Frank Grund
Frank GrundQuelle: Bafin
Politik & Regulierung

Frank Grund: "Rufe nach pauschaler Deregulierung führen nicht unbedingt zu mehr Stabilität"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Ist der deutsche Versicherungsmarkt ausreichend reguliert? Fragt man die Versicherungsunternehmen und die Finanzaufsicht Bafin danach, dürften die Antworten entsprechend ausfallen. Für Bafin-Exekutivdirektor Frank Grund habe die Vergangenheit jedenfalls "gezeigt, dass Rufe nach pauschaler Deregulierung nicht unbedingt zu mehr Stabilität geführt haben". Ungeachtet dessen zieht er im VWheute-Interview für 2018 dennoch eine "durchaus zufriedene" Bilanz.

Welche Themen stehen 2019 im Fokus?

Natürlich wird der Brexit 2019 im Fokus stehen. Der bevorstehende EU-Austritt Großbritanniens wird den Binnenmarkt und damit auch die Versicherungsbranche nachhaltig verändern.  Außerdem wird die Digitalisierung mit ihren Auswirkungen auf Strukturen und Arbeitsweise der Versicherungswirtschaft weiterhin ein zentrales Thema bleiben. Neue Wettbewerber, sogenannten "Bigtechs", könnten mit datengetriebenen Geschäftsmodellen in den Versicherungsmarkt eintreten. All dies stellt auch die BaFin vor neue Herausforderungen. Auch das Thema Nachhaltigkeit wird für die Unternehmen und die Aufsicht zunehmend in den Fokus rücken. Neben der erforderlichen Begriffsklärung sind insbesondere die Chancen und Risiken einer nachhaltigen Kapitalanlage in diesem Zusammenhang zu beachten. Und wir müssen noch einige Überzeugungsarbeit dafür leisten, dass "grüne" Investitionen nicht per se risikoärmer als andere Anlagen sind.  Darüber hinaus werden wir uns intensiv mit der Umsetzung der EbAV-II-Richtlinie und der Weiterentwicklung von Solvency II beschäftigen.

Wird am Versicherungsstandort D wirklich zu viel reguliert?

Ich sehe im europäischen Vergleich keine überbordende Regulierung in Deutschland. Die deutschen Versicherer stehen - auch wegen der Veränderungen des Aufsichtsregimes in den letzten Jahren - ziemlich stabil da. Davon abgesehen hat die Vergangenheit gezeigt, dass Rufe nach pauschaler Deregulierung nicht unbedingt zu mehr Stabilität geführt haben.

Wieso ist Regulierung gerade in Zeiten des Umbruchs so wichtig?

Aus Sicht der Versicherungsaufsicht ist es wichtig, aktuellen Entwicklungen im Rahmen der Regulierung Rechnung zu tragen. Nur so ist auch in Zukunft eine angemessene und wirksame Aufsicht – und damit der Schutz der Belange der Versicherungsnehmer - möglich.

Wo sehen Sie die größten politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Risiken mit Rückkopplung auf das Versicherungsgeschäft?

Neben der fortschreitenden Digitalisierung wird uns auch die Niedrigzinsphase weiterhin beschäftigen. Auch wenn bereits zu hören war, dass die Leitzinsen im Herbst 2019 möglicherweise angehoben werden könnten, wären die Probleme - insbesondere der Lebensversicherer - damit natürlich nicht auf einen Schlag gelöst. Darüber hinaus zählt aus meiner Sicht der zunehmende Protektionismus zu den größten Risiken. Die aktuellen protektionistischen Bestrebungen könnten gravierende Folgen für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft haben und sich somit unmittelbar auf das Versicherungsgeschäft auswirken.

Welches Fazit ziehen Sie aus diesem Jahr?

Aus Erfahrung habe ich gelernt, das Jahr nicht vor dem Jahresende zu loben. Sofern jedoch nichts Unvorhergesehenes mehr dazwischen kommt, können wir, denke ich, mit der Entwicklung durchaus zufrieden sein - gerade angesichts der bereits erwähnten Herausforderungen wie Niedrigzinsphase und Digitalisierung. Ein mögliches Fazit würde ich gerne von den rein betriebswirtschaftlichen Aspekten abkoppeln. Aus dem Jahr 2018 werden wir sicherlich die Änderung der Zinszusatzreserve mitnehmen, die meiner Meinung nach notwendig und überfällig war. Darüber hinaus werden uns mit Blick auf die im Jahr 2020 anstehende Gesamtüberprüfung von Solvency II die laufenden Diskussionen zur Überarbeitung des Rahmenwerks weiter begleiten.

BaFin · Frank Grund
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