Der Geldkoffer für Fintechs wird geöffnet
Der Geldkoffer für Fintechs wird geöffnetQuelle: Thorben Wengert / www.pixelio.de / PIXELIO
Politik & Regulierung

Deutsche Fintechs erhalten von Investoren mehr als eine Milliarde Euro

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Grenze ist durchbrochen: Mehr als eine Milliarde Euro haben deutsche Fintechs im letzten Jahr an Investitionen eingenommen. Laut der Unternehmensberatung Barkow Consulting entspricht das einem Wachstum von 55 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Zu dem Ergebnis habe ein starkes Schlussquartal geführt, wie die FAZ meldet. In den letzten drei Monaten des Jahres pumpten Geldgeber 353 Mio. Euro in die jungen Finanzunternehmen - mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum. Die Zahlen sind allerdings mit Vorsicht zu genießen, denn was genau als Fintech bezeichnet wird, ist oft Auslegungssache. EY sprach kürzlich von 636 Mio. Euro Investitionen in deutsche Fintechs und einer Steigerung von zwölf Prozent. Die beiden zählenden Unternehmen EY und Barkow nehmen in ihre Auflistung unterschiedliche Unternehmen auf, oder lassen sie herausfallen, was natürlich das Endergebnis beeinflusst. Sicher ist, Millionen hin, Millionen her, dass Fintechs gefragt sind. Das zeigen die Investments in die Berliner Smartphone-Bank N26 (130 Mio. Euro) oder den Zins-Marktplatz Deposit Solutions, der 88 Mio. Euro einnehmen konnte. Von dem Geldregen für Fintechs profitieren auch (deutsche) Insurtechs.

Fintechs verbünden sich verstärkt auch untereinander

Dabei nimmt auch die Kooperationsbereitschaft der Finanzunternehmen immer weiter zu - und zwar nicht nur zwischen etablierten Playern der Branche und Start-ups. So zählt der "FinTech-Kooperationsradar" der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC insgesamt auch 219 Fälle, in denen Finanz-Start-ups mit anderen Finanz-Start-ups zusammenarbeiten. Dabei seien allein seit Anfang 2017 mehr als 91 dieser Bündnisse hinzugekommen sind, heißt es in der Ende November 2018 veröffentlichten Analyse. Dabei kooperieren diese nicht nur mit reinen Fintechs, sondern häufig auch mit Unternehmen, die artverwandte Dienstleistungen anbieten oder Produkte anbieten, die Bankdienstleistungen benötigen, wie etwa Finanzierungen. Sehr beliebt seien demnach auch Bündnisse zwischen Finanz-Start-ups und Medienfirmen. Allein 92 dieser Kooperationen hat die PwC-Untersuchung ermittelt. In 86 Prozent dieser Fälle beteiligten sich die Medienunternehmen finanziell an den FinTechs.
"Für die traditionelle Finanzindustrie ist das ein alarmierender Trend. Denn wenn aus den FinTech-Netzwerken eigene Komplettangebote entstehen, dann werden die Start-ups auf mittlere Sicht doch noch zu einer Gefahr für die angestammten Banken und Versicherer.
Sascha Demgensky, Leader FinTech bei PwC in Deutschland
Weiterhin hoch im Kurs stehen allerdings auch die Kooperationen der Fintechs mit Banken und Versicherern. Zwar arbeiten die deutschen Banken viel öfter (562 Fälle) mit FinTechs zusammen als die Versicherungen (294). Dafür zeigen zumindest die großen Versicherungskonzerne bei ihren Kooperationen größere finanzielle Risikofreude und gehen zudem auch deutlich mehr internationale Bündnisse ein, heißt es bei PwC. Demnach kooperieren die deutschen Banken in 84 Prozent aller Fälle mit ebenfalls deutschen Finanz-Start-ups. Bei den Versicherern kommt allerdings in 59 Prozent der Fälle einer der beiden Partner aus dem Ausland.

Große Erfolge und auch Niederlagen

Bereits im Oktober des letzten Jahres wurde die Meldung publik, dass die Versicherungskonzerne im Jahr 2017 weltweit rund 2,3 Mrd. US-Dollar in Insurtechs investierten, ein Rekord. Das Jahr 2018 dürfte schwerlich wesentlich schlechter ausfallen, das zeigen die Beispiele Clark mit 29 Mio. und One, das einen dreistelligen Millionenbetrag einnehmen konnte. Nicht jedes Insurtech kann allerdings solche Ergebnisse verzeichnen, Knip fusionierte nach Problemen mit Komparu, der Gründer Dennis Just verließ das Unternehmen und wechselte zu Ergo Direkt. Zuletzt meldete ein Finanzmedium, dass der digitale Krankenversicherer Ottonova Problem bei der Kundengewinnung haben soll. Trotz des Geldsegens ist also nicht alles Gold im Insurtechland Deutschland, aber es hat auch niemand gesagt, dass es einfach ist, ein ausgewachsener Versicherer zu werden.

Fintechs · Insurtechs · Clark · Wefox
Auch interessant
Zurück
25.04.2019VWheute
Falsche Dieb­stahl­an­zeige kann Apple eine Milli­arde kosten "Verklage Unternehmen mit tiefen Taschen" – das scheint in den USA ein weit verbreiteter…
Falsche Dieb­stahl­an­zeige kann Apple eine Milli­arde kosten
"Verklage Unternehmen mit tiefen Taschen" – das scheint in den USA ein weit verbreiteter Sinnspruch zu sein. Ein Student nahm sich das zu Herzen und hat Apple wegen einer unwahren Diebstahlbeschuldigung auf eine …
03.04.2019VWheute
Boeing-Absturz könnte Rück­ver­si­cherer bis zu einer Milli­arde Dollar kosten Der Absturz der Boeing 737 der Ethiopian Airlines vor knapp drei Wochen…
Boeing-Absturz könnte Rück­ver­si­cherer bis zu einer Milli­arde Dollar kosten
Der Absturz der Boeing 737 der Ethiopian Airlines vor knapp drei Wochen könnte die Rückversicherer weltweit teuer zu stehen kommen. So rechnet  James Vickers vom Versicherungsmakler Willis Re…
01.04.2019VWheute
Allianz-Manager Bahr: "Niemand sollte ewig Poli­tiker sein" Wenn Daniel Bahr heute als Repräsentant der Allianz in der Öffentlichkeit auftritt, wenn …
Allianz-Manager Bahr: "Niemand sollte ewig Poli­tiker sein"
Wenn Daniel Bahr heute als Repräsentant der Allianz in der Öffentlichkeit auftritt, wenn er auf Kongressen oder Messen mit Versicherungsbezug als Redner spricht oder wenn er nur als Besucher eines Events erscheint, …
26.03.2019VWheute
Erhalten die Versi­cherer einen größeren Markt­zu­gang in China? Der Handelsstreit zwischen den USA und China könnte möglicherweise ein Vorteil für …
Erhalten die Versi­cherer einen größeren Markt­zu­gang in China?
Der Handelsstreit zwischen den USA und China könnte möglicherweise ein Vorteil für ausländische Versicherer sein. So kündigte der stellvertretende Vorsitzende der chinesischen Finanzaufsicht CBRIC am Wochenende auf …
Weiter