Klaus-Jürgen Heitmann. Auf den Lorbeeren ausruhen will er sich dennoch nicht.
Dabei hat die Huk-Coburg nach eigener Aussage im abgelaufenen Jahr "von außergewöhnlich geringen Schäden profitiert. [...] Wir haben zwar Stürme gehabt, deren Wirkungen man beispielsweise in der Wohngebäudeversicherung sieht. Doch sie spielen für die Kaskoversicherung von Autos kaum eine Rolle. Wichtig ist dort vielmehr, dass wir fast keinen Hagel registriert haben. Außerdem führte die lange Trockenheit im Sommer zu weniger Unfällen. Die Schadenfrequenzen sind also gesunken. Im Schadendurchschnitt sehen wir weiterhin die steigenden Preise für Reparaturen und Ersatzteile, aber nicht ganz auf dem Niveau des vergangenen Jahres", erläutert Heitmann im Interview mit der Börsen-Zeitung.

"Wettbewerb hat sich intensiviert"

Und dennoch: "der Wettbewerb hat sich intensiviert", betont Heitmann. "Wenn ein großes Unternehmen angreift, bleibt dies nicht ohne Konsequenzen", konstatiert er mit Blick auf die Allianz. "Einer der größten Anbieter in der Sparte Autoversicherung hat vor mehr als einem Jahr angekündigt, er wolle signifikant Marktanteile zurückgewinnen. Für die Kunden aber ist in dieser Sparte das Hauptentscheidungskriterium der Preis. Dann ist nicht viel Prognostik dabei, wenn man vorhersagt, dass die Preise sinken oder zumindest nicht so stark steigen werden, wie die strukturell erhöhten Schäden dies erfordern würden", erläutert der Vorstandschef der Huk-Coburg.
Die Konsequenz: "Die stark unterdurchschnittliche Schadenbelastung in der Kaskoversicherung hat die kombinierte Schaden- und Kostenquote in der Sparte Auto um mehr als einen Punkt gesenkt. Damit liegt diese Combined Ratio besser als im Jahr 2017, als wir 96 Prozent erreicht haben. Wenn die Schadenbelastung normal gewesen wäre, hätte sich die Combined Ratio allerdings verschlechtert."

Huk-Coburg findet "für einen gewissen Teil der Kunden nicht statt"

Um dem Preiskampf standzuhalten will der Versicherer auch künftig auf keinem Vergleichsportal präsent sein. "Unser Direktversicherer HUK24 hat keine Aufwandsposition mehr, die Provision heißt. Die Kehrseite: Dafür finden wir für einen gewissen Teil der Kunden, die auf einem Portal einen Preisvergleich der Kfz-Versicherer starten, nicht statt. Sie sehen uns einfach nicht. Wir würden vermutlich das Neugeschäft sehr erheblich steigern können im Jahreswechsel, wenn wir uns listen ließen". betont Heitmann. Eine Rückkehr wie jüngst die Allianz Deutschland schloß er für die Huk-Coburg dennoch  aus: "Denn dann müssten wir für gewisse Teile des Neugeschäfts mit anderen Vertriebskosten rechnen. Die dort geforderten und auch durchsetzbaren Provisions- oder Vermittlungsgebühren liegen über unseren kalkulatorischen Annahmen, und zwar deutlich. Würden wir auf Portale gehen, flösse von Jahr zu Jahr in einen immer größeren Teil der Bestände ein steigender Kostensatz ein. Wir würden unsere Preise langfristig erhöhen müssen. Solange wir so stark wachsen wie bisher, sind wir sehr zufrieden. Diesen Weg halten wir aus Kundensicht für die bessere Lösung, weil er zu preisgünstigeren Angeboten führt".
Die Zielvorgabe scheint dennoch klar: "Unsere erste Pflicht ist, das Kernprodukt preislich attraktiv zu halten. [...] Aber gleichzeitig müssen wir schlank bleiben, das ist die Nebenbedingung. Die preisliche Positionierung ist extrem wichtig. Um gegen die Portale zu bestehen, versuchen wir auch, über weitere Punkte wie Telematik oder Autoservice mit den Kunden in Kontakt zu treten. Wir bleiben also im Kernprodukt schlank und bieten viele Andockpunkte, so dass wir über die reine Versicherungspolice hinaus attraktiv sind." Einen Telematik-Tarif könne die Huk-Coburg indes derzeit nicht anbieten: "Wir sind tatsächlich ausverkauft. Die Verkäufe sind deutlich besser gelaufen als gedacht. Nun wollen wir umsteigen auf eine Vignetten-Technologie. Sie ist signifikant günstiger als die bisherige Box, die immer in das Auto eingebaut werden musste. Wir gehen davon aus, dass wir diese Technologie im neuen Jahr zeitnah einführen", prognostiziert Heitmann. 
Für das laufende Jahr 2019 erwartet er indes ein deutlich schlechteres Ergebnis, "wenn die Schadenbelastung auf ein normales Niveau zurückkehrt. In der Hauptsparte Auto sehen wir einen guten Start bei den Stückzahlen, in den übrigen Kompositsparten gehen wir ebenfalls von weiterem Wachstum aus. Die Kranken- und Lebensversicherung wird sich weiterhin erfolgreich entwickeln. Wir sehen keinen nachhaltigen Aufwärtstrend bei den Zinsen und einige Belastungen auf den Aktienmärkten. Das heißt: Die Versicherungstechnik bleibt wichtig."
Klaus-Jürgen Heitmann · Huk-Coburg · Kfz-Versicherung
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