Öffnet sich das Zinsschloss in diesem Jahr?
Öffnet sich das Zinsschloss in diesem Jahr?Quelle: Thorben Wengert / www.pixelio.de / PIXELIO
Märkte & Vertrieb

R+V und Talanx uneinig über Höhe und Geschwindigkeit des Zinswachstums

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Das laufende Jahr wird das Ende der Niedrigzinsen in Europa bringen. Das ist die Ansicht vieler Experten, andere sind sich dagegen sicher, dass die Änderungen eher kosmetischer Natur sein werden. Ob 2019 schlussendlich das Jahr der europäischen Zinswende wird, dazu haben Talanx und R+V eine klare Meinung.  

Es ist seit einigen Jahren nicht leicht, für die Kapitalanlage bei einem (Lebens-) Versicherer verantwortlich zu sein. Die Zinsen auf dem Kapitalmarkt werden mit der Lupe gesucht und die Anlage in Aktien muss mit Rücklagen teuer bezahlt werden. "Im Standardmodell von Solvency II werden Aktien im Vergleich zu anderen Assetklassen, wie beispielsweise Renten, relativ undifferenziert und streng im Bezug auf Eigenkapitalunterlegung behandelt", weiß Reiner Will, geschäftsführender Gesellschafter vom Ratingunternehmen Assekurata.

 

Erschwerend kommt für die Branche hinzu, dass Finanzgrößen wie Allianz-Chefberater Mohamed El-Erian im Jahr 2019 eine hohe Volatilität auf den Aktienmärkten erwarten.

 

Alles in allem wäre den Lebensversichern also gedient, wenn die Europäische Zentralbank dem Vorbild ihrer amerikanischen Schwester FED folgt und die Zinsen erhöht. Uwe Siegmund, Chief Investment Strategist von R+V, glaubt an eine Änderung zum positiven, wenn auch in bescheidenem Umfang: "Die R+V rechnet mit einer weiteren Normalisierung der Zinssituation, d.h. die amerikanische Notenbank FED kommt dem Ende und die europäische Zentralbank EZB dem Beginn der Zinserhöhungen näher. Beide Zentralbanken haben bereits ihre Wertpapierkäufe beendet."

 

Das hat natürlich Auswirkungen auf die Vorgehensweise des Unternehmens. "Insgesamt gehen wir weiterhin von einem Niedrigzinsumfeld aus, auf das sich die R+V schon länger einstellt. In der Kapitalanlage setzen wir unsere Strategie fort, alternative und eigenkapitalorientierte Investments zu verstärken und diese vor allem zu diversifizieren", erläutert Siegmund das Vorgehen.

 

Das erwartet die Talanx

 

Etwas pessimistischer beurteilt Jan Wicke, Vorstandsmitglied der Talanx AG und verantwortlich für das deutsche Privat- und Firmenkundengeschäft sowie IT, die Anpassung der Zinswelt: "Wir rechnen 2019 nicht mit einer signifikanten Zinserhöhung. Dabei ist eine Normalisierung des Zinsniveaus längst überfällig. Die Politik der Notenbanken und eine Normalisierung der Realzinsen sprechen mittelfristig für höhere Zinsen. Politische Unsicherheiten, wie zum Beispiel Brexit, Handelskonflikte, werden eine Normalisierung von Bundrenditen jedoch verlangsamen bzw. verschieben." Die Bedeutung der von ihm prognostizierten Änderung hält er für beherrschbar und sein Unternehmen gut aufgestellt: "Wir sind mit unserer bisherigen Anlagepolitik gut gefahren, daher bleiben wir bei unserer konservativen, sicherheitsorientierten Strategie und nehmen weiterhin nur geringfügige Zinsänderungsrisiken."

 

Wie das Zinsniveau sich manifestiert, kann anhand der Verzinsung von Bundesanleihen sichtbar gemacht werden. Die Deutsche Bank rechnet aktuell damit, dass eine zehnjährige Bundesanleihe am Ende des Jahres mit 0,7 Prozent verzinst werden wird.

 

Wicke geht über diesen Wert hinaus: "Wir halten eine Bundrendite zum Jahresende 2019 von einem Prozent oder mehr für durchaus realistisch. Vorausgesetzt, dass sich nicht eines der vielfältigen Risiken, wie Brexit, Handelskonflikte, manifestiert." Siegmund rechnet dagegen mit etwas weniger: "Niedriger als 1 Prozent, aber höher als derzeit", ist seine Prognose.

 

Am Ende des Jahres wird sich zeigen, ob die Herren mit ihren Schätzungen richtig lagen und das Niedrigzinstal tatsächlich durchschritten wurde.

Talanx · R+V · Zinsen · 2019
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