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Hacker erpressen Lloyd’s und Hiscox mit brisanten 9/11-Dokumenten

Von Philipp ThomasTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der Vorfall entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Cyber-Risk deckende Versicherer werden angeblich selbst Opfer von Hackern. Die Gruppe „Dark Overlord“, die bereits Netflix erpresste, erbeutete Dokumente zu Schadenerledigungen der 9/11-Anschläge und droht diese zu veröffentlichen, falls bald nicht eine hohe Summe an Lösegeld in Bitcoins fließt.

Die digitalen Archive von großen Anwaltsfirmen bergen manches monetarisierbares Insider-Wissen. Meist geht es um künftige Transaktionen: wer durch Hacking an Vorab-Info zu anstehenden Unternehemnszusammenschlüssen gelangt, kann durch rechtzeitigen Optionserwerb zu einem freilich illegal erworbenen Vermögen verlangen. Im Fall der New Yorker Anwaltskanzlei Husch Blackwell geht es um weit zurückliegende Vorgänge, nämlich Schadenerledigungen im Zusammenhang mit den 9-11 Terrorakten.  

 

Die anonyme Hacker-Gruppe „The Dark Overlord“ bedroht auch die Versicherer Hiscox Syndicates Ltd und Lloyds of London. Beide Unternehmen bestreiten jedoch, davon betroffen zu sein. Laut einem Zeitungsbericht sind zudem sonstige befasste Anwaltsfirmen und 1500 versicherte Geschädigte, u.a.  Silverstein Properties, der langfristige Pächter des WTC Grundstücks und diverse US-Regierungsagenturen wie die Transport Security Administration (TSA) und die Federal Aviation Administration angeblich betroffen. Die Hacker drohen nach und nach 10 GB/18.000 erbeutete Dokumente im Dark Net zu veröffentlichen, es sei denn sie erhalten von den bedrohten Firmen und Regierungsstellen ein selbstverständlich in Bitcoin (derzeit ca 3.650 US-Dollar) zu errichtendes Lösegeld.

Zu den früheren Opfern von Dark Overlord gehörten u.a. Netflix (Vorab-Veröffentichung einer neuen TV-Serie), diverse US-Krankenversicherer (Patientendaten) und auf Krankendaten spezialisierte Softwarehäuser. Die Ankündigungen der Hacker dürften zu einem Großteil Bluff sein. Es ist eher unwahrscheinlich, dass die Gruppe die einzelnen Dokumente von sachkundigen Juristen und technischen Spezialisten analysieren lassen und so genaue Vorstellungen entwickeln konnte, welche Brisanz sie im Einzelnen enthalten mögen.

 

Relevant könnten eventuell an das Licht der Öffentlichkeit gelangende Dokumente in folgender Hinsicht sein:

  • Sie könnten alten Verschwörungstheorien neue Nahrung geben, etwa die beiden Türme seien durch Sprengungen zum Einsturz gebracht worden oder das kleinere Gebäude Nr. 7 habe US-Geheimdienste beherbergt und sei zur Verschleierung von Zusammenhängen nachträglich gesprengt worden.
  • Es könnte der Versuch unternommen werden einzelne Schadenerledigungen neu aufzurollen, wenn sie auf der bewussten Vorenthaltung kritischer Informationen durch die prozessuale Gegenseite beruhten, der dann möglicherweise auch die Berufung auf die Verjährung nicht mehr helfen würde.
  • Des Weiteren könnten solche Dokumente Auswirkungen auf die anstehenden Prozesse von 9-11 Opfer-Sammelklagen gegen regierungsnahe Saudi-Stellen zeitigen, denen Komplizität mit den 19 Attentätern vorgeworfen wird. Die Sammelklage konnte erst nach Aufhebung der saudischen Staatsimmunität vor US-Gerichten durch den US-Kongress anhängig gemacht werden. Hiscox-Syndikate gehören selber zu den Klägern.
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