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Schlaglicht

Strategien, Aufreger, Themen 2019: Versicherer planen die Revolution

Von Michael StanczykTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Mundwinkel der deutschen Versicherungschefs zeigen nach oben, wenn man sie fragt, wie das Geschäftsjahr denn verlaufen ist. Klar, die Ergebnisse waren gut. Auf die Schulter klopfen können sich die Top-Manager untereinander, aber auch ihren Mitarbeitern. In einer sich zuspitzenden Phase des Umbruchs gelingt es immer besser, neuralgische Punkte offen zu benennen sowie beherzte Antworten in Strategie und Inhalt darauf zu finden. Die Versäumnisse der Vergangenheit allerdings sind noch nicht aufgeholt. In einer Zeit voller Unwägbarkeiten machen Versicherer vieles richtig, aber eben nicht alles.

Der Versicherungsbranche wird ein sehr solider Zustand attestiert. Die interne Stimmung 2018 war gut, 2019 wird sie gut werden, heißt es aus Expertenkreisen. "Wenn ich mir beispielsweise die Solvenzquoten der Versicherer anschaue, dann würde ich sagen, dass die Branche unter dem Strich ziemlich gut dasteht", stellt Frank Grund, Exekutivdirektor der Versicherungsaufsicht bei der Bafin, fest.

 

Gleichwohl ist die Marktlage im Sachgeschäft gegenüber der Lebensversicherung naturgemäß anders ausgeprägt. "Das Thema Verkauf von Run-Off-Lebensportefeuilles ist von vielen Versicherern öffentlich negativ gebrandmarkt worden, obwohl es den jeweiligen Unternehmen signifikante Vorteile bieten könnte", erklärt Frank Reichelt, Head Northern, Central & Eastern Europe bei der Swiss Re. "Dieser Ballast wird auch 2019 auf die Stimmung drücken."

 

Debatte um Provisionsdeckel sorgt für Aufregung

 

Die neuen Regelungen für die Bildung der Zinszusatzreserve für Unternehmen bringen eine gewisse Erleichterung, doch schwebt das Damoklesschwert des Provisionsdeckels nach wie vor über der Branche. Unternehmen wie die Versicherungskammer Bayern mahnen die Dringlichkeit einer angemessenen Bezahlung für hochwertige Beratungsleistungen an. Häufig fehle hier die Eigeninitiative der Verbraucher. Es dürfe zu keinem einseitigen oder nicht branchenübergreifenden Einschnitt in das in Deutschland etablierte Allfinanzmodell geben.

 

Die Diskussion um einen Provisionsdeckel in der Lebensversicherung sorgt für reichlich Diskussion und Aufregung, vor allem bei den Maklern. Sollten Provisionen künftig tatsächlich gedeckelt werden, steht den Beteiligten ein radikaler Umbruch bevor. Schon heute kommen viele Maklerunternehmen an die Grenzen ihrer Profitabilität. Wenn rund 80 Prozent der Arbeitszeit mit der Erledigung von administrativen Aufgaben verloren gehen, können Makler kaum aus den verbleibenden 20 Prozent die Umsätze herausholen, die zum Überleben notwendig sind.

 

Getsurance-Mitbegründer Viktor Becher sieht auch positive Aspekte. "Der Provisionsdeckel würde die Versicherer dazu zwingen, ihren Vertrieb zu digitalisieren. Damit würde die Branche dem veränderten Kaufverhalten der Generation Y Rechnung tragen."

 

Start-ups halten Versicherer auf Trab

 

Wie in den vergangenen Jahren auch wird das Themenumfeld aus Digitalisierung, Big Data und IT-Ökosystemen 2019 die Strategieagenda der Versicherer und Terminkalender der Vorstände bestimmen. Obwohl das Vorgehen der Versicherer von außen kritisch bewertet wird, urteilen die Unternehmen positiv über ihre bislang erzielten Fortschritte, mit Blick auf künftige Entwicklungen sei man zuversichtlich, heißt es aus konzerninternen Kreisen. Auch die Start-up- und Insurtech-Szene hätte ihren Anteil daran, sie halte traditionelle Versicherer auf Trab und treibe Innovation voran.

 

"Es hat etwas gedauert, bis Versicherungsunternehmen und Insurtechs, Fintechs und Start-ups erkannt haben, dass sie keine Konkurrenten sind. Wir können sehr gut voneinander profitieren, wenn wir die jeweiligen Stärken des anderen kennen und gegenseitig nutzen", erklärt VKB-Vorstandsvorsitzender Frank Walthes. Heute haben sich Trendsetter wie die Allianz oder Axa ganze Start-up-Portfolios aufgebaut, der regionale Player VKB ist Mitbegründer des Insurtech Hub Munich. Experten rechnen damit, dass 2019 auch mittelständische Versicherer zunehmend Investitionen in Start-ups tätigen, die zu ihrer strategischen Vision passen.

 

Die Partnerschaft selbst ist mehr Zweck- denn Liebesbeziehung. Und die etablierten Player werden nicht müde zu betonen, wer eigentlich Herr am Insurance-Markt ist. "Insurtechs werden weiter mit frischen, neuen Ideen dazu beitragen, dass die Versicherer ihre Kunden noch besser bedienen können. Mit Versicherungslizenzen sind sie weitere Spieler auf einem schon vollen Spielfeld. Sie können zwar Nischen besetzen, aber werden sich bei der Skalierung schwertun", sagt Armin Zitzman, Vorstandschef der Nürnberger.

 

Dass die Digitalisierung von den Versicherern mittlerweile ernst genommen wird, steht außer Frage. Selbst kleine Mittelständler starten ihre eigenen Digitalprojekte, sagt Becher. Nun müssten die Versicherer den Anforderungen der Generation Y entsprechen. Anbieter wie Dropbox oder Youtube haben junge Kunden daran gewöhnt, dass sie hochwertige Produkte gratis nutzen können und nur bei Bedarf für Extraleistungen zahlen.

 

Was bleibt von Versicherung übrig?

 

Die deutschen Versicherer machen heute bereits vieles richtig – auch wenn Konkurrenten oder potenzielle Partner das naturgemäß anders sehen. Über die Zukunft der Branche muss man sich keine Sorgen machen – auch wenn der Fortschritt bei Themen wie Digitalisierung, Kundenfokussierung und Innovation nicht immer ganz so schnell läuft, wie es der Konsument wünscht. Strategien und Stoßrichtung der Insurance-Industrie stimmen – auch wenn die damit verbundenen Schwierigkeiten manchmal stärker in den Vordergrund rücken als daraus resultierende Geschäftsperspektiven.

 

Es lässt sich nicht verbergen, dass sich der Zeitgeist verändert und den Versicherern zusetzt. "Versicherer müssen sich in agile Softwareunternehmen wandeln. Den meisten wird das nicht gelingen", warnt Becher.

 

Was also bleibt von Gesellschaften übrig? Viel, vorausgesetzt der Wandel in einer ganzen Unternehmenskultur wird angenommen.

 

Hinweis in eigener Sache: VWheute macht Weihnachtpause

Mit der heutigen Ausgabe geht VWheute in die Weihnachtspause. Die nächste reguläre Ausgabe erscheint wieder spätestens am 7. Januar 2019 wie gewohnt um 00:04 Uhr. Allen Lesern wünscht die Redaktion gesegnete Weihnachtstage und kommen Sie gut in ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2019! Bleiben Sie uns gewogen!

Prognosen · Provisionsdeckel · Swiss Re · Nürnberger · Versicherungskammer Bayern · Getsurance
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