Quelle: Knorr Bremse
Politik & Regulierung

Allianz-Chefökonom: Hohe Zuwanderung von Asylsuchenden hat über steigende Staatsausgaben zu zusätzlicher Nachfrage geführt

Von Dr. Michael HeiseTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die deutsche Wirtschaft sieht sich zum Ende des Jahres mit einem herausfordernden internationalen Umfeld konfrontiert. Global hat sich die bis dato sehr robuste Konjunkturdynamik spürbar abgeschwächt. Eine der wenigen Ausnahmen hierzu bilden die USA - dank einer stark prozyklischen Fiskalpolitik. Rund ein halber Prozentpunkt des diesjährigen Wirtschaftswachstums von real knapp drei Prozent ist allein dieser expansiven Fiskalpolitik zuzuschreiben. Eine Prognose zu den volkswirtschaftlichen Entwicklungen 2019.

In der Gruppe der Schwellenländer ist dagegen eine konjunkturelle Abschwächung eingetreten. Die aufstrebenden Volkswirtschaften haben durch höhere Zinsen in den USA einen starken Kapitalabzug erlebt. Zudem belastet die Unsicherheit über den von den USA angezettelten Handelsstreit diese Länder in besonderer Weise.

 

Die Kapitalverlagerungen und die erhöhte Unsicherheit sind nicht allein an den Wertverlusten an Aktien- und Anleihemärkten in diesen Ländern abzulesen, sondern sie haben auch zu starken Währungsabwertungen geführt. Das Ausmaß der Anpassungen ist von Land zu Land sehr unterschiedlich. Am stärksten hat es Argentinien und die Türkei getroffen, was angesichts ihrer makroökonomischen Ungleichgewichte in Form von hohen Leistungsbilanz- und Haushaltsdefiziten auch nicht überrascht. Für die Ländergruppe im Ganzen dürfte im kommenden Jahr allerdings eine Stabilisierung der Lage zu erwarten sein.

 

Deutschland profitiert von Zuwanderung aus der EU

 

Trotz des jüngsten Rücksetzers kann man die wirtschaftliche Lage in Deutschland nach wie vor als sehr gut bezeichnen. Die lange Aufwärtsentwicklung, die nach der Finanzkrise einsetzte und für einige Jahre recht verhalten blieb, hat sich seit Anfang 2016 beschleunigt und die Beschäftigung auf ein Rekordniveau von zuletzt rund 45 Millionen Erwerbstätigen ansteigen lassen. Die Arbeitslosigkeit ist weit unter dem Niveau in anderen Ländern und der öffentliche Haushalt ist trotz kräftig steigender Ausgaben deutlich im Plus.

 

Profitiert hat Deutschland in den vergangenen Jahren von einer Beschleunigung der Weltkonjunktur. Hinzu kam eine starke Zuwanderung von Erwerbstätigen aus der EU, die das Arbeitsangebot erweiterte. Die hohe Zuwanderung von Asylsuchenden hat über steigende Staatsausgaben zu zusätzlicher Nachfrage geführt.

 

Aber wird es einfach so weitergehen? Der jüngste Konjunktureinbruch sollte als Warnschuss verstanden werden. Der deutsche Exportmotor stottert – der andauernde Handelsstreit mit den USA und die Krise in einigen großen Schwellenländern machen sich zunehmend in der deutschen Exportstatistik bemerkbar. Gleichzeitig hat sich die Stimmung in der Wirtschaft eingetrübt.

 

Für die Investitionsbereitschaft der Unternehmen ist das eine Belastung. Wenn Unternehmen nicht sicher sein können, dass ihr wirtschaftliches Umfeld auf absehbare Zeit einigermaßen günstig bleibt, werden sie heute nicht in die Erweiterung ihrer Kapazitäten investieren, selbst wenn deren Auslastung aktuell noch überdurchschnittlich ist. Es ist daher kein Wunder, dass derzeit die Prognosen für das kommende Jahr zum Teil deutlich nach unten korrigiert werden. Ich selbst rechne für 2019 mit einem Wirtschaftswachstum von etwas über 1½ Prozent. Eine Verschärfung des Handelsstreits oder lähmende Konflikte um den Austritt Großbritanniens und dem italienischen Haushalt könnten das Wachstum jedoch weit tiefer drücken.

 

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der Dezember-Ausgabe der Versicherungswirtschaft.

Zuwanderung · Konjunktur
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