Waldbrand
WaldbrandQuelle: Harry Hautumm/ PIXELIO (www.pixelio.de)
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Munich Re: Waldbrände kommen die Versicherer teuer zu stehen

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Naturkatastrophen werden für die Versicherungsbranche augenscheinlich zu einem immer größeren Problem. Laut einer aktuellen Analyse der Munich Re belaufen sich die Gesamtschäden im Jahr 2018 auf rund 160 Mrd. US-Dollar. Davon war die Hälfte aller Schäden mit rund 80 Mrd. US-Dollar versichert. Teuerstes Schadenereignis war laut Rückversicherer der Waldbrand "Camp Fire" im US-Bundesstaat Kalifornien mit rund 16,5 Mrd. US-Dollar (versicherter Schaden: 12,5 Mrd.).
Schadenbilanz 2018 durch Naturkatastrophen
Schadenbilanz 2018 durch NaturkatastrophenQuelle: Munich Re
Demnach lagen die versicherten Schäden nach Angaben der Munich Re im vergangenen Jahr deutlich über dem inflationsbereinigten Durchschnitt der vergangenen 30 Jahre (41 Mrd. US-Dollar), aber unter dem Rekordwert des Vorjahres mit 140 Mrd. US-Dollar. Besonders zu Buche schlug demnach die extreme Waldbrand-Saison in Kalifornien. Neben dem Waldbrand "Camp Fire" brach bei Los Angeles das "Woolsey Fire" aus, das vor allem in den Hügeln nahe des Prominentenvorortes Malibu wütete. Rund 1.600 Häuser wurden nach Angaben des Rückversicherers dabei zerstört. Darunter befindet sich unter anderem auch das Anwesen des deutschen TV- und Radiomoderators Thomas Gottschalk. Wegen der hohen Gebäudewerte betrug der Schaden 5,2 Mrd. US-Dollar. Davon waren etwa vier Mrd. US-Dollar versichert. Insgesamt trugen Waldbrände in Kalifornien damit Gesamtschäden von 24 Mrd. US-Dollar zur Naturkatastrophen-Schadenbilanz 2018 bei. Etwa 18 Mrd. US-Dollar waren entsprechend versichert.
"Unsere Daten zeigen, dass die Schäden aus Waldbränden in Kalifornien in der jüngeren Vergangenheit fast sprunghaft angestiegen sind. Zugleich kam es zuletzt häufiger als früher zu besonders heißen und trockenen Sommern, was Waldbrände begünstigt. Viele Wissenschaftler sehen darin einen Zusammenhang mit dem fortschreitenden Klimawandel. Dazu kommen menschgemachte Faktoren wie die Besiedelung waldnaher Gebiete. Die Opferzahlen und die Schäden sind immens, daher sind vorbeugende Maßnahmen zur Vermeidung von Bränden und Schäden wichtig. Auch Versicherer müssen die Schadenzunahmen in ihrem Risikomanagement und der Kalkulation des Risikopreises berücksichtigen", kommentiert Ernst Rauch, Chef-Klima- und Geowissenschaftler von Munich Re.

Wirbelstürme sorgen ebenfalls für Milliardenschäden

Auch die Wirbelsturmsaison 2018 geht nach Ansicht der Munich Re bei globaler Betrachtung als ungewöhnlich in die Statistik ein. So verursachten die Wirbelstürme im letzten Jahr weltweit einen Gesamtschaden von 56 Mrd. US-Dollar, deutlich mehr als der inflationsbereinigte Langfristdurchschnitt. Davon war rund die Hälfte versichert. Teuerstes Ereignis war laut Rückversicherer Hurrikan "Michae"l, der am 10. Oktober 2018 das US-Festland im Nordwesten Floridas erreichte. Mit Windgeschwindigkeiten von 250 Stundenkilometern war er der bisher viertstärkste jemals gemessene Sturm der USA. Der Gesamtschaden wird auf 16 Mrd. US-Dollar geschätzt. Wegen des hohen Anteils von Sturmschäden waren davon rund zehn Mrd. US-Dollar versichert. Deutlich niedriger war hingegen der versicherte Anteil der Schäden durch Hurrikan "Florence": Lediglich fünf Mrd. US-Dollar sind demnach durch die Versicherer abgedeckt - bei einem Gesamtschaden von rund 14 Mrd. US-Dollar.
Zudem wurde nach Angaben der Munich Re der ostasiatische Inselstaat Japan von besonders vielen Naturkatastrophen heimgesucht. Folgenreichster Sturm war Taifun "Jebi" mit Gesamtschäden von 12,5 Mrd. US-Dollar, davon waren etwa neun Mrd. US-Dollar versichert. Damit war dieser Sturm einer der teuersten Taifune in Japan in der Geschichte. Hinzu kamen ungewöhnliche Regenfälle vor allem im Süwesten des Landes. Elf Präfekturen der Hauptinsel Honshu waren von Überschwemmungen und zahlreichen Erdrutschen betroffen. Der Schaden durch das Hochwasser betrug 9,5 Mrd. US-Dollar, davon waren 2,4 Mrd. US-Dollar versichert. Zudem verursachten zwei Erdbeben in Japan Gesamtschäden von neun Mrd. US-Dollar, knapp zwei Mrd. US-Dollar waren versichert.
In Europa verursachte außerdem ein heißer, langer und ungewöhnlich trockener Sommer Milliardenschäden insbesondere in der Landwirtschaft. Die Dürre verursachte direkte Schäden von 3,9 Mrd. US-Dollar (3,2 Mrd. Euro). Indirekte Schäden durch Produktionsausfälle oder teure Rohstoffe sind in der Bilanz der Munich Re indes nicht enthalten sind. Nur ein Bruchteil der Schäden (280 Mio. US-Dollar bzw., 230 Mio. Euro) war demnach versichert, da sich in vielen Ländern Landwirte oft nur gegen einzelne Gefahren, meist Hagel, versichern, so die Munich Re. Bis in den Herbst behinderte zudem das Niedrigwasser der Flüsse den Gütertransport und damit die Wirtschaft.
Insgesamt kamen bei den Naturkatastrophen des Jahres 2018 rund 10.400 Menschen ums Leben. Die tödlichste Katastrophe war laut Munich Re ein sieben Meter hoher Tsunami nach einem Erdbeben nahe der indonesischen Stadt Palu, der am 28. September die Einwohner überraschte. Tausende Gebäude wurden dabei zerstört, etwa 2.100 Menschen verloren ihr Leben.  Ein weiterer Tsunami traf am Abend des 22. Dezember ebenfalls in Indonesien Küstenregionen der Inseln Sumatra und Java, der vermutlich durch einen Hangrutsch bei einem Ausbruch des Vulkans Anak Krakatau ausgelöst wurde. Mindestens 400 Menschen kamen dabei ums Leben.
"2018 war geprägt von mehreren schweren Naturkatastrophen mit hohen versicherten Schäden. Dazu zählen das ungewöhnliche Zusammentreffen schwerer Wirbelstürme in den USA und in Japan sowie verheerende Waldbrände im Herbst in Kalifornien. Derart große Feuer treten durch den Klimawandel offenbar häufiger auf. Daher muss hier bei Baustandards und Landnutzung gehandelt werden, um Schäden zu vermeiden. Insgesamt sollte die Häufung ungewöhnlicher Ereignisse und Zusammenhänge für Versicherer Anlass sein zu prüfen, ob sie Ereignisse wie im Jahr 2018 auf dem Radar ihrer Modelle hatten oder Risikosteuerung und Zeichnungsstrategie anpassen müssen.
Torsten Jeworrek, Vorstand der Munich Re

Swiss Re kommt auf rund 79 Mrd. US-Dollar

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommen auch die Schätzungen des Schweizer Rückversicherers Swiss Re. Schätzungen zufolge belaufen sich die gesamtwirtschaftlichen Schöden aus Natur- und Man-Made-Katastrophen im Jahr auf 155 Mrd. US-Dollar (2017: 350 Mrd.). Die versicherten Schäden aus Katastrophen weltweit dürften in diesem Jahr indes schätzungsweise 79 Mrd. US-Dollar erreichen. Außerdem forderten die Katastrophenereignisse mehr als 11.000 Opfer. Demnach betrugen demnach allein die Gesamtschäden aus Naturkatastrophen in diesem Jahr rund 146 Mrd. US-Dollar. Davon waren laut Statistik rund 79 Mrd. US-Dollar versichert (2017: 150 Mrd.). Die wirtschaftlichen Schäden aus menschengemachten Katastrophen fallen demnach mit rund neun Mrd. US-Dollar zu Buche, von denen etwa acht Mrd. US-Dollar versichert sind. 
GDV-Naturgefahrenbilanz 2018
GDV-Naturgefahrenbilanz 2018Quelle: GDV
Auch der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) verzeichnete für das Jahr 2018 einen überdurchschnittlichen Schadenaufwand durch Sturm, Hagel und sonstige Naturgefahren.  Demnach haben allein im Jahr 2018 Stürme, Hagel und Starkregen in Deutschland versicherte Schäden an Häusern, Hausrat, Gewerbe- und Industriebetrieben in Höhe von 2,7 Mrd. Euro verursacht. Dies geht aus vorläufigen Zahlen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hervor. Dabei entfielen allein rund 2,2 Mrd. Euro auf Sturm- und Hagelschäden, heißt es weiter. Dabei hinterließ allen Sturm "Friedrike" einen Sachschäden von rund 900 Mio. Euro. Nur die Stürme "Lothar" (1999), "Jeanett" (2002) und "Kyrill" (2007) waren seit 1997 noch stärker als "Friederike"."2018 gehört zu den vier schwersten Sturmjahren der letzten 20 Jahre", kommentiert GDV-Präsident Wolfgang Weiler. Leicht unterdurchschnittlich fällt mit einer halben Mrd. Euro die Schadenbilanz der weiteren Naturgefahren aus, zu denen etwa Starkregen gehört, so der Branchenverband weiter.

DWD: 2018 war ein außergewöhnliches Wetterjahr

Für den Deutschen Wetterdienst (DWD) war das Jahr 2018 das wärmste und sonnigste Jahr seit Beginn regelmäßiger Aufzeichnungen. Zudem gehörte es zu den niederschlagsärmsten Jahren seit 1881. Von April bis November verliefen alle Monate ausnahmslos zu warm, zu trocken und sonnenscheinreich, heißt es in einer ersten Auswertung der rund 2.000 Wetterstationen. Mit 10,4 Grad Celsius lag  der Temperaturdurchschnitt demnach um 2,2 Grad über dem Wert der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990. Mit etwa 2.020 Stunden registrierte der DWD zudem das sonnenscheinreichste Jahr seit Beginn von Aufzeichnungen 1951.
Die sonnenreichsten Bundesländer 2018
Die sonnenreichsten Bundesländer 2018Quelle: Statista
Heißester Ort war nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes Bernburg an der Saale mit 39,5 Grad am 31. Juli 2018. Die kälteste Nacht meldete Reit im Winkl am 28. Februar 2018 mit -22,1 Grad.
"Das Jahr 2018 stand ganz im Zeichen des Klimawandels".
Andreas Friedrich, Pressesprecher des DWD
Hinzu kam eine ausgeprägte Trockenheit, die vor allem den Landwirten im vergangenen Jahr deutlich zu schaffen machte. Verglichen mit dem Fünf-Jahres-Mittel liegen die Erträge bei den hauptsächlich in Deutschland angebauten Feldfrüchten in diesem Jahr teilweise bis zu 45 Prozent niedriger. Die Politik hatte den betroffenen Landwirten bereits Entschädigungen von insgesamt 340 Mio. Euro zugesagt.
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